15.08.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
08.09.07 / Ein Zurückgekehrter feierte Jubiläum / Der Ostpreuße Siegfried Taday betreibt mit seiner Ehefrau seit zehn Jahren das Haus Panorama in Scheufelsdorf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-07 vom 08. September 2007

Ein Zurückgekehrter feierte Jubiläum
Der Ostpreuße Siegfried Taday betreibt mit seiner Ehefrau seit zehn Jahren das Haus Panorama in Scheufelsdorf
von Manuel Ruoff

Seit der „Wende“ ist es wenigstens den aus dem südlichen Ostpreußen stammenden Deutschen möglich, in ihre Heimat zurückzukehren. Zu wenige Betroffene machen hiervon jedoch Gebrauch. Einer von ihnen ist Siegfried Taday.

Siegfried Taday, 1948 in Burdungen geboren, machte in Ortelsburg das polnische Abitur und wurde zum polnischen Militär eingezogen. Dann ging er nach Burg bei Magdeburg in der DDR und schließlich nach Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen. Vor zehn Jahren kehrte er in seine ostpreußische Heimat zurück. Er baute mit seiner Ehefrau Brigitte das Gästehaus Panorama auf. Als Standort wählte er ein Grundstück in Scheufelsdorf bei Passenheim zwischen Allenstein und Ortelsburg. Entscheidend für die Standortwahl waren unterschiedliche Faktoren. Zum einen liegt der Ort nur neun Kilometer von Siegfried Tadays Geburtsort entfernt. In der evangelischen Kirche lernte er in den 60er Jahren seine heutige Ehefrau Brigitte kennen, die in Ostpreußen besuchsweise verweilte, da ihre Mutter und ihre Familie aus Scheufelsdorf stammen. Zum anderen ist der Standort touristisch günstig gelegen. Das 36000 Quadratmeter große Grundstück liegt direkt am Kalbensee. Die Touristenmagnete Allenstein, Hohenstein, Ortelsburg, Nikolaiken, Neidenburg, Rastenburg, Heiligelinde und Oberländischer Kanal sind problemlos in einer Tagestour erreichbar. So gehören Exkursionen zu diesen Stätten mit dem hauseigenen Reisebus zum Angebot für die Hausgäste, die sich aus Heimattouristen, aber auch aus Mitgliedern von Wandervereinen und Kirchengemeinden, Naturfreunden sowie älteren Menschen, die Ruhe und Erholung in der masurischen Natur suchen, zusammensetzen.

In diesem Sommer 2007 konnte nun das Ehepaar Taday mit seinem Team das Jubiläum zehn Jahre Haus Panorama feiern. An einem Sonnabend stieg das große Fest, an der neben den Hausgästen auch Honoratioren sowie Freunde und Nachbarn aus der Umgebung teilnahmen. Kurz nach 10 Uhr ging es damit los, daß ein extra aus Allenstein angereistes 15köpfiges Blasorchester aufspielte. Der eigentliche Festakt auf dem Gelände des Grundstückes begann mit dem gemeinsamen Gesang von Europahymne und Ostpreußenlied. Auf Nationalhymnen wurde verzichtet. Ganz bewußt sollte das Verbindende und nicht das Trennende zwischen deutschen und polnischen Ostpreußen betont werden. Anschließend warf Siegfried Taday in seiner Begrüßungsrede einen Blick zurück auf zehn Jahre Haus Panorama und verband dieses mit einem Dank an alle, die dafür gesorgt haben, daß das Familienunternehmen heute dort steht, wo es steht.

Nach dem bei solchen Anlässen obligatorischen Gläschen Sekt gehörten der Bürgermeister und der evangelische Pfarrer von Passenheim, Bernard Mius und Witold Twardzik, die auch für Scheufelsdorf zuständig sind, zu den ersten Gratulanten. Statt ein Gastgeschenk entgegenzunehmen, nutzte Siegfried Taday die Gelegenheit, dem Pfarrer eine Gesamtspende in Höhe von 2000 Euro für den alten, evangelischen Friedhof von Passenheim zu übergeben. Taday verband die Übergabe mit einem Dank an die Spender, die er namentlich vortrug, und die PAZ, da unsere Leser der Meldung „Friedhofsrenovierung“ in der Ausgabe vom 1. April 2006 unter Bezugnahme hierauf ihr Scherflein zu dieser Summe beigetragen haben. Daß dieses so ist, ist der PAZ ein zusätzlicher Ansporn zu verfolgen, wie es mit diesem Friedhofsdenkmal weitergehen wird. Der Passenheimer Friedhof ist Eigentum der Evangelischen Gemeinde Passenheim und wird weiterhin von der Gemeinde genutzt. In den letzten Jahren wurden hier auch vertriebene Ostpreußen beerdigt, die hier auf dem Passenheimer Friedhof gemeinsam mit ihren Ahnen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Nach der Gratulationskür begann der informelle, also der gemütliche Teil der Feier. Im Anschluß an das Mittagessen kam „Traumschiff“-Atmosphäre auf, als – wie beim Ende jeder Folge dieser Serie – eine mit Wunderkerzen geschmückte Torte in den Speisesaal gerollt wurde. Verstärkt wurde diese „Traumschiff“-Atmosphäre noch dadurch, daß das Einrollen der Torte von der Blaskapelle musikalisch umrahmt wurde und die Kapelle, obwohl in Allenstein beheimatet, in maritime Phantasieuniformen gekleidet war. Der Höhepunkt der Stimmung war erreicht, als der Hausherr dem Kapellmeister dessen Schirmmütze abnahm, sie sich selber aufsetzte und das Kommando über die Kapelle übernahm.

