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26.05.07 / Tödliche Thronsehnsüchte / Charlotte von Mexiko war nur kurze Zeit Kaiserin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Tödliche Thronsehnsüchte
Charlotte von Mexiko war nur kurze Zeit Kaiserin

Charlotte von Belgien (1840-1927) zeichnete sich bereits im zarten Alter von 16 Jahren durch ihr besonders starkes Selbstbewußtsein und ihre Zielstrebigkeit aus. So gelingt es ihr in einer Zeit der arrangierten Ehen, ihre große Liebe Erzherzog Maximilian von Österreich (1832-1867) zu heiraten.

"Der Tod der geliebten Mutter traf die zehnjährige Charlotte besonders hart. Zwar war auch König Leopold, ... vom frühen Hinscheiden seiner Frau zutiefst getroffen, aber die Regierungsgeschäfte sorgten für Ablenkung. Charlotte hingegen war allein ... So kam es, daß das bisher so fröhliche Mädchen mit einem Schlag alle Kindlichkeit abstreifte, sehr ernst wurde und sowohl sich selbst als auch ihrer Umgebung gegenüber große Strenge walten ließ. Das Zusammenleben mit dem nun schon 60jährigen Vater, der es als selbstverständlich erachtete, auch mit ihr über Politik und Geschichte zu sprechen, mag dazu beigetragen haben. Immer größer trat die Ähnlichkeit zwischen Vater und Tochter hervor: der scharfe Intellekt, die Energie, die Fähigkeit, Distanz zu halten und Befehle zu erteilen ..." Unter genauer Beschreibung des zeitlichen Rahmens und des gesellschaftlichen Umfeldes Charlottes erklärt Erika Bestenreiner, wie aus einem so unbedarften Kind eine so zielstrebig und politisch engagierte und für ihre Zeit absolut fortschrittlich denkende Frau werden konnte.

Als Kaiser Franz Joseph in der Schlacht von Solferino die Lombardei und die meisten der übrigen von Österreich beherrschten italienischen Gebiete verliert und die Forderung nach einer Abdankung zugunsten von Charlottes Gemahl laut wird, schickt er diesen vorsichtshalber zurück zu seiner Frau nach Triest.

"Da das Schloß immer noch nicht fertig war, wohnten sie im Castelletto, und der Erzherzog nahm seinen Dienst in Triest bei der Marine wieder auf. Auch wenn er die Flotte liebte, so war es zweifellos ein Knick in seiner Karriere. Er war eben nur der jüngere Bruder, den man auf ein Nebengleis abgeschoben hatte, wo er nicht viel zu sagen hatte ..."

Dieser Umstand der Machtlosigkeit und die Tatsache, daß Maximilians Aufgaben rein repräsentativer Natur waren, ließen Charlotte unter anderem da ihr das Mutterglück verwehrt blieb nicht ruhen, und so beging sie den folgenschweren Fehler, ihrem wankelmütigen Mann zuzureden, als Napoleon III. ihm die Kaiserkrone Mexikos anbot.

",Sollte die Situation wieder normal werden, dann glaube ich ... wird der Tag kommen, an dem der Erzherzog wieder eine führende Rolle in den Geschicken der Welt spielt, denn er ist zum Herrschen geschaffen.'"

Das ehrgeizige, machthungrige Paar sollte jedoch bald gemäß der Weisheit "Hochmut kommt vor dem Fall" eines Besseren belehrt werden.

Der Traum eines aufgeklärten, modernen und liberalen Kaisertums zerplatzt angesichts des von Bürgerkriegen zerrissenen Landes und dessen vom Schicksal gebeutelten und unterdrückten Menschen wie eine Seifenblase.

Umfassend stellt Erika Bestenreiner die politische Kulisse dar, vor der Charlotte gedachte, eine machtvolle Kaiserin von Mexiko zu werden, und schafft es, zahlreiche geschichtsträchtige Daten, Zahlen und Fakten so zu verpacken, daß das Gesamtbild für den Leser übersichtlich und die Handlung klar nachvollziehbar bleibt. A. Ney

Erika Bestenreiner: "Charlotte von Mexiko - Triumph und Tragödie einer Kaiserin", Piper, München 2007, geb., 346 Seiten, 19,90 Euro, Best.-Nr. 6180


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