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03.11.07 / Klarer Sieg der Bürgerplattform in Ostpreußen / Antideutsche Wahlpropaganda Kaczynskis und seiner PiS scheiterte vor allem in den Ostprovinzen des früheren Deutschen Reiches

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-07 vom 03. November 2007

Klarer Sieg der Bürgerplattform in Ostpreußen
Antideutsche Wahlpropaganda Kaczynskis und seiner PiS scheiterte vor allem in den Ostprovinzen des früheren Deutschen Reiches
von Christofer Herrmann

Der Pulverdampf der kurzen Wahlschlacht in Polen ist verflogen und nach langem Warten in der Wahlnacht ist alle Welt erleichtert, daß der Albtraum der Kaczynski-Herrschaft nach zwei Jahren vorüber zu sein scheint. So schnell der Spuk der Zwillinge die europäischen Nachbarn überrascht hatte, so schnell ging er auch wieder vorüber. Ein genauerer Blick auf die Wahlergebnisse zeigt, welcher Wandel sich in der Nacht des 21. Oktober in Polen vollzogen hat. Von besonderem Interesse ist dabei auch die Frage, ob sich in den Ostprovinzen des früheren Deutschen Reiches ein vom Landesdurchschnitt abweisendes Wahlverhalten gezeigt hat. Selbstverständlich sind die deutschen Wurzeln dieser Landesteile heute nur ein untergeordneter Faktor für den Wahlausgang. Entscheidend war die enorme Mobilisierung der Jung- und Neuwähler sowie der Wählerschaft in den Großstädten, die überwiegend der Bürgerplattform (PO) zugute gekommen ist.

Die historische Zugehörigkeit der verschiedenen Landesteile scheint jedoch nicht ganz ohne Belang zu sein. Schaut man sich nämlich eine Karte der Wahlergebnisse an, dann fällt sofort ins Auge, daß die Gebiete, in denen die konservativ-liberale PO gesiegt hat, fast genau mit den ehemaligen Territorien des Deutschen Reiches übereinstimmt (zuzüglich des Posener Landes und Warschau). Die katholisch-nationalistische Partei Recht und Gerechtigkeit der Kaczynskis beherrscht dagegen den gesamten Osten und Südosten des Landes.

Auch in Ost- und Westpreußen lassen sich die genannten Tendenzen am Wahlergebnis ablesen. In den beiden Wahlkreisen der Woiwodschaft Ermland und Masuren (Allenstein und Elbing) ging die PO mit über 45 beziehungsweise 43 Prozent klar als Sieger hervor, währenddessen die PiS mit nur 27 Prozent weit unter dem Landesdurchschnitt blieb. Auch die gemäßigte Bauernpartei PLS, der voraussichtliche Koalitionspartner der PO, erreichte mit 12 Prozent ein hervorragendes Ergebnis. Wie im gesamten Land schlugen sich auch im südlichen Ostpreußen die Wähler der Großstädte auf die Seite der PO, die in Allenstein selbst mit 53 Prozent der Stimmen die Partei der Kaczynski-Brüder deklassierte. Als noch extremer erweisen sich die Verhältnisse in Westpreußen. Im Wahlkreis Danzig herrschen schon „bayerische Verhältnisse“, denn für die PO entschieden sich in der gesamten Region über 54 Prozent der Wähler. In der Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen verfügt die PO (wie schon in den letztjährigen Kommunalwahlen) sogar fast über eine Zweidrittelmehrheit.

Offensichtlich herrscht in den nach 1945 an die Republik Polen gefallenen Gebieten mit ihrer aus verschiedenen polnischen Gebieten zugewanderten Bevölkerungsteilen eine liberalere Grundeinstellung als in den historischen Kerngebieten Polens, wo die alteingesessenen Bewohner stärker dem konservativen Denken zuneigen. Dies ist um so bemerkenswerter, als ein zentrales Wahlkampfargument der PiS sowie der in den Wahlen völlig untergegangenen nationalistischen Liga der polnischen Familien (LPR) die antideutsche Karte war. Hierbei spielte vor allem die Angstmache vor den deutschen Vertriebenen und den angeblichen deutschen Rückforderungsansprüchen eine herausragende Rolle. PiS und LPR hatten dieses Argument vor allem im Wahlkampf in der Woiwodschaft Ermland und Masuren eingesetzt. Wenn diese Argumentation auf fruchtbaren Boden bei den polnischen Wählern gefallen wäre, dann hätte das Ergebnis umgekehrt ausfallen müssen. Die Zustimmung für die nationalistischen Parteien wäre dann in den von deutschen Rückforderungsansprüchen „bedrohten“ Provinzen  des früheren Deutschen Reiches höher gewesen. Daß dem nicht so war, ist eine beruhigende Tatsache. Offensichtlich lassen sich die Wähler in der Republik Polen nicht mehr von der angeblichen deutschen Gefahr bange machen. Vielmehr haben sie nun einen Politiker zum Premierminister gewählt, dessen Großvater bei der deutschen Wehrmacht war (wenn auch nur für wenige Wochen, um dann zu desertieren) und der über beste Kontakte zu Angela Merkel verfügt. Man kann auch vermuten, daß die in den Ostprovinzen des früheren Deutschen Reiches lebenden Deutschen häufiger Kontakt mit Deutschen, darunter vielen Vertriebenen, haben und daher aus eigener Erfahrung wissen, daß es sich nicht um blutsaugende Revanchisten handelt, sondern um friedliche Zeitgenossen, die ihre Heimat aus Kindestagen so lieben, wie die aus den früheren Ostgebieten der Republik Polen vertriebenen Polen sich auch noch heute emotional mit Wilna oder Lemberg verbunden fühlen. Vielleicht zieht die PiS aus dieser Erfahrung Lehren und verzichtet bei zukünftigen Wahlen auf die antideutsche Karte, da diese offenbar wirkungslos verpufft ist.

Das Ergebnis der Wahl ist eindeutig und klar. Die Polen möchten in einem normalen Land leben, das sich mit seinen Nachbarn versteht und wirtschaftlich schnell Anschluß an die westeuropäischen Länder erhält. Auch die Deutschen sollten hoffen, daß die PO ihren Wahlsieg dazu nutzt, Polen diesem Ziel tatsächlich näher zu bringen.


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