26.01.2022

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03.11.07 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 44-07 vom 03. November 2007

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied

und Familienfreunde,

daß der Satzfehlerteufel – oder vielmehr sein elektronischer Nachfolger – mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß steht, ist klar. Und erst recht, wenn es sich um Wörter handelt, die nicht im Duden stehen, sondern höchstens in unseren ostpreußischen Lexika verzeichnet sind. Da hatte ich in Folge 40 meine Erinnerungen an den Königsberger Tiergarten, mit denen ich die Frage von Frau Ruth Henke verbrämte, uns Königsberger Kinder als „Gnossen“ bezeichnet – ich bringe eben gerne unsere typisch ostpreußischen Ausdrücke, an denen unser Dialekt so reich ist. Und was lese ich da? „Genossen“! Wir haben zwar damals unsere Zoobesuche genossen, aber eben als kleine „Gnossen“, fernab jeder Parteipolitik. So erledigt sich auch die Frage eines netten, alten Landsmannes, der mich anrief und fragte, ob er mich zukünftig mit „Genossin Geede“ ansprechen sollte. Er kannte noch den Ausdruck Gnos, war auch ein solcher gewesen, wie ihn der Königsberger Künstler Daniel Staschus zeichnete und bezeichnete in seinem auch so betitelten, plattdeutschen Gedicht: „Väl Verdruß on nuscht wie Ärger moakt dem brave Keenigsbarger ömmerfort on ömmer blos so een kleener, lustger Gnos.“ Wir haben beide gelacht und ich hoffe, Landslied, Ihr ebenfalls.

So heiter fangen wir heute an, und mit Humor geht es auch weiter. Denn unser Leser Josef Lange aus dem Schwarzwald sucht nicht nur das bekannte ostpreußische Dialekt-Poem von der „Oma, die de Brill’ sucht“ – den Wunsch kann ich ihm direkt erfüllen –, sondern auch ein altes Kinderbuch, das ich aber nicht kenne: „Kinderhumor für Auge und Ohr“. Allerdings glaube ich, daß es nicht so leicht sein wird, es zu finden. Aber unsere Familie hat ja schon ganz andere Dinge aufgestöbert! (Josef Lange, Am Finkenacker 4 in 79215 Elzach / Schwarzwald, Telefon 0 76 82 / 85 32.)

Gefreut haben sich die Schwestern Kolde, als sie in unserer Zeitung das Bild ihres Vaters Alexander Kolde „Der Bernsteinwächter“ entdeckten. Sie schreiben: „Wir danken Ihnen von ganzem Herzen, daß Sie unseren Vater damit auch geehrt haben. Die Eindrücke der ostpreußischen Landschaft waren bei ihm so stark, daß er nach 1945 immer diese als Motiv wählte: ob es die Samlandküste, die Kurische Nehrung, die Guberberge oder die St. Georgskirche von Rastenburg zu den verschiedenen Jahreszeiten waren.“ Es dürfte nicht das letzte Kolde-Bild sein, das wir an dieser Stelle bringen.

