26.01.2022

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03.11.07 / Warum VW nach Wolfsburg ging

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-07 vom 03. November 2007

Warum VW nach Wolfsburg ging

Trotz des Rückganges der Arbeitslosigkeit in Deutschland nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten hatte der Bürgermeister von Fallersleben, Otto Wolgast, ein arbeitsmarktpolitisches Problem. Die Stilllegung der Kalischächte Ehmen und Rothenfelde kostete Hunderte von Menschen den Arbeitsplatz. Sie hatten bei den Bauarbeiten am Mittellandkanal zwar vorübergehend neue Beschäftigung gefunden, aber der Abschluß dieser Arbeiten war absehbar. Seit Ende 1935 rührte der Bürgermeister daher bei diversen Behörden, aber auch bei Unternehmen wie der Daimler-Benz AG die Werbetrommel für seine Region. Möglicherweise machte er erst den Geschäftsführer der Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH (Gezuvor) Bodo Lafferentz auf das Gebiet bei Fallersleben aufmerksam.

Wenn auch nur spekuliert werden kann, wie Lafferentz auf den Raum Fallersleben verfiel, so steht doch fest, daß die Entscheidung schnell und frühzeitig fiel. Im Sommer 1937 war der Standort gefunden. Überliefert ist eine Äußerung eines der Mitarbeiter von Lafferentz, Erwin Tschentscher, der zufolge „die Auswahl von Fallersleben als Standort für die Volkswagenfabrik nicht aufgrund irgendwelcher wirtschaftlicher Überlegungen, sondern rein zufällig aufgrund einer Bereisung“ erfolgt sei. In der Tat hatte Lafferentz die Region im Sommer 1937 persönlich per Flugzeug erkundet.

Allerdings gab es auch einige handfeste Kriterien, die für die Standortwahl sprachen. Dazu zählte vor allem die verkehrsgünstige Anbindung an den Mittellandkanal und die Reichsbahnstrecke vom Ruhrgebiet über Hannover nach Berlin sowie die Nähe zur parallel verlaufenden West-Ost-Autobahn. Die Lage im Landesinneren war geostrategisch vorteilhaft, was Adolf Hitler wichtig war. Und Lafferentz’ Wunsch, daß die zu dem Musterbetrieb gehörende Mustersiedlung in einer landschaftlich reizvollen Umgebung lag, wurde durch die topographischen Bedingungen der südlich des Mittellandkanals gelegenen Fläche gleichfalls erfüllt.

Manuel Ruoff


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