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28.04.07 / Ziemlich kritisch / Napoleon und die Preußen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-07 vom 28. April 2007

Ziemlich kritisch
Napoleon und die Preußen

",Nieder mit Napoleon!'" lautet der Titel des neusten Geschichts-Hörbuches aus dem Hause Polarfilm, das auf den Markt gekommen ist. Der Schlachtruf ist von den Machern der Doppel-CD in Anführungszeichen gesetzt, um ihn als Zitat zu kennzeichnen, doch hätten sie auf die Gänsefüßchen verzichten können, entsprechen die Worte doch der Kernaussage des Hörbuchs.

Der Untertitel, "Geschichte des Preußischen Freiheitskampfes", ist etwas irreführend, ist am Ende der ersten der beiden CDs doch gerade erst der Frieden von Tilsit erreicht. Im Grunde geht es um die napoleonischen Kriege von der Selbstkrönung des Kaisers 1804 bis zur Niederlage des napoleonischen Frankreich 1814 unter besonderer Berücksichtigung Preußens.

Erzählt wird dieses wichtige Stück Geschichte im Stile einer Gute-Nacht-Geschichte, eines Märchens. Es wäre absolut kein Stilbruch, würde das Hörbuch mit den Worten anfangen: "Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es im Land der Franzosen einen Mann, der krönte sich selber zum Kaiser."

Die große Stärke von Geschichts-Hörbüchern sind originale Tondokumente. Diese müssen hier aufgrund der Ferne des behandelten Zeitraumes aus naheliegenden Gründen leider entfallen. Auf szenische Darstellungen, wie wir sie vom Fernsehen seit Guido Knopp kennen, wurde verzichtet. So besteht die einzige Auflockerung des von Matthias Ponnier und Eva Garg vorgetragenen Textes von Karl Höffkes aus passender Geräuschkulisse und getragener Musik, die bei passender Gelegenheit im Hintergrund zu hören sind.

Das vermittelte Geschichtsbild ist das klassische, bis zu dessen Eroberung durch die Alliierten im Deutschen Reich vorherrschende. Ohne falsche Rücksichtnahme auf die deutsch-französische Freundschaft werden Napoleons Verbrechen ohne Wenn und Aber kritisiert und deutsche Freiheitshelden im Kampf gegen die napoleonische Fremdherrschaft wie Schill, Körner, Lützow, Hofer und Palm thematisiert. Die Kritik am Kaiser der Franzosen geht sogar so weit, daß er mit Hitler verglichen wird. Das ist natürlich schon grenzwertig, angesichts dessen, daß in der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile von einer Singularität des Holocaust auf eine Unvergleichbarkeit des Nationalsozialismus geschlossen wird. Daneben gibt es noch einige kecke Hinweise auf Parallelen in der Geschichte, die man so in keinem bundesdeutschen Geschichtsbuch finden wird. Nichtsdestotrotz kann man die Doppel-CD unbesorgt in Kinderhände geben, ohne sich Sorgen machen zu müssen, daß sich die Liebsten im Geschichtsunterricht um Kopf und Kragen reden.

Leider ebenso unbegründet wie vielversprechend ist folgende Ankündigung aus dem Hüllentext: "Dieses Hörbuch räumt mit den Geschichtslügen auf, die Napoleon schon zu Lebzeiten lanciert hat ..." Mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme über die vermeintliche Sensation klären die Sprecher den Zuhörer darüber auf, daß es gar nicht stimme, was in den Schulbüchern stehe, daß in Wirklichkeit vielmehr bei der Krönung Napoleons das Szepter Karls des Großen gar nicht verwandt worden und der Tilsiter Frieden auch gar nicht milde, nachsichtig und großzügig gewesen sei. Nun mag man über Schulbücher gewiß viel Negatives sagen können, aber ich habe in meinen Schulbüchern nicht gelesen, daß bei der Krönung Napoleons das Szepter Karls des Großen verwandt worden oder der Tilsiter Frieden mild, nachsichtig und großzügig gewesen sei.

Verblüffender als die Aufklärung darüber, daß der Tilsiter kein Verständigungsfrieden gewesen ist, finde ich da schon, wie bei der Darstellung des damaligen Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. aus einem Saulus schwuppdiwupp ein Paulus wird. Tilsit mag für den Monarchen ein Schlüsselerlebnis gewesen sein, aber an dem Friedrich Wilhelm vor Tilsit kein gutes Haar zu lassen, den Friedrich Wilhelm nach Tilsit aber als geläuterte Lichtgestalt darzustellen, die sich mit wehenden Fahnen von Anfang an an die Spitze der preußischen Reformer und des Befreiungskrieges stellt, weckt

- milde formuliert - den Verdacht mangelnder Differenzierung. Doch das sind nur Details.

Bleibt die Frage, wem das Geschichts-Hörbuch zu empfehlen ist. Für Kenner der Materie mag die Aufmachung zwar ganz nett, wird der Inhalt aber wohl eher langweilig, da ohne neue Erkenntnisse, sein. Zuhörer ohne Vorkenntnisse werden der Geschichte hingegen kaum folgen können. Ideal scheinen mir Kinder und Jugendliche zu sein, welche die Thematik gerade im Schulunterricht haben. Zum einen werden die trockenen Daten in eine Gesamtgeschichte eingebettet. Zum anderen erhalten die Schüler ein Korrektiv, welches das aus den Schulbüchern gewonnene Geschichtsbild ergänzt, ohne es zu konterkarieren. Manuel Ruoff

",Nieder mit Napoleon!' - Die Geschichte des Preußischen Freiheitskampfes", Geschichts-Hörbuch auf 2 CD, Polarfilm, Münster 2007, Laufzeit 85 Minuten, 14,95 Euro, Best.-Nr. 6149


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