27.01.2022

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
20.10.07 / Alles andere als medienwirksam / Gegen den von den Medien zum »Opfer rechter Gewalt« stilisierten Ermyas M. wird jetzt ermittel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-07 vom 20. Oktober 2007

Alles andere als medienwirksam
Gegen den von den Medien zum »Opfer rechter Gewalt« stilisierten Ermyas M. wird jetzt ermittelt
von Markus Schleusener

Im August 1992 explodierte die Gewalt in Lichtenhagen. Drei Jahre nach der Wende vertrieben Gewalttäter, angestachelt von einem Teil der genervten Anwohner, die in einem Plattenbau untergebrachten Asylanten (Roma, Vietnamesen) mit brutaler Gewalt. Drei Nächte lang regierte das Chaos in dem Neubauviertel von Rostock.
Groß war damals die Empörung über diesen Ausbruch von Ausländerfeindlichkeit. Innenminister Lothar Kupfer (CDU) mußte seinen Hut nehmen, weil er vor der rechten Gewalt zurückgewichen sei.
2007 gab es wieder gewalttätige Ausschreitungen in Rostock, diesmal gegen eine Konferenz mit ausländischen Regierungsgästen. Tagelang hielten die Aktionen der G8-Gegner die Polizei in Atem. An einem Tag eskalierte die Gewalt am Rostocker Hafen so richtig: Steine flogen. Autos gingen in Brand auf.

Diesmal: keine Konsequenzen. Schließlich waren es diesmal linke Gewalttäter, deren brutale Übergriffe keine Ministerrücktritte oder gar einen „Kampf gegen links“ auslösen – so wie das anders herum der Fall wäre.

Das ist paradox. Aber es läuft immer aufs neue nach diesen einfachen Regeln ab: Gewalttaten von Linksradikalen werden mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Dafür aber ist jeder vermöbelte Ausländer in den neuen Ländern automatisch ein Opfer von rechtsextremen Gewalttätern geworden. Wie blöd, wenn sich im Nachhinein herausstellt, daß es so schwarzweiß nicht war.
So ist es im Fall Ermyas M. zunächst streng nach Muster abgelaufen. Zwei Deutsche, ein Ausländer – da war sofort klar, wer Täter und wer Opfer sein muß. Nach dem „Überfall“ auf den Farbigen in Potsdam am Ostersonntag 2006 übernahm der Generalbundesanwalt Kay Nehm die Ermittlungen und verhaftete schnell zwei Tatverdächtige, die Guantanamo-ähnlich abgeführt wurden. Angebliches Tatmotiv: Rassenhaß. Die Zeitgeistpresse schäumte vor Wut über die beiden Verdächtigen, für die es keine Unschuldsvermutung zu geben schien.
Die ganze Anklage brach jedoch im Prozeß zusammen, weil Indizien nicht stichhaltig waren und Zeugen einknickten. Im Juni 2007 endete er mit einem Freispruch für die beiden deutschen „Koma-Prügler“ („Berliner Kurier“).

Nicht nur der absehbare Freispruch hat den Medien die Sprache verschlagen, die ihr Urteil ja längst gebildet hatten. Auch die Details, die im Laufe der Monate nach der Tat über Ermyas M. ans Tageslicht kamen, waren nicht geeignet, das Bild vom Opfer rassistischer Gewalt zu verfestigen.

Ermyas M. war an dem Tag, an dem er irgendwie in die folgenschwere Prügelei geraten ist, ziemlich betrunken. Er hat andere Leute angepöbelt und sich mit seiner Freundin gezofft. Er wurde schließlich von dem oder den Tätern mit einem Schlag so unglücklich getroffen, daß er mit dem Kopf auf den Boden aufschlug. Er sagte – nachdem er tagelang im Koma gelegen hatte –, daß er sich an nichts mehr erinnern könne.

Inzwischen hat der Fall Ermyas M. ein juristisches Nachspiel – für Ermyas M. wohlgemerkt! Der linke Verein „Brandenburg gegen rechts“ begann sofort für den 39jährigen Ingenieur Spendengelder zu akquirieren. Dabei kam zwar nicht so viel zusammen wie im Falle der verschwundenen Maddie (die Eltern sammelten rund 1,5 Million Euro) – aber immerhin 50000 Euro.

Ermyas M. gründete später mit anderen Personen einen Verein namens „Löwenherz e.V.“, auf dessen Konto das Geld von „Brandenburg gegen rechts“ überwiesen wurde. Das Geld sollte laut Vereinszweck für „Krankenhauskosten, Rehabilitation, Unterstützung der Familie und Rechtsbeistand“ verwendet werden. Trotzdem beantragte Ermyas M. Prozeßkostenhilfe, die für mittellose Personen gedacht ist, die in juristischen Auseinandersetzungen stecken. Und das tat er ja, denn er trat als Nebenkläger auf. Die Hilfe wurde gewährt, weil Ermyas M. die Existenz der gesammelten Spendengelder verheimlicht haben könnte, mutmaßt nun die Potsdamer Staatsanwaltschaft und ermittelt gegen das ehemalige Vorzeigeopfer. Es gäbe Hinweise, daß Ermyas M. „möglicherweise falsche Angaben zu seinen finanziellen Verhältnissen gemacht hat“, zitiert der „Tagesspiegel“ einen Behördensprecher.

Die frühere „Löwenherz“-Vorsitzende Alexandra Klatt wirft ihm, laut „Tagesspiegel“, vor, die Gelder nicht – wie ursprünglich angekündigt – für den Verein verwendet zu haben. Dazu war er nicht verpflichtet, sagen Juristen. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack.
„Wo sind die vielen Spenden-Euro?“, fragt jetzt der „Berliner Kurier“ aufgebracht. Nicht nur die Zeitung und ihre Leser sind enttäuscht. Auch die Mitglieder des Vereins „Löwenherz“. Es gibt Austritte – aus Ärger über das verschwundene Geld.

Unerfreuliches Schreiben von der Potsdamer Staatsanwaltschaft erhalten:
Es geht um unrechtmäßig geforderte Prozeßkostenhilfen. Da 50000 Euro Spenden für Ermyas M. gesammelt wurden, war er alles andere als mittellos.


Artikel per E-Mail versenden
  Artikel ausdrucken Probeabo bestellen Registrieren