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26.05.07 / Leere Phrasen / Hans Apel über Wertemangel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Leere Phrasen
Hans Apel über Wertemangel

Er ist SPD-Mitglied und stand sogar für seine Partei in den 70er und 80er Jahren erst als Finanz- und dann als Verteidigungsminister in politischer Verantwortung, trotzdem ist er ein christlich-konservativer Vorkämpfer, der immer wieder gegen den Strom schwimmt.

In "Europa ohne Seele" erläutert er, warum Brüssel sich nicht dazu eigne, Europa eine Seele zu geben. Die europäische Einigung sei in vielen Aspekten nur eine Zielvorgabe, die ihrer Umsetzung noch nicht viel näher gekommen sei als zu Zeiten der Sowjetunion. Vielmehr habe diese Westeuropa noch mehr zusammenrücken lassen, als es nach dem Wegfall des Eisernen Vorhanges der Fall sei.

Vor allem die Religion, genauer das Christentum, spielt bei Apel eine sehr große Rolle. "Die Religion stirbt nicht. Auch sie wird zunehmend individualisiert und entsprechend hingebogen ... Die Entkirchlichung in unserer Zeit bedeutet also nicht, daß Glaube und Religion aus dem Leben der Menschen verschwinden. Beide verlieren aber an gesellschaftlicher Relevanz und damit ihren politischen Einfluß." Apel bedauert dies. Auch empfindet er es als hinderlich, daß die verschiedenen christlichen Kirchen in den 27 EU-Ländern jeweils sehr differierende Arbeitsweisen haben. Anstelle vereint und stark aufzutreten, seien die Kirchen in viele kleine, immer unbedeutender werdende Institutionen aufgeteilt. Zudem paßten die unterschiedlichen Kirchen sich sehr verschieden an die gesellschaftlichen Veränderungen an. "Der dabei erforderliche Spagat kann insbesondere die protestantische Großkirchen überfordern. Denn die einen wollen an den tradierten Glaubensinhalten festhalten, die anderen dem sich wandelnden Zeitgeist folgen, um in Kontakt mit der areligiösen Gesellschaft zu bleiben."

Und zur EU: "Die hehren Worte von Präambeln und den vielen anderen europäischen Festreden waren und sind bis heute bei den Bürgern des vereinten Europas nicht angekommen." Und weiter: "In den drei bevölkerungsreichsten EU-Ländern Deutschland, Frankreich und Großbritannien sieht die Mehrheit der Einwohner ihre nationale und kulturelle Identität durch die EU gefährdet."

Der Autor führt viele Versäumnisse bei der EU an. Er, der in den 60er Jahren selbst als Beamter in Straßburg tätig war, sieht die EU der Gegenwart sehr kritisch. Auch empfindet er es nicht als allzu großen Verlust, daß die EU-Verfassung in ihrem vorliegenden Entwurf von den Franzosen und Niederländern abgewählt wurde.

Europa bräuchte gemeinsame Werte, doch bisher habe diese multikulturelle und multiethnische Gemeinschaft noch keine gemeinsame Identität gefunden.

Auch auf die EU-Osterweiterung geht Apel ein und erwähnt, daß es schwierig sei, diese Staaten, die nach dem Ende der Sowjetunion endlich eine nationale Souveränität ausbilden konnten, dazu zu bringen, Teile davon nun an Brüssel abzugeben. "Die Staaten des Ostblocks sind auch deshalb zusammengebrochen, weil hinter ihren Phrasen nur moralische Leere und individueller Egoismus standen", warnt der Politiker auch in Hinsicht auf die EU.

Gegen Ende seiner Ausführungen stellt der Autor einige EU-Länder vor. Sein Fazit: "Nirgendwo in Europa ist es gelungen, den Nationalgedanken durch den europäischen Gedanken zu ersetzen." Rebecca Bellano

Hans Apel: "Europa ohne Seele", Brunnen, Gießen 2007, geb., 250 Seiten, 14,95 Euro, Best.-Nr. 6178


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