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27.10.07 / Er schuf das Bistum Bamberg / Kaiser Heinrich II. erwirkte vor 1000 Jahren auf der Reichssynode in Frankfurt die Gründung der Diözese

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 43-07 vom 27. Oktober 2007

Er schuf das Bistum Bamberg
Kaiser Heinrich II. erwirkte vor 1000 Jahren auf der Reichssynode in Frankfurt die Gründung der Diözese
von Manfred Müller

Er war ein Nachfahre jenes Sachsenherzogs Widukind, der über viele Jahre hin das germanische Heidentum in blutigen Kämpfen gegen Karls des Großen Christianisierungsversuche verteidigt hatte: Kaiser Heinrich II., der 1146 heiliggesprochen wurde und dessen Festtag am 13. Juni begangen wird. Der letzte der Ottonen ruht zusammen mit seiner ebenfalls heiliggesprochenen Gemahlin Kunigunde im Dom zu Bamberg, den in diesem Jahre viele geschichtskundige und kunstliebende Menschen besuchen. Denn die fränkische Bischofsstadt blickt auf 1000 Jahre Bistum Bamberg zurück. Am 1. November 1007 begann in Frankfurt am Main die Reichssynode, auf welcher der damalige König und spätere Kaiser Heinrich II. die Gründung der Diözese aus Teilen von Würzburg und Eichstätt erwirkte.

Heinrich II. (973–1024) hatte schon früh Bamberg in sein Herz geschlossen, und vom ersten Tag seines Königtums an arbeitete er auf die Bistumsgründung hin – und auf die Ausgestaltung der Stadt zu einem deutschen Rom an der Regnitz, ein fürwahr ehrgeiziger Plan. Der zu errichtende Dom sollte (nach dem Magdeburger Vorbild Ottos des Großen) für Heinrich und Kunigunde zur Grablege werden.

Als im Januar 1002 der junge Kaiser Otto III. durch den Tod aus seinen teilweise phantastisch anmutenden Plänen zur „Erneuerung des Römischen Reiches“ herausgerissen wurde, richtete sich sein Vetter, der Bayernherzog Heinrich, auf die Übernahme der Macht ein, was ihm die bisherige Herrschaftselite und andere Thronbewerber verwehren wollten. Heinrich bemächtigte sich, als das Trauergefolge aus Rom in Bayern eintraf, des Leichnams und der Reichsinsignien und setzte seine Ansprüche durch geschickte Verhandlungen durch. So erlangte er im Juni 1002 die deutsche Königswürde.

Heinrich war ein sehr frommer und gebildeter Herrscher, der zugleich politisch begabt war. Seine Aufgaben als König nahm er überaus gewissenhaft wahr: für den Frieden im Reich zu sorgen, die Kirche zu schützen, jedem zu seinem Recht zu verhelfen, die Einheit des Reiches zu wahren. Den Unterschied zu Ottos III. Plänen römischer Weltpolitik deutete Heinrich 1003 auf der Umschrift einer Bulle an: „Renovatio regnis Francorum“ (Erneuerung des Königreichs der Franken).

Heinrich wurde zu einem bedeutenden Reformer der Kirchengeschichte. Dies hängt unter anderem mit der klugen Auswahl von Bischöfen zusammen. Diese von Heinrich ernannten Inhaber geistlicher und weltlicher Rechte arbeiteten fast alle tüchtig an der Erneuerung der Kirche. Die bekanntesten: Godehard und Bernward von Hildesheim, Willigis von Mainz, Meinwerk von Paderborn, Bruno von Querfurt. Ein persönlicher Freund Heinrichs war der Reformabt Odilo von Cluny. Ihm schenkte Heinrich den goldenen Reichsapfel, den er anläßlich der Kaiserkrönung (1014) vom Papst erhalten hatte. Von Odilo bekam Heinrich Anregungen für eine Klosterreform im Reich, mit der er dem recht bequemen und üppigen Leben vieler Mönche ein Ende bereitete.

Für die Verwirklichung seines Lieblingsprojekts – Bamberg – mußte Heinrich zahlreiche Widerstände überwinden. Das neue Bistum sollte der Missionierung der Regnitz-Slawen dienen. Heinrich stattete das Bistum mit zahlreichen Stiftungen aus. Auch dies ganz mittelalterlich: Die Domkleriker sollten ständig für Heinrichs und Kunigundes Seelenheil beten und auch die königlichen Vorfahren in das Gebet einbeziehen. Heinrichs Ehe blieb kinderlos, für unsere christlich-deutschen Vorfahren galt dies als ein Verhängnis und eine schwere Prüfung aus Gottes unerforschlichem Ratschluß. Heinrich reagierte darauf im Sinne mittelalterlicher Frömmigkeit: „Da mir keine Hoffnung auf leibliche Nachkommen mehr bleibt, habe ich für künftigen Lohn Christus zu meinem Erben erkoren“. Dies erklärt die Fülle der Schenkungen an kirchliche Einrichtungen.

Was Heinrich in Bamberg errichten ließ, darunter der Dom, das Kollegiatsstift und das Benediktinerkloster St. Michael, verlieh der Stadt Glanz und Ruhm. Bamberg wurde ein strahlender Sitz des Reiches, eine prächtige Stätte von Bildung und Kunst, ein Hort der Frömmigkeit. Die Einweihung des Doms (1012) und der Besuch Papst Benedikts VIII. (1020) ließen Heinrichs Herrschaft in bestem Licht erscheinen.

Sein herrscherliches Tun rang Heinrich einem schwachen Körper ab. Ein Stein- oder Gallenleiden quälte ihn mit schlimmen Koliken. Dennoch zog er von Pfalz zu Pfalz, um das Reich zu regieren, stieg er in Kriegszeiten in den Sattel, um für die Rechte des Reiches zu kämpfen. Die Legenden um den „Mönch auf dem Thron“, der in strenger Keuschheit eine „Josephsehe“ geführt habe, sollen die Heiligkeit Heinrichs einsichtig machen. Sie verfälschen aber das Bild dieses gläubig-tapferen deutschen Herrschers mehr, als daß sie es erhellen.

Im Westen bemühte Heinrich sich um Solidarität mit dem französischen König. Im Osten führte er jahrelang Krieg gegen Boleslaw Chrobry von Polen, den Otto III. in Rang und Ansehen aufgewertet hatte. In diesen Kriegszügen ging es auch um Land, in concreto den Zugriff auf die Lausitz, in erster Linie aber, ganz mittelalterlich, um die weltliche Ehre von Herrscher und Reich, der Boleslaw sich unterwerfen sollte. Hier setzte sich der später heiliggesprochene Heinrich sogar über Vorwürfe aus Klerikerkreisen hinweg, im Streit mit dem christlichen Polen vergesse er um der weltlichen Rangordnung willen die vor Gott wichtigere Pflicht beider Herrscher, gemeinsam die noch nicht christianisierten Slawen von der Oder bis zur Ostsee zu missionieren.

Diese Vorhaltung nahm Heinrich nicht leicht, denn er glaubte, wie einst dem Moses habe Gott ihm eine besondere Verpflichtung für das ihm anvertraute Volk auferlegt: dem Volk die Gebote und die Ordnung Gottes zu vermitteln.

Foto: Heinrich II. und seine Frau Kunigunde: Die beiden Heiligen haben im Bamberger Dom ihre letzte Ruhestätte gefunden.


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