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08.09.07 / Schlafstörungen mit Folgen / Experten warnen vor zu wenig Schlaf

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 36-07 vom 08. September 2007

Schlafstörungen mit Folgen
Experten warnen vor zu wenig Schlaf
von Haiko Prengel

Schlafmangel ist für Manager und andere Vielbeschäftigte eine Berufskrankheit. Wer jeden Tag zwölf Stunden ackert und dann noch sportlichen und familiären Verpflichtungen nachkommen muß, bei dem kommt die Bettruhe automatisch zu kurz. Wenn dann noch Ein- und Durchschlafstörungen hinzukommen, drohen ernste Konsequenzen. „Die gesundheitlichen Folgeschäden durch Schlafstörungen werden häufig unterschätzt“, warnt Professor Egon Stephan, Direktor der Schlafambulanz am Psychologischen Institut der Universität Köln.

Schätzungen zufolge sind zwischen fünf und 16 Millionen Menschen betroffen. Warnsignale können starke Tagesmüdigkeit oder Schnarchen sein. Vielfach steckt aber Streß dahinter. In seinem Kölner Institut bietet Stephan regelmäßig Kurse für erholsamen Schlaf an. Der Diplompsychologe spricht von einer „paradoxen Situation“: Diejenigen, die im Beruf besonders stark belastet seien und am dringendsten erholsamen Schlaf bräuchten, hätten häufig das größte Schlafdefizit. Langfristig drohen Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gegenüber Kollegen und der Familie reagieren chronisch Müde gereizt. Auch Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit sinken, man fühlt sich den beruflichen Aufgaben nicht mehr gewachsen. Das erhöht wiederum den Streß. „Es ist ein Teufelskreis“, betont Stephan. Um dem entgegenzuwirken, sollte man sein Leben ändern – etwa die Arbeitszeit besser einteilen und eine ausgiebige Siesta halten. Doch so flexibel sind die wenigsten Berufstätigen. „Das Modell der geteilten Arbeit wurde in den 60er Jahren in Deutschland aufgegeben“, sagt Professor Jean Haan, Chefarzt der Neurologischen Klinik und des Schlafmedizinischen Zentrums der Kliniken Maria Hilf in Mönchen-gladbach. Dabei sei es normal, daß die Leistungskurve nach ein paar Stunden vorübergehend abfalle. Dennoch reichen die Mittagspausen heute gerade mal für einen Besuch in der Kantine. Für Entspannung oder gar einen Mittagsschlaf bleibt keine Zeit. Statt dessen halten sich viele mit übermäßig viel Kaffee, Nikotin oder anderen Aufputschmitteln wach.

Der Streß bleibt so den ganzen Tag auf einem hohen Niveau und wird in den Feierabend mitgenommen. „Viele machen dann den Fehler und bauen die Anspannung mit Alkohol ab“, sagt Haan, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung ist. Gegen eine Flasche Bier oder ein Gläschen Wein sei zwar nichts einzuwenden. Mehr davon wirke dagegen kontraproduktiv: „Alkohol hilft nur beim Einschlafen. Die Tiefschlafphasen zerstört er aber“, erläutert der Mediziner. Besser läßt sich der Streß mit Bewegung abbauen, etwa einem entspannten Waldlauf nach der Arbeit. „So werden die Streßhormone am effektivsten abgebaut“, betont Schlafpsychologe Stephan. Dies reduziere die benötigte Einschlafzeit erheblich. Darüber hinaus empfiehlt der Experte einen geregelten Tagesrhythmus, also regelmäßige Essenszeiten einzuhalten und zu festen Uhrzeiten ins Bett zu gehen beziehungsweise aufzustehen.

Wer noch nicht müde ist, braucht sich allerdings nicht ins Schlafzimmer zu quälen. „Man sollte sich nur ins Bett legen, wenn man auch wirklich müde ist“, erläutert Stephan. Viele „chronifizierten“ ihre Schlafstörung, indem sie aus Rücksicht auf ihr Schlafbedürfnis besonders früh zu Bett gingen, sich dann aber stundenlang hin und her wälzten.

Das Schlafbedürfnis ist Stephan zufolge von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sechs bis acht Stunden sollten es in der Regel sein. Manche fühlten sich aber auch nach fünf Stunden schon ausgeruht. Mit ein-, zweimal Ausschlafen am Wochenende läßt sich ein Schlafdefizit dagegen nicht ausgleichen. Das stört den Biorhythmus und macht sich in der folgenden Arbeitswoche bemerkbar.

Wer über mehrere Wochen Probleme mit dem Schlafen hat, sollte dem Experten zufolge einen Spezialisten aufsuchen. Schlaflabore bieten Kurse an, in denen man eine Menge über die Voraussetzungen für erholsame Nächte lernen kann.


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