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20.10.07 / Maler suchen die reale Landschaft / Das Kunsthaus Stade zeigt Werke aus der Künstlerkolonie Dachau

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-07 vom 20. Oktober 2007

Maler suchen die reale Landschaft
Das Kunsthaus Stade zeigt Werke aus der Künstlerkolonie Dachau
von Silke Osman

Barbizon, Worpswede, Ahrenshoop und natürlich auch Nidden sind noch heute bekannte Namen, die für den Begriff Künstlerkolonie stehen. Maler wie Gauguin, Vogeler oder Pechstein waren dem Ruf des Philosophen Jean-Jaques Rousseau gefolgt, der schon 1750 den Leitsatz „Zurück zur Natur“ geprägt hatte. Im französischen Barbizon fanden sich Künstler um 1830 zum ersten Mal zusammen, um fernab des Großstadtgetriebes, aber auch fern der Akademien die Natur zu suchen. Sie wollten die reale Landschaft erfassen, Wind und Wolken, Sonne und Licht, um alles in Gemälden festzuhalten. Wahrhaftigkeit in der Darstellung war, was sie suchten. Zum ersten Mal wurde der Begriff Künstlerkolonie 1902 in einem Lexikon erwähnt. Im Brockhaus verstand man darunter „die zum Zwecke des Naturstudiums besonders von Malern seitab von den großstädtischen Kunstcentren gemeinsam gewählten Heimstätten“.

Wie jeder Künstler aber seine eigene Handschrift entwickelt hat, so hat auch jede Künstlerkolonie ihre ganz besondere Eigenart. Dieser nachzuspüren hat sich der Museumsverein im niedersächsischen Stade zur Aufgabe gemacht. Dort zeigt man im Kunsthaus seit bald zehn Jahren Austellungen, die sich jeweils einer Künstlerkolonie widmen. In dem Haus, das bis 1998 Kunstwerke aus einer privaten Sammlung von Worpsweder Künstlern beherbergte, waren bereits Kunstwerke aus Schwan und Usedom, aus Fischerhude, Ekensund, Nidden, Kopenhagen und Skagen zu Gast. Jetzt kann man dort Eindrucksvolles aus Dachau bestaunen. Die Stadt, rund 18 Kilometer nördlich von München gelegen, hat seit der Zeit des Nationalsozialismus, als sich dort ein Konzentrationslager befand, schwer mit ihrem Image zu kämpfen. Daß sich aber mit dem Namen Dachau nicht nur Schreckliches verbindet, das macht nicht zuletzt diese Ausstellung deutlich. Wer weiß denn schließlich schon, daß Carl Spitzweg sich dort einige Zeit aufhielt, von der Tracht der Dachauer Frauen und Mädchen begeistert war und im dortigen Schloß sein wohl berühmtestes Werk „Der Bücherwurm“ gemalt haben soll. Dieses ist nicht in Stade zu sehen, wohl aber die Skizze eines Mädchens in der Tracht. Auch Christian Morgenstern, der Großvater des Dichters der Galgenlieder und ein begnadeter Maler, fand in Dachau seine Motive.

Herausragende Künstler der Dachauer Kolonie, die zwischen 1885 und 1905 ihre Blütezeit erlebte, waren Ludwig Dill, Arthur Langhammer und Adolf Hoelzel. Der 1853 im mährischen Olmutz geborene Hoelzel gilt ab 1887 als der führende Kopf der Neu-Dachauer Schule und fand in Dachau den Weg zur abstrakten Malerei. Hoelzel gründete eine Malschule, die auch von dem jungen Emil Nolde besucht wurde. Vor allem aber waren es Frauen, die sich dort in der Kunst des Malens unterweisen ließen, war ihnen doch zu der Zeit der Besuch der Akademien noch verboten. Namen wie Paula Wimmer oder Ida Kerkovius seien stellvertretend für die vielen anderen genannt.

Die Bilderschau in Stade zeigt einmal mehr, daß große Kunst nicht nur in den Metropolen ein Publikum findet, sondern auch in der „Provinz“, die immer gern herablassend belächelt wird.

Die Ausstellung „Künstlerkolonie Dachau – Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ im Kunsthaus, Wasser West 7, 21682 Stade, ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt 1 Euro, bis 27. April 2008.

Adolf Hoelzel: Alte Scheune (Öl, 1902) Foto: Osman


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