Unser nunmehr als Neidenburger – statt Heidelberger, wie er im Guiness Buch der Rekorde von 1982 verzeichnet ist – wieder richtig eingeordnete ostpreußische Methusalem Friedrich Sadowski hat nicht nur die Neidenburgerin Christel Koslowski beschäftigt, deren detaillierte Erinnerungen an diesen steinalten Masuren uns alle überrascht hat, sondern auch andere Leserinnen und Leser. Herr Stefan Jamin, der die Frage nach dem mit 111 Jahren Verstorbenen stellte, hatte nicht im Traum an solch eine großartige Resonanz gedacht. Jedenfalls ist nun für ihn und seine Mitarbeiter der deutsche Rekordhalter Friedrich Sadowski kein ungeklärter Fall mehr. Dazu bekam Herr Jamin noch Hinweise auf weitere Langlebige, die 105 Jahre alt und älter wurden. Das sind sehr wichtige Informationen für seine Mitarbeit an einem länderübergreifenden, gerontologischen Projekt, und dafür soll ich an dieser Stelle seinen Dank übermitteln. Aber nicht nur er, sondern auch ich habe Frau Roswitha Kulikowski zu danken, die ein Gedicht ihres Vaters Siegfried Saßnick übermittelte. Der hat in seinem köstlichen, im Verlag Rautenberg erschienenen Buch „Ostpreußisches ABC“, das er nach dem Krieg in englischer Gefangenschaft schrieb, ein Poem auf seinen uralten Neidenburger Landsmann verfaßt, in dem es unter anderem heißt: „Das war ’ne Berühmtheit in seiner Stadt und niemand was gegen den Alten hat. Der steht auf dem Markt, die Mütze vorm Bauch und sammelt für sich, denn das ist sein Brauch. Man gibt ihm auch gerne Bier und Tabak und Schnaps, denn es ist ja sein Ehrentag.“ Anscheinend pflegte das Neidenburger Urgestein sich so an seinen hohen Geburtstagen den Festtrunk zu erbitten, den er dann in seiner einfachen Behausung genoß. „Jetzt probt er hier, nun probt er dort, die Pfeife dampft in einem fort, dann nimmt er einen, und Grog hinterher, und seine Stimmung, die steigt immer mehr. Dann legt er sich hin und freut sich zuletzt schön auf das nächste Gelegenheitsfest!“ Ja, das war anscheinend seine spezielle Methode, 111 Jahre alt zu werden. Man sollte sie aber lieber nicht weiter empfehlen!

Anstoßen wollen wir aber auch heute – wenn auch nur symbolisch, denn unser Glückwunsch gilt unserer alten treuen Leserin Helene Krüger aus Hameln. Sie wird am 7. November zwar – noch – nicht 111, aber genau 100 und verstärkt damit die rund 10000 Hundertjährigen, die Deutschland laut Statistik heute vorweisen kann. Vor 50 Jahren zählte man lediglich 260 Hundertjährige – welch eine Steigerung! Damals schon war Helene Krüger Abonnentin des Ostpreußenblattes und ist unserer Zeitung treu geblieben – bis heute, und deshalb gratulieren wir Ihnen, liebe Frau Krüger, ganz, ganz herzlich und hoffen, daß wir Ihnen noch lange Woche für Woche ein Stückchen Heimat vermitteln können. Sicherlich werden Sie – als Helene Schulz in Schwarzstein bei Rastenburg geboren, später in der Königsberger Stägemannstraße 44 a wohnhaft – viele Glückwünsche von alten und neuen Heimatgefährten bekommen, vielleicht auch aufgrund dieser Zeilen. Genießen Sie Ihren Ehrentag mit Ihrem Lebenselixier, das Ihnen zu diesem hohen Alter verholfen hat – was es auch immer sein mag.

Daß sich noch immer nach so langer Zeit Menschen finden, die sich jahrelang vergeblich gesucht haben, ist das Lebenselixier unserer Ostpreußischen Familie. Es bewirkt, daß in jeder Woche neue Suchfragen kommen, und wenn sie so klar formuliert sind wie die folgende, kann ich sie auch schnell bringen, bei anderen muß man noch recherchieren, das dauert dann eben länger. Der Brief kommt aus den Niederlanden, Frau Rita Lemke hat ihn geschrieben, und ich lege ihn im Wortlaut unserm Leserkreis vor:

