14.08.2022

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28.04.07 / Leserforum

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 17-07 vom 28. April 2007

Leserforum

Kein Lorbeerkranz
Betr.: "Besonnen überstand er selbst stürmische Zeiten" (Nr. 14)

Das mag richtig sein, vielleicht überhaupt Kohls Mentalität entsprechend. Ob es ein Verdienst ist, scheint mir fraglich.

Als Deutscher würde ich Kohl zu keinem Nobelpreis vorschlagen und auch keinen Lorbeerkranz winden.

Meine Mutter hat aus Westpreußen einen Koffer gerettet, meine Großmutter ist mit beiden Tanten aus Züllichau geflüchtet und hat dort Gärtnerei und das gesamte Eigentum zurückgelassen.

Für mich ist die Preisgabe des deutschen Ostens eine Verfehlung an unserem Volk, zu der wohl auch nur wir Deutsche fähig gewesen sind. Polen hätte uns ein Beispiel sein können, das nie aufgegeben hat, was es als sein Eigen ansah.

Natürlich hätte ich die umgesiedelten Polen nicht aus den deutschen Ostprovinzen vertreiben wollen, ihnen ist ja auch einmal Zwang angetan worden, aber es hätte doch möglich sein müssen, diese deutschen Landesteile unter eine gemeinsame Verwaltung von Deutschen und Polen mit gleichen Rechten und Pflichten zu stellen. Vielleicht hätte dieses Zusammenwirken und -leben zu einem Vorbild für das übrige Europa werden können.

Karl Niedermeyer, Berlin

 

 

Kein Freibrief
Betr.: Leserbrief ",Verbrannte Erde'" (Nr. 14)

Werte Redaktion! Ihr Hinweis: Die Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder, die sich nicht mit der Meinung der Redaktion zu decken braucht, ist zwar richtig und wichtig, ist aber kein Freibrief für die Redaktion, jeglichen Blödsinn drucken zu lassen.

Jeder Journalist kann sich nicht von der Verantwortung losprechen, die er für das von ihm Redigierte und Gedruckte gegenüber den Lesern trägt.

Der Leserbrief "Verbrannte Erde" ist dafür ein krasses Beispiel, denn dieser spezielle Ausdruck wurde erstmals nicht von Stalin, sondern von der Deutschen Wehrmacht auf ihrem ersten Rückzug angewandt.

Todesstrafen nach Vergewaltigungen sind mir nicht bekannt. Bekannt ist mir allerdings, daß Ilja Ehrenburg sich gegen den ihm nachgesagten Ausspruch verwahrt hat.

Im Krieg passiert allerdings so manches.

Wer also ein Gemetzel vom Zaun bricht, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende den kürzeren zieht. Oder genauer gesagt, den kürzeren gezogen hat.

Heinz Glogau, Brandenburg

 

 

Friedensnobelpreis unangebracht
Betr.: "Besonnen überstand er selbst stürmische Zeiten" (Nr. 14)

Von der Sache her halte ich den Initiator des Nachrüstungsbeschlusses, den Altbundeskanzler Helmut Schmidt, für den geeigneteren Kandidaten in puncto Friedensnobelpreis - der den Beschluß auch sicherlich durchgesetzt hätte, wenn nicht die FDP die Seite gewechselt hätte. Der eigentliche erfolgreiche Stratege des wirtschaftlichen "Totrüstens" der Sowjetunion war allerdings der amerikanische Präsident Ronald Reagan, der damit den wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch der DDR bewirkte. Experten war das klar - nur dem "besonnenen" Kanzler Kohl nicht. Auf dem Kreistreffen der Heiligenbeiler im September 1986 in Burgdorf hielt Prof. Dr. Wolfgang Seifert die Festansprache und endete seinen Vortrag mit den Worten: "... Und im übrigen, meine Damen und Herren, wird es nicht mehr lange bis zur Wiedervereinigung dauern!" Etwa zur gleichen Zeit beantwortete Herr Kohl die parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Dr. Berhard Friedmann nach der Strategie des Kanzlers für eine Wiedervereinigung wörtlich, er wäre noch niemals in einer Anfrage mit "solch einem blühenden Unsinn konfrontiert worden", weil sie, wie auch Heckel richtig erwähnt, "nicht auf der Tagesordnung der Weltpolitik stünde". Unbestreitbar ist der "Held der Wiedervereinigung" der amerikanische Präsident Georg Bush senior - die geschwächte Sowjetunion konnte sie nicht mehr verhindern - und die wiedervereinigungsunwilligen Länder und Frankreich mußten sich den USA fügen.