Das Kaffeetrinken fand ein jähes Ende, als mit dem Helikoptern eigenen Lärm ein Freund der Tadays mit seinem Hubschrauber auf dem Grundstück landete, um mit den Festgästen viertelstündige Rundflüge durchzuführen.

Planmäßig ging es nach den Hubschrauberrundflügen mit einem Auftritt von „Marengo“ weiter. Die acht Studentinnen und Studenten von der Universität Allenstein führten zur Musik eines Akkordeonspielers in ihren farbenfrohen Trachten ukrainische Folkloretänze vor.

Den Rest des Tages sorgte dann das Hausorchester, bestehend aus Saxophon, Keyboard, Gitarre und der vom Hausherren selber gespielten E-Orgel, für Musik. Dazu gab es Spezialitäten aus der Region vom Grill. Der Altersdurchschnitt der Festgemeinschaft nahm stark ab, als zu fortgeschrittener Stunde von den Pfadfindern aus Passenheims Partnerstadt Bassenheim, die auf dem Grundstück des Hauses Panorama ihre Zelte aufgeschlagen hatten, die älteren, die noch nicht ins Bett mußten, hinzustießen, um mit zu feiern.

Um 21 Uhr war es dunkel genug für die Open-Air-Vorführung eines gut dreiviertelstündigen Dokumentarfilms über die Entstehung des Hauses Panorama, wobei es für manchen der Anwesenden ein lustiges Wiedersehen mit alten Bekannten gab. Dem Film folgte ein Feuerwerk als krönender Abschluß des Programms. Danach wurde getanzt, bis die Musik einpackte und der Grill leer war.

Nach diesem bewegten Sonnabend wurde am darauffolgenden Sonntag im kleinen Kreis das Jubiläum weiter begangen. Wer wollte, wurde mit dem Auto zum zweisprachigen Gottesdienst in die evangelische Kirche nach Passenheim gebracht. Nach dem Mittagessen wurde ein ebenfalls von Polen wie Deutschen besuchter ökumenischer Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Grundstücks der Tadays im Camp der Pfadfinder gefeiert, wobei neben den Lagerbewohnern die Gastgeber und Gäste von „Panorama“ das Gros der Teilnehmer bildeten, aber auch polnische Pfadfinder aus der Umgebung zugegen waren. Nach Kaffee und Kuchen sowie allerhand Dönjes, vorgetragen vom Hausherrn Siegfried Taday und dem Stadtvertreter Allensteins Werner Schwarz, ging es gemeinsam zum alten, evangelischen Friedhof von Passenheim. Nachdem man zu dem von Taday auf seiner Trompete intonierten Motiv aus „Näher, mein Gott, zu Dir“ gemeinsam der Toten gedacht hatte, wurde Bestandsaufnahme gemacht. Wenn die vorausgegangenen löblichen Arbeiten der deutschen und polnischen Pfadfinder mit der Unterstützung des Bürgermeisters Mius auch zu einer Besserung der Lage geführt haben, so war man sich doch am Ende dieses letzten Programmpunktes des Jubiläumswochenendes darin einig, daß es mit den Pfarrer Twardzik übergebenen 2000 Euro nicht getan ist. Da Brigitte und Siegfried Taday der Friedhof jedoch sehr am Herzen liegt, bietet er Landsleuten, die selber mit Hand anlegen wollen bei der Rettung des Gottesackers, an, vom 26. September bis 6. Oktober dieses Jahres zu Sonderkonditionen an einer von ihm durchgeführten Busreise nach Ermland und Masuren teilzunehmen.

Nähere Informationen über die Busreise und den für 15 Euro zu erstehenden Dokumentarfilm (wahlweise DVD oder VHS-Kassette) über das Haus Panorama und die Jubiläumsfeierlichkeiten sind erhältlich bei Siegfried Taday, Wernigeroder Straße 40, 40595 Düsseldorf, Telefon (02 11) 7 05 37 44, Fax (02 11) 7 0005 26, E-Mail: info@bts-reisen.de.

Foto: Feierten mit den Hausgästen und den Nachbarn das Jubiläum: Der evangelische Pastor und der Bürgermeister von Passenheim, Bernard Mius und Witold Twardzik, Allensteins Stadtvertreter Werner Schwarz und das Ehepaar Taday (v.l.n.r.)


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren