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20.10.07 / Nicht einsam, sondern gemeinsam / Senioren mischen sich ein, wenn es um altersgerechten Wohnraum geht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-07 vom 20. Oktober 2007

Nicht einsam, sondern gemeinsam
Senioren mischen sich ein, wenn es um altersgerechten Wohnraum geht
von Corinna Weinert

Nicht allein und nicht ins Heim“ heißt es heute bei immer mehr älteren Menschen, sie möchten zusammen mit anderen Senioren in einer gemeinschaftlich organisierten Wohnform leben. Für Liselotte Oppermann hat sich ein Traum erfüllt: Am 9. Mai konnte sie in ihre neue Wohnung im Senioren-Wohnprojekt „de olen Smugg-lers“, dessen Initiatorin sie ist, einziehen. Fast acht Jahre hat es gedauert, bis die Idee der ehemaligen Lehrerin letztendlich umgesetzt war. Bereits 1999 machte sich die heute 71jährige auf die Suche nach seniorengerechtem Wohnraum. Damals gab es in ihrem Heimatort Norderstedt bei Hamburg lediglich zwei Seniorenwohnanlagen mit betreutem Wohnen, und das war eigentlich nicht das, was der alleinstehenden Pensionärin als künftige Wohnsituation vorschwebte.

Ganz abgesehen davon war es so gut wie unmöglich, dort aufgenommen zu werden, denn entweder mußte man über ein entsprechend geringes Einkommen verfügen, um mittels Wohnberechtigungsschein – dem sogenannten §5-Schein – auf die öffentlich geförderten Wohnungen Anspruch zu haben, oder man mußte über ein entsprechend hohes Einkommen verfügen, um sich für die frei finanzierten Wohnungen bewerben zu können. Liselotte Oppermann lag mit ihren Altersbezügen – ebenso wie viele andere Ruheständler auch – zwischen dem „zu viel“ für den Wohnberechtigungsschein und dem „zu wenig“ für die frei finanzierten Wohnungen. Die rüstige Pensionärin faßte daher den Entschluß, ihre Vorstellungen von bezahlbarem und seniorengerechtem Wohnraum mit Hilfe von Gleichaltrigen und Gleichgesinnten in einem Wohnprojekt umzusetzen.

Grundgedanke war dabei, als Hausgemeinschaft unter einem Dach zu wohnen und miteinander aktiv zu sein, aber dennoch ein eigenes Leben zu führen und sich im eigenen Haushalt selbst zu versorgen. „Das Modell der Hausgemeinschaft mit einzelnen Wohnungen ist als Wohnprojekt derzeit am meisten gefragt“, erklärt Gerda Helbig, Bundesvorsitzende vom Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V. „Der private Rück-zugsraum ist den Menschen dabei enorm wichtig“, fährt sie fort.
Ursprünglich war der Bau von Wohnungen mit Serviceleistung angedacht, wie es auch in den Seniorenwohnanlagen der Fall ist. „Die Idee haben wir aber relativ schnell wieder verworfen“, meint Oppermann, „die angebotenen Dienste entsprachen nicht unseren Bedürfnissen, und dadurch stellte sich das Verhältnis von Kosten und Nutzen für uns als zu hoch dar.“ Hintergedanke der Senioren war vielmehr, sich auf Basis der Nachbarschaftshilfe mit kleinen Dienstleistungen zu unterstützen und gemeinsame Unternehmungen zu planen. „Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist es wichtig, daß man sich auf die Nachbarschaft verlassen kann“, weiß Helbig.

Nun ist die Wohnanlage „de olen Smugglers“ mit den 21 barrierefreien Wohnungen am „Schmuggelstieg“ in Hamburg-Langenhorn fertiggestellt. „Als Faustregel gilt bei solchen Wohnformen: Nicht unter zehn und bis zu 20 Haushalte“, erklärt Dr. Josef Bura von der Stattbau Hamburg GmbH, die Ansprechpartner für Wohnprojektgründerinnen und
-gründer ist. „Die Stattbau hat uns während der gesamten Planungs- und Bauphase als Projektberater unterstützt“, sagt Oppermann.