Erst als "das Volk der DDR - wir sind ein Volk" - praktisch dem Herrn Kanzler vor der Tür stand, wurde dieser tätig. Manche der anstehenden Regelungen gelangen ihm ganz gut, andere wirkten sich verheerend aus: So die 1:1-Umstellung im Zuge der Währungsunion am 1. Juli 1990, die die DDR-Industrie von einem Tag auf den anderen konkurrenzunfähig machte und den Bundesbankpräsidenten Karl Otto Pöhl nur noch das Weite suchen ließ. Und die Beibehaltung der 1946 erfolgten Enteignungen der Bauern und des Mittelstandes, verbunden mit einer öffentlichen Lüge vor dem Bundestag, ist alles andere als ein Ruhmesblatt Kohl'scher Politik.

Was die Grenzanerkennung von 1990 betrifft, bleibt zu fragen, ob solche tatsächlich unter Hinweis auf das Potsdamer Protokoll überhaupt nötig gewesen ist: "Bis zum Friedensvertrag bleiben die abgetrennten deutschen Ostgebiete unter polnischer und russischer Verwaltung".

Ein deutscher Kanzler hätte vielleicht die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, die Rückgliederung von Stettin in die Wege zu leiten, weil gemäß Potsdamer Protokoll die Grenze in der Mitte der Oder liegen soll und Stettin westlich der Oder liegt. Eine schöne, aber rein theoretische Vorstellung!

Daß Kommissionspräsident Barroso den Altbundeskanzler irgendwie eine Anerkennung zukommen lassen will, ist verständlich, hat doch der Kanzler 1991 und 1992 dafür gesorgt, das Deutschlands Nettozahlungen an die EU etwa dreimal so hoch sind wie diejenigen von England und Frankreich zusammen, daß Deutschland nach wie vor treu und brav den Kohäsionsfond zugunsten von Griechenland, Portugal und Spanien bedient und sogar aus lauter EU-Euphorie die harte D-Mark - der letzte Bereich, wo wir noch souverän entscheiden konnten - zugunsten des halbweichen Euro ersetzte.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises erscheint mir vor diesem Hintergrund unangebracht zu sein, ein einmaliger Sonderorden für die EU-Verdienste des Altbundeskanzlers als finanzielle "Super-Nanny" und "Zahlmeister der EU" dagegen der gegebenen Lage richtig und angemessen zu sein.

Dr. Siegfried Pelz, Wyk auf Föhr

 

 

Wissen um Wahrheit
Betr.: "Ein Kriegsverbrechen" (Nr. 10)

Mit Anthony C. Grayling hat sich nun auch ein englischer Philosoph zur angloamerikanischen Luftkriegsführung gegen Deutschland energisch zu Wort gemeldet. Diesen Massenmord an Zivilisten im frontfernen Hinterland jetzt auch moralphilosophisch hinterfragt zu haben ist zweifellos ein wertvoller Beitrag im Kampf der Historiker wider die Lüge. Das Wissen um die Wahrheit - wer den Luftkrieg am 10./11. Mai 1940 eröffnen ließ - gehört heute zur Allgemeinbildung. Viele, auch ich, konnten damals nicht begreifen, warum die Reichsregierung fast drei Monate lang auf gleichgeartete Repressalien gegen England verzichtete und auf ein Einlenken Churchills hoffte. Grayling irrt, wenn er von 2396 Bomben schreibt, die bei "Gomorrha" auf Hamburg fielen, es waren allein 25000 Sprengbomben, abgeworfen von 3000 an den Angriffen beteiligten Bombern. Über drei Millionen Stabbrandbomben, ergänzt durch 80000 Phosphor- beziehungsweise. Flüssigkeitsbrandbomben erzeugten den Feuersturm.

