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17.11.07 / Noch-Exportweltmeister unter Druck / Der schwache Dollar verteuert deutsche Waren auf dem Weltmarkt – Gefürchteter Rekordwert fast erreicht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-07 vom 17. November 2007

Noch-Exportweltmeister unter Druck
Der schwache Dollar verteuert deutsche Waren auf dem Weltmarkt – Gefürchteter Rekordwert fast erreicht
von Rebecca Bellano

Der Exportweltmeister Deutschland droht nicht nur 2008 von China überholt zu werden, auch einige aktuelle Entwicklungen können den vor allem auf den Export basierenden leichten Aufschwung abwürgen. So bestimmt neben Verärgerung auch Existenzangst den Blick auf die Zapfsäulen an deutschen Tankstellen und die Wechselkurse in Zeitungen und Fernsehen: 1,45 Euro für Super-Benzin und 1,46 US-Dollar für einen Euro. Gerade letzteres läßt nichts Gutes für den Exporteur Deutschland hoffen. In einer globalisierten Welt, in der fast alles über US-Dollar läuft, behindert es, wenn für deutsche Waren im Wert von 100 Euro im November 2007 147 US-Dollar gezahlt werden müssen, die zwei Jahre zuvor nur 117 US-Dollar Einsatz erforderten (17. November 2005: 1 Euro = 1,17 $). Produkte aus den Euroländern sind also auf dem Weltmarkt deutlich teurer geworden. Da tröstet es auch nicht, daß auch das englische Pfund, der kanadische Dollar, der japanische Jen und Chinas Yuan ebenfalls unter der Dollarschwäche leiden.

Wirtschaftsexperten hatten 2005, als absehbar war, daß der Dollar von nun an gegen den Euro immer weiter abgewertet wird, für den Kurs von 1,50 US-Dollar für einen Euro eine Art wirtschaftlichen Weltuntergang prophezeit. Dafür, daß der US-Dollar momentan fast diesen Wert erreicht hat, läuft allerdings alles noch ziemlich normal. Zwar sind die Wachstumsraten weltweit ein wenig heruntergesetzt worden, doch das hat mehrere Gründe. Und die Zentralbanken weltweit verhalten sich abwartend. Ihnen bleibt auch gar nichts anderes übrig. Gerade die asiatischen Banken haben riesige Dollarreserven angehäuft, allein China soll 1,5 Billionen US-Dollar sein eigen nennen. Daher hat Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank, vergangene Woche auch die Asiaten ermahnt, weitere Währungsspekulationen zu unterlassen. China hat beispielsweise lange Zeit seinen Yuan künstlich geschwächt, um so seine Exporte billiger auf den Weltmarkt zu bringen. Würde China nun versuchen, einen Teil seiner täglich im Wert dahinschmelzenden Dollar-Reserven auf dem Weltmarkt zu verkaufen, könnte dies die Talfahrt der US-Währung dramatisch beschleunigen.

Auch warnte Trichet die USA, ihren Dollar weiter absinken zu lassen. Zwar haben die überschuldeten USA ein Interesse daran, durch Inflation ihre Schulden zu senken, auch können sie bei einem schwachen Dollar ihre eigenen Waren besser im Ausland verkaufen und so ihr enormes Handelsdefizit zumindest reduzieren, gleichzeitig sind die USA aber ein wichtiger Finanzplatz, der sich derartige Manipulationen nicht leisten kann.

Doch die Amerikaner können, selbst wenn sie wollten, nur bedingt die Warnung des Europäers beherzigen. Jahrelang hatte US-Notenbankchef Greenspan Geld billig ausgegeben. Niedrige Zinsen sorgten dafür, daß Geld leichtfertig ausgegeben wurde, riskante Kredit-Geschäfte führten zur Immobilienkrise, die kürzlich auch deutsche Banken ins Schlingern brachte. Aufgrund zahlreicher fauler Kredite brauchen die US-Banken jetzt weitere Liquidität, das heißt, Geld zu niedrigen Zinsen, gleichzeitig muß Greenspans Nachfolger Bernanke wegen drohender Inflation die Zinsen erhöhen und Geld so teurer machen. Beides gleichzeitig ist allerdings unmöglich.

Nach Zinserhöhungen im Frühjahr senkte Bernanke jetzt zweimal hintereinander zaghaft wieder die Zinsen, was dafür gesorgt haben mag, daß die US-Immobilienkrise bisher weniger Pleiten mit sich brachte als befürchtet. Allerdings wurden dadurch Anlagen im Euroraum wieder beliebter, was den Dollar weiter schwächte.

Warum ist Deutschland trotz alllen Drucks 2007 überhaupt noch einmal Exportweltmeister geworden? Weil Deutschland zwar teuer exportiert, aber billig importiert. Viele Vorprodukte werden in Asien gefertigt und in Dollar gehandelt. Und vielleicht klappt es 2008 erneut, schließlich haben die Chinesen dieselben Dollar-Probleme.

Außerdem hat der schwache Dollar auch etwas Gutes: Bei einem derzeitigen Rekord-Preis von 98 US-Dollar pro Barrel Rohöl wären es bei dem Dollarkurs vom 17. November 2005 ganze 84 Euro. Derzeit zahlen wir aber „nur“ 67 Euro.


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