„44 bis 60 Quadratmeter sind die 15 Wohnungen für Einzelpersonen groß, bis zu 70 Quadratmeter umfassen die insgesamt sechs Wohnungen für Ehepaare“, erörtert Stefanie Jasper, kaufmännische Mitarbeiterin der Baugenossenschaft Fluwog-Nordmark eG, die das Senioren-Wohnprojekt als Bauträger verwirklicht hat. „Wir haben uns seinerzeit als externe Wohngruppe an die Baugenossenschaft gewandt, weil derartige Vorhaben immer einen Investor brauchen“, schildert Oppermann. „Da das Wohnprojekt mit dem Neubau einer Wohnanlage verbunden war, bestand für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner die Möglichkeit, Einfluß auf die Wohnungsgestaltung zu nehmen“, hebt Jasper hervor, „individuelle Bedürfnisse und Wünsche haben so Berücksichtigung gefunden.“

Im Haus gibt es – wie es bei derartigen Wohnformen üblich ist – einen Gemeinschaftsraum mit Küchenzeile, Tischen und Stühlen. „Das wird von der Genossenschaft gestellt“, sagt Oppermann. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden sich hier regelmäßig treffen, um das Leben unter einem Dach zu organisieren und zu verwalten, um zusammen zu essen, zu feiern und Freizeitaktivitäten zu planen.

27 Personen zwischen 51 bis 83 Jahren gehören der Hausgemeinschaft, die sich nach dem Straßennamen „de olen Smugglers“ nennt, derzeit an. „Es ist gut, wenn die Gruppe altersgemischt ist, die Struktur darf nicht einseitig sein“, erklärt Bura. Dem pflichtet Helbig bei: „Es sollte immer eine Generation Abstand sein, das heißt eine Gruppe zwischen 40 und 60 oder 50 und 70, sonst bekommt man später keine neuen Bewohner dazu.“

Die Bewohnerinnen und Bewohner, die über das Internet zusammengefunden haben, stammen aus Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Kiel und Mannheim. „Die Baugenossenschaft und die Stattbau haben das Projekt in ihrem Internetportal vorgestellt, und in der lokalen Presse und im Ortsfernsehsender sind Berichte über das Vorhaben erschienen“, erzählt Oppermann.
„Die Gruppe ist jetzt seit 2003 in der jetzigen Konstellation zusammen“, fährt sie fort, „es ist aber immer ein Wechsel eingeschlossen. Kürzlich ist ein alleinstehender Mann abgesprungen, weil er jetzt doch mit seiner Freundin zusammenziehen möchte, und die kann sich nicht vorstellen, in einem Senioren-Wohnprojekt zu leben.“

„Bei derartigen Wohnformen ist es so, daß sich die Betreffenden immer schon eine Weile kennen, bevor sie einziehen“, weiß Bura. „Wir haben uns in den letzten beiden Jahren auch immer mal getroffen und sind zusammen ins Kino oder Theater gegangen“, berichtet Oppermann.

Auch wenn man sich gut versteht und Interessen miteinander teilt, wird das Leben unter einem Dach nicht immer nur eitel Sonnenschein sein, dessen sind sich die Bewohnerinnen und Bewohner bewußt. „Es wird bestimmt mal Reibereien geben“, meint Oppermann, „so etwas läßt sich nicht vermeiden. Irgendwie wird man sich dann auch schon wieder zusammenraufen.“
Damit die Harmonie auch Bestand hat, wenn es mal einen Wechsel in der Bewohnerschaft gibt, hat die Hausgemeinschaft ein Mitspracherecht hinsichtlich der Neuvermietung. „Wenn ein Mitglied auszieht, führen bestimmte Personen der Hausgemeinschaft Vorstellungsgespräche mit neuen Interessenten und schlagen die gewünschten Mitbewohner der Genossenschaft als Mieter vor“, erklärt Oppermann.

„De olen Smugglers“ haben sich bewußt für ein Senioren-Wohnprojekt entschieden, ein generationenübergreifendes Wohnprojekt, wie es auf dem selben Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft besteht, sahen sie für sich nicht als passende Wohnalternative an.
„Wir haben unser Leben lang genossen, mit allen Generationen zusammen zu wohnen, jetzt wollen wir es ruhiger haben“, meint Oppermann.

Aktive Senioren: Ingrid Becher und Liselotte Oppermann berichten einer Reporterin von ihren Erfahrungen. Foto: privat


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