Die Zerstörung Dresdens war der Höhepunkt der Luftbarbarei: "Dresden verlor innerhalb von 16 Stunden nicht nur Teile, sondern fast die gesamte Fläche seines weltbekannten Stadtbildes. Auf einem Areal von mehr als 20 Quadratkilometer waren nicht viele Häuser stehen geblieben. Dagegen hatten deutsche Bomber und V-Waffen in London von September 1940 bis 1945 nicht mal 2,4 Quadratkilometer zerstört". Ob "Kulturozid" oder "Memorozid" - Es bedarf hier keiner neuen Wortschöpfungen. Das UN-Tribunal hat in Den Haag am 26. Februar 2007 im Fall Srebrenica für das Urteil "Völkermord" Maßstäbe gesetzt, die vollauf auf die Churchill/Harris-Luftkriegsführung gegen Deutschland anzuwenden sind.

Dieter Bock, Burgstall

 

 

Heimat und Selbstbestimmung
Betr.: "Gemeinsam in Europa: Die Erklärung von Triest" (Nr. 14)

Dieses Unternehmen ist sehr zu begrüßen. Haben nicht nur ich, sondern auch schon viele andere seit mindestens 40 Jahren dazu angeraten. (Natürlich ohne bisher beachtet zu werden.)

Es geht aber nicht nur um die Gründung so eines Verbandes, sondern um die praktischen Ziele und ihre Erfolge für die noch immer interessierten Vertriebenen in ihrem wirklichen täglichen Leben. Weiterhin geht es um die Unterhaltung der eingeborenen Stammeskultur in den Gebieten, aus denen Menschen unrechtmäßig 1944/46 vertrieben wurden (oder um ihr Leben bangen mußten).

Alle anderen sogenannten "Fortschritte" durch persönliche Begegnungen zwischen Vertriebenen und Vertreibern waren zwar kleine Anfangsschritte. Leider folgte daraufhin aber so gut wie gar nichts. Das Schicksal der Vertriebenen im Zwangsexil ist weiterhin im Sinne der von Stalin geplanten unmenschlichen Ereignisse festgefroren. Von deutscher Seite sind hier keine ernstlichen Bemühungen irgendeiner Partei zu erwarten. Die Besuche Merkels in Polen sind nur dazu angetan, die überempfindlichen "Gefühle" der Polen zu glätten, aber nicht um die Menschenrechte der vertriebenen "Preußen" zu vertreten. Man hofft weiterhin, wie schon unter Brandt, auf ein weiteres Absterben der Erinnerungsgeneration Preußens. Danach könnte man die geschichtliche Existenz des preußischen Staates ableugnen und einer nur noch in Berlin bestehenden, aber sonst "verlorenen Antike" zuschreiben.

Das mag heute noch extrem klingen, aber wenn man betrachtet, wie wenig in dieser Sache von deutscher Seite und der Seite der Vertriebenen (außer der üblichen Nostalgie) besonders seit 1968 erreicht worden ist, dann starrt uns genau diese horrible Nicht-Zukunft für Preußen und seine Landeskultur ins Gesicht. Diese Lage im friedlichen, aber nie nachlassendem Verlangen auf Heimat und Selbstbestimmung wesentlich zu ändern müßte in den Hauptsatzungen eines solchen Dachverbandes verankert sein und mit Nachdruck nach außen hin unablässig vertreten werden (selbst wenn es sich in Wirklichkeit bei den ersten Rückwanderern nur um einige tausend handeln sollte.)

