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26.05.07 / Ost-Deutsch (16): Schwabe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Ost-Deutsch (16):
Schwabe
von Wolf Oschlies

Nur einmal in zwölf Jahren, erzählt Steffen Möller, deutscher Kabarettist mit Dauerwohnsitz (und Kultstatus) in Polen, habe ihn ein Pole als "Szwab" (Schwabe) beschimpft. Aus dem nordbosnischen Ort Misara kam im März ein Bericht, daß die Bewohner seit 1943 das Grab eines gefallenen Partisanen pflegen "a oko njega 18 mrtvih Svaba" (und bei ihm 18 tote Schwaben). So ist das mit Schwaben bei Slaven: Schon in frühen altkirchenslavischen Texten war Svaba Synonym für Deutscher. Heute mag "szwab" im Norden negativ klingen, für Südslaven gilt, was Zoran Konstatinovic, Nestor der modernen Slavistik, in seinem Buch über Serben und Deutsche notierte: "Erst im 18. Jahrhundert wird Svaba auf alle Deutschen bezogen. Darin kam ein Nahverhältnis zum Ausdruck, später verstärkt in dem Ausdruck nase Svabe, unsere Schwaben, für die Deutschen in Jugoslawien".

1244 rief Ungarn-Herrscher András II. "Sachsen" nach Siebenbürgen, 500 Jahre später siedelte Maria Theresia "Schwaben" im Banat an. 100000 leben von beiden Gruppen noch in Rumänien, wo man sie witzig unterscheidet: "Siebenbürger Sachsen sind groß, schlank und evangelisch - Banater Schwaben klein, dick und katholisch." Anderswo im Südosten wurde nie differenziert: "Idva red na Svabite", skandierten begeistert Bulgaren, als sie 1994 bei der Fußball-WM Argentinien besiegten und nun gegen Deutschland antreten mußten: "Jetzt kommen die Deutschen an die Reihe!" In Jugoslawien hießen Gastarbeiter in Deutschland jahrelang nur "Jugo-Svaba" - was ein heimliches Kompliment war: "Was sich der Serbe ausgedacht, aber der Schwabe gemacht hat", sagten Serben selbstironisch, wenn sie mal wieder eine verblüffende Novität aus Deutschland erlebten.

In den Novellen von Ivo Andric, dem einzigen Literatur-Nobelpreisträger der Südslaven, finden sich häufig "Svabe" (Plural). Bis zum Zweiten Weltkrieg lebten rund 700000 "Svabe", also Deutsche, in Jugoslawien. Bei Kriegsende flohen sie oder wurden vertrieben, heute dürften es 15000 sein. Diese "Podunavske Svabe" (Donauschwaben) werden respektiert - gemäß der sprichwörtlichen "Arbeitsteilung": "Slawen taugen nicht zum Chef, Svabe nicht zum Musiker". Soll eben jeder Seins machen.


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