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28.04.07 / In Feuer-, Wasser und Türkennot / Sankt Florian, dessen Festtag der 4. Mai ist, ist nach dem Volksglauben ein Helfer in großer Gefahr

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-07 vom 28. April 2007

In Feuer-, Wasser und Türkennot
Sankt Florian, dessen Festtag der 4. Mai ist, ist nach dem Volksglauben ein Helfer in großer Gefahr
von Manfred Müller

Verschon mein Haus, zünd andre an!" So lautet im Volksmund eine parodistisch abgewandelte Bitte an Sankt Florian, der als Helfer in Feuer- und Wassergefahr und als Schutzpatron der Feuerwehrleute angesehen wird. Vor allem in Österreich genießt Florian große Volkstümlichkeit. Sein Festtag ist der 4. Mai. Unter Kaiser Diokletian soll der römische Soldat Florian in Lorch (Oberösterreich) gräßlich gemartert und dann in der Enns ertränkt worden sein. Die wichtigsten Reliquien dieses Märtyrers ruhen im Augustiner-Chorherrenstift Sankt Florian bei Linz.

Im Florianskult sind wahrscheinlich Elemente eines heidnischen Frühjahrsregen- und Fruchtbarkeitszaubers und die Verehrung einer heidnischen Wassergottheit christlich stark überformt worden. Über den Gewitterregen wurde Florian ein Patron zur Abwehr des Blitzfeuers, dann wurde dies auf alle Arten von Feuersgefahr ausgeweitet. In der Funktion des Feuerheiligen verdrängte Florian seit dem 15. Jahrhundert den heiligen Laurentius, den Märtyrer auf dem Feuerrost.

Seit dem Mittelalter war die Ansicht verbreitet, Florian beschütze die Christenheit vor den Angriffen der Ungläubigen. Schon während der verheerenden Ungarneinfälle zur Ottonenzeit soll Florian um Schutz angerufen worden sein. Nach dem Fall Konstantinopels (1453) wuchs im Abendland die Furcht vor der osmanisch-türkischen Gefahr. 1512 pilgerte Kaiser Maximilian I. zu den Reliquien Florians, weil der Druck der Osmanen auf dem Balkan in Richtung auf Mitteleuropa immer stärker wurde. 1521 und 1683 standen die Türken vor Wien. 1684 unternahm Kaiser Leopold I. mit seiner Familie eine Wallfahrt zum Stift Sankt Florian, um dem Heiligen zu danken, da er durch seine Fürbitte bei Gott mitgeholfen habe, daß die Türken nicht weiter ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation vorstoßen konnten.

Ein Jahr später beauftragte Abt David Fuhrmann von Sankt Florian den Architekten C. A. Carlone, das Kloster umzubauen. Türkengefahr und Türkenabwehr wurden zu Leitmotiven für das gewaltige Bildprogramm, das sich durch den Neubau hindurch zog. Rund 50 Jahre lang wurde im Stift Sankt Florian ein ikoneographisches Programm entwickelt, das die Siege des Hauses Habsburg über die Osmanen zwischen 1683 und 1718 ausgiebig feierte.

Diese triumphalen Baumaßnahmen an der Reliquienstätte des Helfers gegen die Türkengefahr reihten sich ein in die begeisterten Siegesfeiern, die nach 1683 im ganzen Heiligen Reich (und in anderen Ländern des Abendlandes) Ausdruck einer großen Erleichterung waren. Durch den Sieg vor den Mauern von Wien fühlte man sich erlöst von einer ungeheuren Bedrohung. Flugschriften, Lieder, Münzen, Medaillen kündeten davon. Besonders deutsche Volkslieder und Volksballaden sind aufschlußreiche Quellen für ein Türkenbild, das im Heiligen Römischen Reich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert vorherrschend war: die Türken als die Erbfeinde der christlichen deutschen Nation, als Geschöpfe des Teufels und Gefolgsleute des Antichrist, als gnadenlose und blutrünstige Barbaren, die im Blut der Christen waten. Sicher ein klischeehaftes Bild, das aber aus dem kollektiven Bewußtsein der damaligen Zeitgenossen herrührte.

Nur wenn man sich die fürchterlichen Nöte ganz konkret vergegenwärtigt, über die sich die bedrohten Menschen damals entsetzten, wird die vertrauensvolle Zuwendung zu Sankt Florian nachvollziehbar. So berichtete etwa der Gesandte des Landgrafen von Hessen-Darmstadt aus dem belagerten Wien von den Angstzuständen, die auf Schreckensmeldungen zurückgingen, wonach beispielsweise tartarische Hilfstruppen der Osmanen "den kleinen Kindern die Augen ausgestochen und sie im Blut liegenlassen, den Weibsleuten durch die Brüste Löcher gestochen, sie aneinandergekoppelt und in die ewige Dienstbarkeit, wenn sie es ja bis dahin haben ausstehen können, geführt haben". Wenn Florian schon bei Feuersbrünsten und Überschwemmungen helfen kann, warum sollte er dann - so der Volksglaube - nicht bei einem so ungeheuren Kriegsbrand die Christen vor den Türken schützen können?

Die schwere Niederlage der Türken 1683 vor Wien bestätigte den Ruf Florians als eines bedeutenden Nothelfers. Die christliche Kunst hatte dies durch die Attribute, die sie dem Heiligen zuordnete, stets angedeutet. Als jugendlicher Ritter wurde er dargestellt mit Schwert, Schild, Lanze oder Banner, Seit Ende des 15. Jahrhunderts sieht man ihn mit einem Krug oder Bottich, aus dem er Wasser auf ein brennendes Haus schüttet. Seit dem 18. Jahrhundert - die Ritterherrlichkeit ist längst versunken - wurde Florian als römischer Soldat abgebildet: mit Brustpanzer und Federhelm. Gerne zeigte man ihn auch zusammen mit anderen heiligen Kriegern wie Georg, Sebastian und Mauritius.

Foto: Florian: Wassereimer und Gebäude weisen ihn als Schutzpatron der Feuerwehr aus.


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