Bisherige Schritte auf diesem Wege wurden, wenn überhaupt, dann nur sehr zaghaft von deutscher Seite vertreten. Es wäre daher nicht mehr als Recht wenn die Vertriebenen weniger die "deutsche Karte" ihrer Kultur und mehr ihre weit tolerantere "preußische" Stammeskultur betonen würden. Die Einstellungen Rumpfdeutschlands den Preußen und den östlichen Völkern gegenüber seit 1871, waren für diese beiden wie auch für andere europäischen davon betroffenen Gruppen eine böse geschichtliche Erfahrung.

Peter P. Haase, Boca Raton, Florida, USA

 

 

Russen können Vorbild sein
Betr.: "Schuldig ja - verurteilt nein" (Nr. 11)

Rußland hat schon mit der Rehabilitierung vieler verurteilter deutscher Kriegsgefangener damit begonnen, die eigene Geschichte von Unrat zu säubern. Nun ist wohl ein weiterer Schritt unternommen worden, der uns aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, daß noch Berge von Unrat zu beseitigen sind.

Ich frage mich, ob uns die Russen nicht ein Vorbild sein könnten. Sind nicht auch bei uns Berge von Unrat produziert worden, mit denen unsere Soldaten des Zweiten Weltkriegs diskriminiert worden sind (denken wir nur an die Reemtsma-Ausstellung?). Wäre es nicht auch bei uns höchste Zeit, die jüngere deutsche Geschichte nicht nur durch die Brille des Holocaust zu sehen, sondern sorgsam zu prüfen, wo wissentlich Unrecht begangen worden ist, und wo die Pflichten eines Staatsbürgers oft erfüllt worden sind. Millionen Deutsche haben ihr Vaterland über ihr persönliches Leben gestellt. Das verdient unseren Respekt, auch wenn sie, wie wir heute wissen, einem Regime dienten, das ihre Opfer nicht verdient hatte.

Und müssen wir nicht endlich aller deutschen Opfer in Würde und Ehrfurcht gedenken? Müssen in Deutschlands Hauptstadt nicht auch Gedenkstätten für die Opfer der Vertreibungen, des Bombenkrieges, der Verschleppten und der Kriegsgefangenschaft sehen?

F.-W. Komstad, Westerland

 

 

Die Fälscher haben gewonnen
Betr.: "Gemeinsam in Europa: Die Erklärung von Triest" (Nr. 14)

Der Zusammenschluß europäischer Bürger, die das gleiche Schicksal erlitten haben, ist sicher eine gute Sache, aber es sind doch nur noch wenige, die das gleiche Schicksal erlitten haben.

In den betreffenden Ländern sind die Heimatvertriebenen für die herrschenden Regierungsparteien in der Regel ohne Interesse, da sie zu wenig Wählerstimmen bringen. Besonders im Deutschland der eingeschränkten Meinungsfreiheit, in dem die Schüler im Geschichtsunterricht kaum anderes als den Holocaust geboten bekommen, wissen doch Millionen fast nichts mehr von den Vertreibungen mit allen ihren Schrecken. Und wenn ihnen die Vergangenheit neuerdings in Fernsehfilmen begegnet, dann doch nie ohne den erhobenen Zeigefinger, daß den Deutschen doch nur geschehen ist, was sie als Folge ihrer eigenen Untaten verdient haben. Das wird sich nicht ändern. Die Fälscher haben gewonnen.

Bertold Reisen, Aalen

 

 

"Elend": Das preußische Dreiklassenwahlrecht und seine Hintergründe
Betr.: Leserbrief "Dreiklassen-wahlrecht verschwiegen" (Nr. 13)

Nur der Kürze der vereinbarten Redezeit bei der Berliner Veranstaltung zum Preußenverbot 1947 ist es geschuldet, daß ich nicht - wie sonst bei unzähligen Gelegenheiten - das Dreiklassenwahlrecht deutlich kritisiert habe.

