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28.04.07 / Was Pankower Experten wissen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-07 vom 28. April 2007

Was Pankower Experten wissen
von Harald Fourier

Der Herr von meiner neuen Hausverwaltung hatte ein Problem. Als er mir den Schlüssel für meine neue Wohnung aushändigte, kam er auf die beiden Ladengeschäfte im Haus zu sprechen. Sie standen leer.

"Ich brauche noch zwei Ladenbetreiber. Solche, die nicht gleich wieder ausziehen." Das war das Schlüsselwort: "gleich wieder ausziehen". Oft können die Kunden im Prenzlauer Berg gar nicht so schnell schauen, wie aus "Neueröffnung" wieder "Räumungsverkauf" wird. Von vielen kleinen Geschäftsideen setzen sich eben nur die besten durch.

Das Gespräch mit dem Hausverwalter hat vor drei Jahren stattgefunden. In dem einen Ladengeschäft wird jetzt Kindermode verkauft. Das andere Geschäft hatte zunächst ein Engländer angemietet, der dort ein Secondhandgeschäft mit dem Namen "Juicy Lucy" eingerichtet hat. Bei "Juicy Lucy" waren alle Mieter mehrfach eingeladen und wurden kostenlos mit Wein und Bier versorgt. So habe ich endlich mal meine Nachbarn kennengelernt. Vor einem Jahr ist "Juicy Lucy" dann aber ausgezogen. Es schien sich zu bestätigen, was ich schon immer geahnt hatte: Vom Handel mit gebrauchten Klamotten kann einer nicht reich werden, vom Wein-Verschenken erst recht nicht. Inzwischen ist ein Südafrikaner in dem Soutterainladen und handelt mit Weinen aus seinem Heimatland.

Der Bezirk Pankow hat jetzt ein Projekt "Pankow organisiert sein wirtschaftliches Potential neu" ins Leben gerufen, das der Unterstützung von Kleinstunternehmern gewidmet ist. Und das, obwohl ähnliche Großprojekte wie die Ich-AG gerade beerdigt worden sind.

Wie so oft versuchen Politiker etwas zu lenken, das ohne sie reibungslos funktioniert hat. Und wie so oft wurden erstmal Experten von der Beratungsfirma "IQ Consult" hinzugezogen, die zu der Auffassung gelangt sind, daß Kleinstunternehmer Schwierigkeiten haben, Kredite bei Banken zu bekommen. Was für eine phänomenale Erkenntnis! Die 100000 Euro hätte sich der Bezirk auch gut sparen können, denn schließlich weiß jedes Kind, daß Mittelständler Probleme mit Banken haben. Dafür braucht niemand ein Gutachten.

Läden kommen, und sie gehen. So ist das nun einmal in einem lebendigen Umfeld wie dem Prenzlauer Berg. "Juicy Lucy" ist übrigens gar nicht pleitegegangen, wie ich zuerst befürchtet hatte. "Juicy Lucy" ist in die Prenzlauer Allee umgezogen, weil der Laden expandiert. Das Geschäft ist aus dem kleinen Laden in meiner Straße hinausgewachsen - und das in nur einem Jahr!


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