28.01.2022

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20.10.07 / Der Primat des Sports ist Geschichte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-07 vom 20. Oktober 2007

Der Primat des Sports ist Geschichte

Gerne wird die dem Sport unterstellte völkerverbindende Wirkung gelobt und gepriesen. Verwiesen wird dann gerne darauf, daß in der Antike sogar Kriege für die olympischen Spiele unterbrochen wurden.

Heutzutage ist es eher umgekehrt. Weniger richtet sich die Politik nach dem Sport als vielmehr der Sport nach der Politik. Statt daß Auseinandersetzungen unterbrochen würden, fallen olympische Spiele eher aus oder werden als politisches Signal boykottiert. Die Sommerspiele 1956 in Melbourne wurden durch Ägypten, den Irak, Kambodscha, den Libanon, die Niederlande, die Schweiz und Spanien boykottiert, jene von 1980 in Moskau durch die USA und 64 ihrer Verbündeten, jene von 1984 in Los Angeles durch die Sowjetunion und 16 ihrer Verbündeten, jene von 1988 in Seoul durch Nordkorea sowie Äthiopien, Kuba und Nicaragua.

Neben diesen Nadelstichen, in denen einzelne Großveranstaltungen – in der Regel aus Protest gegen den Gastgeber – boykottiert werden, gibt es auch noch den totalen sportlichen Boykott gegen einzelne Staaten. Zu nennen ist hier Südafrika. In diesem Falle nahm das Internationale Olympische Kommitte (IOC) eine inkonsequente, um nicht zu sagen unaufrichtige Haltung ein. Während das IOC Boykotte gemeinhin als unsportlich brandmarkt, beteiligte es sich im Falle Südafrikas selber an dem Boykott. 1968, 1972 und 1976 hatte jeweils eine größere Anzahl afrikanischer Staaten mit einem Boykott gedroht, falls das IOC sich weigern sollte, Südafrika, Rhodesien und Neuseeland von den Spielen auszuschließen. In den beiden ersten Fällen gab das IOC nach.

Israel ist einem sportlichen Boykott durch den Iran ausgesetzt. Um Wettkämpfe in Israel und mit Bürgern dieses Staates boykottieren zu können, ohne für diesen Boykott Sanktionen in Kauf nehmen zu müssen, vermeiden Irans Sportler derartige Wettkämpfe, indem sie sich unter Hinweis auf Verletzungen oder andere vorgeschobene Gründe diesen entziehen. Bei den Sommerspielen 2004 in Athen legte der iranische Judoka A. Miresmaeili absichtlich zuviel Gewicht zu, um dem Kampf mit dem Israeli Ehud Vaks aus dem Wege zu gehen. M. R.


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