„Im Namen einer Freundin, die wie ich in Holland wohnt, bin ich auf der Suche nach Nachbarn oder Schulfreundinnen aus Königsberg / Ponarth. Ihr Name ist Herrat Reckes, sie wohnte am Eschenweg 3. Frau Reckes, Jahrgang 1930, besuchte von 1936 bis 1944 die Heinrich-von-Kleist-Schule am Fichteplatz. Rektorin war damals Fräulein Barkowsy. Auch die Namen einiger Lehrerinnen sind ihr in Erinnerung geblieben: Plehn, Bodden, Weidlich, Maerz, Ambrosius, die nach damaligem Brauch ,Fräulein‘ tituliert wurden. Ihr letzter Klassenlehrer war Herr Sprenger, von den Schülerinnen ,Spatzi‘ genannt. Eine Freundin von ihr, Irmgard Wessel, war eine Klasse unter ihr. Frau Reckes erinnert sich noch an ein Nachbarskind, Ingrid Aust. Es wäre schön, wenn sie auf diesem Wege mit ihren früheren Freundinnen und Bekannten in Kontakt käme.“

Was wir auch wünschen und durchaus berechtigt hoffen, da viele Namen angegeben wurden. Und schließlich ist der Vorname der Suchenden – Herrat – ein in Ostpreußen nicht gerade gebräuchlicher, so daß er bei denen, die Frau Reckes kannten, leichter in Erinnerung zu rufen ist. Zuschriften zu richten an Frau Rita Lemke, Lingedijk, 155-157, 4163 LJ Oosterwijk, Niederlande.

Eine kurze Anfrage von Herrn Erich Hantel aus Remscheid. Er sucht Informationen über den kleinen Ort Neumühl im Kreis Allenstein, etwa zwischen Woritten und Stenkienen gelegen. Die 19 Kilometer westlich von Allenstein am Ostufer der Passarge gelegene Ortschaft, die zum Kirchspiel Dietrichswalde gehörte, bestand aus einer Wassermühle und einem kleinen Gut mit Sägewerk. Herr Hantel schreibt: „Uns haben die Russen dort im Januar 1945 überrascht, als wir auf der Flucht waren, und wir haben eine schlimme Zeit erlebt. Wer weiß etwas über das Geschehen von damals? Ich hätte auch gerne etwas über den Besitzer des Anwesens und seine Vorgeschichte erfahren. Für jede Zuschrift wäre ich sehr dankbar.“ Die Ortschaft oder das, was von ihr übrig blieb, heißt heute auf polnisch Nowy Mlyn. (Erich Hantel, Kremenhollerstraße 1 in 42857 Remscheid, Telefon 0 21 91 / 2 57 51, E-Mail: e_hant_e@yahoo.de)

Ich freue mich schon auf unser Familien-Treffen beim Seminar „Die Flucht“, auf dem ich einige von Euch, lewe Landslied, liebe Familienfreunde, wiedersehen oder kennenlernen werde. Näheres bitte ich, der Information über das Seminar in dieser Ausgabe zu entnehmen. Es findet wie immer in unserm Ostheim in Bad Pyrmont statt, in dem so vieles sicht- und spürbar an unsere Heimat erinnert wie der wundervolle Ostpreußen-Gobelin in der Bibliothek. In dem mit vielen Bildern ausgestatteten Flur hängt eine Karte, vor der immer wieder die Besucher stehenbleiben. Sie zeigt „Das Alte Preußen“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das damals die Länder einschloß, deren Wappen auf der Karte abgebildet sind: Brandenburg, Hannover, Hohenzollern, Hessen-Nassau, Pommern, Posen, Ostpreußen, Rheinland, Provinz Sachsen, Schlesien, Schleswig-Holstein, Westfalen und Westpreußen. Eine Besonderheit bildet der eingefügte Stadtplan von Berlin aus dem Jahr 1850. Was die Karte aber so eindrucksvoll macht, ist die Rahmenleiste mit 52 Porträts von Frauen und Männern, die preußische Geschichte geschrieben haben, buchstäblich von A bis Z, von Achim von Arnim bis Zille. Das Interesse an dieser Karte ist ungeheuer groß, immer wieder wird das Ehepaar Winkler gefragt, ob sie noch irgendwo zu bekommen ist, antiquarisch oder aus Privatbesitz, und ein ganz besonders intensiver Interessent machte schließlich den Vorschlag, die Ostpreußische Familie zu befragen. Was ich hiermit tue.

Eure Ruth Geede


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