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20.10.07 / Nigerianische Katastrophen / Roman über einen Jungen in Zeiten der politischen Umbrüche

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 42-07 vom 20. Oktober 2007

Nigerianische Katastrophen
Roman über einen Jungen in Zeiten der politischen Umbrüche

Der Deutsche Taschenbuch Verlag macht die deutschen Leser regelmäßig für kleines Geld mit großen Literaten aus anderen Ländern vertraut. Mit „Graceland“ wird ein Werk des nigerianischen Widerständlers Chris Abani einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Monumental“ und „neue bedeutende Stimme“ lautet die auf dem Buchdeckel abgedruckte, positive Beurteilung von der „Zeit“ und der „Neuen Zürcher“. Doch wie so häufig, wenn jene Publikationen voll des Lobes sind, muß sich der einfache Leser keineswegs dem Jubel anschließen, denn was für die einen ein „komplexer und durchgestalteter Roman“ ist, ist für den anderen ein langatmiges Kunstwerk. So auch hier – allerdings nur zu Beginn.

Lagos, 1983, der Jugendliche Elvis lebt in der nigerianischen Hauptstadt bei seinem alkoholsüchtigen Vater und dessen neuer Frau. Er verdient sich sein Geld als Elvis-Imitator, was auf die Touristen einen sehr eigenwilligen Eindruck machen mag.

Hin und wieder schaltet der Autor eine Rückblende ein, in der das Leben des jungen Schwarzen einige Jahre zuvor beschrieben wird. Damals lebten seine Mutter und seine Großmutter noch. Sein Vater war in ihrem Dorf in der Provinz ein Meinungsgeber. Hunger kannte die Familie nicht, allerdings gab es so manches düstere Geheimnis, was der Junge erst später aufdeckt. Trotzdem verläuft das erste Drittel von „Graceland“ eher beschaulich, ohne daß der Leser erkennt, wo denn nun das Erzählenswerte ist.

Auf der Suche nach einem besser bezahlten Job kommt Elvis plötzlich ins Drogengeschäft. Später landet er sogar bei der Organmafia und wird Opfer politischer Umstürze. Chris Albani wirft den Jungen aus einfachen Verhältnissen plötzlich in einen Strudel afrikanischer Katastrophen. Militärdiktatur, Unterdrückung der Armen, Zerstörung eines Slums, fehlende Ausbildung und Mangel an Alternativen zur Kriminalität machen die Lage Nigerias in den 80er Jahren deutlich. Bedauerlicherweise wirkt das, was die „Neue Zürcher Zeitung“ als „durchgestaltet“ bezeichnet, eher konstruiert. Bel

Chris Abani: „Graceland“, dtv, München 2007, broschiert, 450 Seiten, 9,50 Euro, Best.-Nr. 6396


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