Bei seiner Einführung durch die Verfassung von 1850 befand es sich durchaus auf dem Niveau anderer moderner Verfassungen (wenn auch nicht des nie in Kraft getretenen Wahlrechts der Paulskirchenverfassung von 1849, das dann in der Verfassung des Norddeutschen Bundes 1867 und des Deutschen Reiches 1871 Realität wurde). Schon Bismarck hat es als "elend" bezeichnet.

Seit 1910 hat es zahlreiche Debatten, nicht zuletzt im Deutschen Reichstag, über eine Reform des preußischen Wahlrechts gegeben. Dabei sind nicht nur die Konservativen, sondern auch das Zentrum (die katholische Volkspartei) für die kaum veränderte Beibehaltung des undemokratischen Wahlrechts eingetreten. Man hoffte mit diesem Wahlrecht, im Rheinland, in Westfalen und Schlesien eindeutig die Oberhand zu gewinnen. Selbst noch 1917 lehnte das Zentrum eine Ablösung dieses Wahlrechts ab (Ernst Rudolf Huber: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789, Band IV, Stuttgart 1961, 381 und Band V, Stuttgart 1978, 141).

So gut wie unbekannt ist es, daß das Königreich Sachsen, um die stimmenstarke Sozialdemokratie zurückzudrängen, 1896 das Dreiklassenwahlrecht einführte. Im Gegensatz zu Preußen hatten danach in Sachsen die zahlreichen Männer, die keine Steuern zahlten, gar kein Wahlrecht. Selbst die linksliberalen Freisinnigen stimmten im Dresdener Landtag dafür. 1909 ging man in Sachsen zum Pluralwahlrecht über: Bei höherem Einkommen bekam man eine bis drei Zusatzstimmen (drei bei über 2800 Mark Jahreseinkommen).

Hatte man die mittlere Reife erreicht oder das 50. Lebensjahr überschritten, gab es ebenfalls Zusatzstimmen (Huber IV, 404-410).

Frauenrecht gab es in Neuseeland seit 1893, in Island als erstem europäischen Land seit 1915.

Seit 1867 herrschte in Preußen der untragbare Zustand, daß der gleiche Wähler, dessen Stimme bei der Reichstagswahl voll gewertet wurde, bei der Landtagswahl - wenn er nicht gut verdiente - unterbewertet wurde.

Prof. Dr. Wolfgang Stribrny, Bad Sobernheim

 

 

Unter Räubern
Betr.: "Einfach nur peinlich" (Nr. 11)

Ist es um die CDU denn viel besser bestellt? Sie kommt zwar in den Umfragen besser weg als die SPD, aber hört man sich selbst um, ist Kritik allgemein. Wenn man als Normalbürger in sein Portemonnaie schaut, könnte man meinen, Deutschland sei unter die Räuber geraten. Zukunftsfähig scheint mir keine Partei. Es wird aber weiter gewurstelt werden. Wir vermögen es nicht zu ändern.

Hans-Gert Rühlmann, Soltau

 

 

Nicht wählbar!
Betr.: Leserbrief "Das Wählerpotential für eine konservative Partei ist vorhanden" (Nr. 15)

Dem Leserbrief ist voll zuzustimmen. Weil bei den maßgeblichen Mandatsträgern der Unionsparteien zunehmend bolschophile Tendenzen erkennbar sind (Details schenke ich mir), ist die Partei selbst für eingefleischte Unionswähler zunehmend nicht mehr wählbar. Gleich die Roten, die Knallroten oder die Grünen wählen, liefe fast auf das gleiche hinaus - einfacher ist es jedoch, sich gleich der Wahl zu enthalten. Auch der FDP ist diesbezüglich nicht über den Weg zutrauen; wenn es opportun ist, hält sie es erfahrungsgemäß, ihre Grundsätze über den Haufen werfend, mit den stärkeren Bataillonen. So ist wegen der noch bis zur nächsten Wahl verbleibenden Zeit die Gründung einer neuen konservativen Partei eigentlich überfällig.

