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27.10.07 / Die Ziele, nicht die Herkunft trennen / Studie belegt offiziell, warum einige Ausländer sich besser integrieren als andere

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-07 vom 27. Oktober 2007

Die Ziele, nicht die Herkunft trennen
Studie belegt offiziell, warum einige Ausländer sich besser integrieren als andere
von Rebecca Bellano

Und wieder bekam das deutsche Bildungssystem eine Rüge. So seien die schlechten Bildungschancen von Ausländerkindern eine Schwäche des deutschen Schulsystems, beklagte Bundeskanzlerin Merkel anläßlich der Veröffentlichung einer Studie des Instituts Sinus-Sociovision über Lebenswelten und Rollenbilder von Migranten in Deutschland. Hatte nicht auch der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Munoz, Anfang des Jahres das deutsche, mehrgliedrige Schulsystem als „selektiv, diskriminierend und undemokratisch“ bezeichnet?

Erstaunlicherweise geht es in der Studie aber überhaupt nicht um das deutsche Bildungssystem, indirekt wird es sogar entlastet, denn die Aussage lautet: Wer will, kann auch als Ausländer in Deutschland etwas erreichen.

Was Menschen mit Migrationshintergrund allein durch ihr Wollen – in Gesellschaft wie Wirtschaft – so alles erreichen können, hat die Realität schon millionenfach bewiesen, doch nun belegt es auch eine Studie. Die erste ihrer Art übrigens, wie die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), stolz verkünden konnte. Die 22jährige Maomush interessiert sich weniger für wissenschaftliche Studien. Die junge Iranerin hat ihr Abitur gemacht und studiert jetzt Englisch und Deutsch auf Lehramt. Allerdings paßt sie ideal als Beispiel in die Studie. Maomushs Vater ist Arzt, die junge Perserin stammt also aus „gutem“ Hause.

„Nicht nach Herkunft oder Religion unterscheiden sich Migranten, sondern nach ihren Zielen“, faßt die Wochenzeitung „Die Zeit“ die wesentlichen Aussagen der Studie zusammen. Hiernach hängt also die Integrations- und Leistungsbereitschaft einer in Deutschland lebenden ausländischen Person mehr von ihrer sozialen als von ihrer ethischen oder religiösen Abstammung ab. Auch würden aus städtischen Regionen stammende Migranten sich deutlich besser anpassen als jene, die aus „archaisch, bäuerlich geprägten Traditionen“ stammen. Und hier liegt dann auch Deutschlands größtes Problem. Schließlich ist es unbestritten, daß jene, die nach Deutschland zuwandern, eher aus den unteren Schichten stammen. Anatolien ist hier nur als ein Beispiel zu nennen. Der dörflich geprägten, türkischen Region entstammen so manche „Sorgenkinder“.

Doch was tun? Die Probleme aus der nicht erfolgten Integration und die Tatsache, daß immer mehr junge Menschen ausländischer Herkunft aufgrund verpatzter Schulkarrieren nicht auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen sind, belasten die Gesellschaft schließlich immer mehr. Außerdem belastet dies auch die leistungsbereiten Zugewanderten, die sich voll integriert haben und denen man ihre Herkunft nur noch an ihrem fremdländischen Aussehen oder ihrem nicht-deutschen Nachnamen anmerkt.

Kritik am dreigliedrigen Schulsystem hilft also nicht weiter, denn es stellt für jene, die wollen, keine Hürde dar. Wie sollte es sich sonst auch erklären, daß in den 5. Klassen von Gesamtschulen beispielsweise Türken vorhanden sind, diese jedoch größtenteils nach der 9. Klasse mit oder ohne Hauptschulabschluß abgehen. Und während ihre ehemaligen Mitschüler für das Abitur büffeln, arbeiten sie in Papas Gemüseladen oder beim Gebrauchtwagenhandel des Onkels und ehelichen eine Cousine aus der anatolischen Heimat ihrer Eltern.

Wir dürfen auf „kein einziges Talent verzichten“, tönt es seit Jahren aus Politikerkreisen, doch wie kann es dann sein, daß „in Hamburg-Billstedt, Berlin-Neukölln oder am Münchner Hasenbergl immer noch Kinder, Jugendliche und deren Mütter leben, die in vielen Jahren des Hierlebens keine passablen Grundkenntnisse der deutschen Sprache erworben haben“, fragt der Deutschlandfunk. Wie bringt man Eltern dazu, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, das Beste für die Bildung ihrer Kinder zu wollen? Was tut man, wenn gesellschaftlicher Aufstieg durch Ausbildung weder Eltern noch Kinder reizt?

Sprachförderung für Migranten im Kindergarten, Stärkung der Eltern und Schaffung eines Netzes von Bildungspatenschaften, so die gutgemeinten Vorschläge. Dabei gibt es – wenn auch nicht flächendeckend – viele der Angebote jetzt schon. Gerade in den Großstädten gibt es für Zuwanderer genügend Anlaufpunkte, um Hilfe zu bekommen. Im Vergleich zu deutschen Kinder aus sozial schwachen Familien gibt es sogar außerordentlich viel Unterstützung: Bei Fördermaßnahmen für Migranten gibt es zahlreiche Fördertöpfe. Und dies nicht nur von Seiten des Staates. Auch zahlreiche private Stiftungen (vodafone-Stiftung, Robert-Bosch-Stiftung, Böll-Stiftung) vergeben Stipendien speziell an junge Menschen aus Migranten- und Aussiedlerfamilien. Während also das deutsche Kind aus sozial schwacher Familie verstärkt darauf hoffen muß, daß die Eltern Nachhilfeunterricht bezahlen, kann das ausländische Kind bei genügend Eigeninitiative deutlich leichter Organisationen finden, die es unterstützen.

Foto: Gut für Bildung und Integration? Bis September hatten 35 türkischstämmige Familien ihre Kinder für das private deutsch-türkische Gymnasium in Hannover angemeldet, dessen Besuch monatlich 239 Euro kostet.


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