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26.05.07 / Medikus der Polen / Mehr Phantasie als Historie

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-07 vom 26. Mai 2007

Medikus der Polen
Mehr Phantasie als Historie

Das Jahr des Herrn 1427 war heraufgezogen. Der Kreuzzug gegen die böhmischen Ketzer wurde verkündet. Gottesstreiter aus Bayern, Sachsen, Schwaben, Hessen, Thüringen und den Hansestädten im Norden fallen mordend, brandschatzend tief nach Böhmen ein. Doch vor Mies kommt der Kreuzzug zum Stehen, und da dem Brandenburger Kurfürsten Friedrich die Belagerung zu lange dauert, befiehlt er, nach Prag weiterzuziehen, nach dem Motto: Wer Prag hat, der hat Böhmen. Doch den Pragern gelingt es, die feindliche Macht vernichtend zu schlagen und aus der Stadt zu treiben.

Der junge schlesische Medikus Reinmar von Bielau ist immer noch auf der Flucht vor seinen Häschern, die ihn der Hexerei, des Anschlags auf königliche Steuereintreiber, der Unzucht und des Mordes beschuldigen. Aber auch der Prager Geheimdienst interessiert sich für Reinmar und will ihn in geheimer Mission nach Schlesien schicken. Da Reinmar unterdessen erfahren hat, wer seinen Bruder ermordet hat, und auf Rache sinnt, nimmt er den Auftrag an. Außerdem will er sein Versprechen einlösen, seinen Freund Samson von seinem Zauber zu befreien, um ihm die Rückkehr in seine eigentliche Gestalt zu ermöglichen. Dabei soll ihm der berühmte Magier Rupillius, der auf Schloß Trosky residiert, helfen. Und irgendwo in Schlesien wartet da noch seine geliebte Nicoletta.

Reinmar schmiedet einen Plan und macht sich mit seinen Freunden Scharley und Samson auf den Weg. Aber wieder einmal läuft von Anfang an alles schief. Auf Schloß Trosky wird Reinmar gefangengenommen und in den Kerker geworfen. Nur durch die Hilfe des Magiers und Samsons gelingt ihm die Flucht. Ständig müssen sie sich gegen Diebesgesindel, Verräter und Betrüger wehren. Inmitten tobender Schlachtfelder drohen ihnen Folter und Tod. Durch geschicktes Taktieren können sie jedoch den Gefahren und Intrigen ihrer vielen Gegner entkommen. Die Begegnung mit der rätselhaften "Grünen Dame" verhilft Reinmar herauszubekommen, wo sich seine Nicoletta aufhält. Und wieder einmal gerät er der Liebe wegen in große Gefahr. Der "Mauerläufer" und seine schwarzen Ritter stellen Reinmar zum Kampf.

Nach "Narrenturm" ist "Gottesstreiter" der zweite Band einer Trilogie des polnischen Bestsellerautors Andrzej Sapkowski um Reinmar von Bielau. Ein opulenter Historienroman aus dem 15. Jahrhundert zur Zeit der Hussitenkriege. "Held" Reinmar gelingt es immer wieder mit viel Geschick, sich aus scheinbar aussichtslosen Situationen zu retten und seine Gegner schonungslos gegeneinander auszuspielen. Sapkowski mischt in seine Geschichte auch eine kräftige Portion Magie in Form von Zaubersteinen, Lichtzauber und hilfreichen Engeln. Auch sein zweiter Roman ist für Freunde des Mittelalters und historischer Phantasiegeschichten ein Lesevergnügen. Mit Spannung wartet der Leser nun auf seinen dritten Band "Lux perpetua". Barbara Mußfeldt

Andrzej Sapkowski, "Gottesstreiter", dtv Verlag, München, geb., 734 Seiten, 17,50 Euro, Best.-Nr. 6181


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