Dr.-Ing. Hans-Joachim Kucharski, Mülheim

 

 

"Klar gemacht"
Betr.: "Geheimpolitik um Europas Zukunft" (Nr. 13)

Was hätten die Gründungsväter Ostpreußens - der Deutsche Orden - wohl zu diesen Zuständen gesagt?

Hm, vermutlich nix. Die hätten eine Handvoll ihrer Ordensritter losgeschickt, die dann 400 bis 500 Mann stark das Europa von heute komplett "klar gemacht" hätten.

Die Chancen stünden gut für dieses markante Trüppchen, denn die konnten was, was Europa-Parlamentarier offenkundig nicht können: Organisieren und vor allem den Überblick wahren, oder besser, die ihnen anvertraute Macht sorgsam und pflichtbewußt verwalten!

Helge Maibaum, Fahrland

 

 

Wer bestimmt eigentlich, wer Atomwaffen haben darf?
Betr.: "Brennpunkt Golf" (Nr. 15)

Wie kommt Herr Voss eigentlich dazu zu behaupten, der Iran wolle Atomwaffen bauen? Es gibt überhaupt keinen Beweis dafür, und es ist auch zutiefst unseriös, den Präsidenten des Iran Dr. Ahmadinedschad als Gefahr für den Weltfrieden darzustellen. Erstens empfehle ich, die Publikationen Ahmadinedschads in deutscher Sprache zu lesen wie seine Briefe an Bush und Merkel. Dann wird schnell klar, was der tief gläubige Mann wirklich will: Frieden.

Zweitens frage ich Sie, was eigentlich dagegen spricht, wenn der Iran tatsächlich Atomwaffen herstellen will? Wer bestimmt eigentlich, wer solche Waffen haben darf? Die USA und Israel?

Die USA nimmt sich heraus, wehrlose Länder zu überfallen, um sich Bodenschätze zu sichern. Unzählige Kriege gehen auf Amerikas Konto. Wenn nur friedliche Länder Atomwaffen haben dürften, müßten die USA und andere Länder umgehend entwaffnet werden. Der Iran hingegen war immer friedlich und ich verstehe nicht, daß man ihn so als Schreckgespenst aufbauscht.

Vergessen wir doch bitte nicht, daß sowohl Afghanistan als auch der Irak unter der Verwendung von Lügen überfallen wurden. Oder wurde Bin Laden in Kabul gefaßt? Und wo waren denn die Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein?

Wahrscheinlich genau dort, wo sich auch die iranischen Atomwaffen befinden ... in der Lügenküche US-israelischer Kriegstreiber.

Lars Seidensticker, Hambühren

 

 

Nicht immer den Briten glauben, auch die iranische Seite hören
Betr.: "Spiel mit den Schmerzgrenzen" (Nr. 13)

Sicher werden wir alle - auch Sie und ich - niemals exakt wissen, was sich dort tatsächlich abgespielt hat. Wir wissen nicht, ob sich dort der Iran einen Übergriff geleistet hat oder ob andererseits dort ein Spähtrupp der Briten auf Kundschaft erwischt wurde oder ob eine geplante Eskalation stattfand (ähnlich verschiedener polnischer Übergriffe am Vorabend des Zweiten Weltkrieges). Aber sollten wir uns angesichts unserer Unkenntnis der konkreten Vorgänge nicht gerade dann vor einseitigen Darstellungen und Bewertungen hüten? Zumal andere Fakten nun doch bekannt sind, mit deren Auseinandersetzung ich Sie durch folgende Fragestellungen anregen möchte:

1) Ist es nicht Eigenschaft gerade von vielen Kriegen "viele Väter" zu haben (frei nach Schulze-Rhonhof)?

2) Versucht dann nicht jede Seite, die Situation einseitig positiv darzustellen und so zurechtzubiegen, daß sie später gut und schuldlos dasteht?

3) Haben nicht gerade die vergangenen Kriege in der Region und deren Rechtfertigung vor allem durch anglo-amerikanische Kriegsteilnehmer gezeigt, daß hier weder an Manipulation und Propaganda noch an bewußter Lüge gespart wurde (vermeintliche "Brutkasten-Story", angebliche "Massenvernichtungswaffen", behauptete "Taliban-Verbindungen" etc.). Und haben sich diese Behauptungen nicht im Nachhinein jedesmal als frei erfundene, aber dafür als sehr zweckdienliche Verleumdungen herausgestellt?

4) Die Marine des Iran hat (an der eigenen Grenze) sicherlich eine Anwesenheitsberechtigung - welche Anwesenheitsberechtigung jedoch haben dort die Briten? Erinnern Sie sich nicht daran, daß es kein Uno-Mandat für die Irak-Besetzung gab und es in dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Irak hauptsächlich um die "Befreiung" der (wirtschaftlichen) Öl-Interessen ging oder geht?

5) Sehen Sie irgendwelche Unterschiede in der Art und Weise der Kriegsvorbereitung (seitens der Anglo-Amerikaner) jetzt gegen den Iran gegenüber jenen vor einigen Jahren gegen den Irak?

Fritz Charta, Karlsbad

 

 

Beeindruckende christliche Spuren in der Türkei
Betr.: "Von Paulus keine Rede" (Nr. 7)

Mit großem Interesse lese ich die militärgeschichtlichen und historischen Artikel, aber auch die zeitgeschichtliche Berichterstattung über die immer absurder werdenden Zustände und die anwidernden politisch korrekten Befindlichkeiten der heute noch Mächtigen in unserem Staatswesen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung. Dies tue ich seit Jahren, seitdem mir eine ältere befreundete Schlesierin ein erstes Geschenkabonnement Ihrer Zeitung zuteil werden ließ.

Der aus dem Rahmen fallende Bericht von Norbert Matern über christliche Spuren im türkischen Perge hat mich als Archäologen besonders gefreut. Dem Kenner antiker Stätten an der türkischen Küste fallen immer wieder Spuren christlicher, byzantinischer Kultur auf, die durch die muslimische Welt des heutigen Türkenstaates schwer überlagert sind. Eingeritzte Kreuze allerorten an Säulen, auf dem marmornen Belag der Marktplätze, auf Tonscherben und Öllampen.

Zu berichtigen ist allerdings die Schilderung Materns über das "halb verfallene Amphitheater" von Perge. Dies ist dem Touristen nicht bekannt. Bevor man das beeindruckende Ruinenfeld von Perge durch das große Markttor betritt, läßt man links das halbrunde Theater und rechts das Hippodrom (eine langgestreckte Arena für Pferderennen) liegen. Unter einem Amphitheater versteht man ein rundes bis ovales Feld mit ringsherum aufsteigenden Zuschauer-Sitzreihen. Besterhaltenes Beispiel das amphitheatrum flavium (wegen der ehemals davor befindlichen gigantischen Statue des Kaisers Nero "Colosseum" genannt) in Rom. Das griechische Wort amphi deutet daraufhin, daß diese römische Erfindung eigentlich aus zwei aneinandergefügten Theatern griechischen Typs ohne Bühnenhäuser besteht. Der Feldherr Cäsar hat ein erstes solches Amphitheater für seine Truppen in Holzkonstruktion errichten lassen und durch das Zusammenklappen zweier Theater alten Typs eine Schauspielermannschaft eingespart. Das besterhaltene halbrunde Theater altgriechischen Typs befindet sich übrigens in Aspendos unweit östlich Perge an der pamphylischen Südküste der heute türkischen Riviera.

Peter Hild, Potsdam


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