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17.11.07 / Politik soll für gutes Haschisch sorgen / Grünen-Politiker fordert Freigabe privater Cannabis-Plantagen für den »Eigenbedarf«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-07 vom 17. November 2007

Politik soll für gutes Haschisch sorgen
Grünen-Politiker fordert Freigabe privater Cannabis-Plantagen für den »Eigenbedarf«
von Markus Schleusener

Am 2. September öffnete in der Berliner Kastanienallee eine Kunstausstellung ihre Pforten. Ein Australier hat Zeitungsseiten per Hand abgeschrieben, einen Ikea-Einkaufskorb umdekoriert und eine Pappfigur in Form der „neuen sieben Weltwunder“ gebastelt. Typisch moderne Kunst, typisch Prenzlauer Berg, typisches Szenepublikum: junge Leute, zum Teil mit Kindern.

Plötzlich springt die etwa zehnjährige Tochter einer Ausstellungsbesucherin los: „Ich will in den Park da drüben“, ruft sie, und ihre Mutter signalisiert ihr mit einer Handbewegung, daß sie „entlassen“ ist. Doch dann raunt sie eine (offenbar ortskundige) Freundin an: „Bist du wahnsinnig? Da sind doch die Dealer!“

Auf der anderen Straßenseite ist der Volkspark am Weinberg, eine seit Jahren als Umschlagplatz für Drogen bekannte Grünfläche mit vielen Wiesen und einigen wenigen Bäumen.

Der Volkspark ist strategisch günstig gelegen: Es gibt eine U-Bahn (die berüchtigte Drogenlinie Nummer 8), mehrere Straßenbahnen, Schulen, Szenekneipen und Diskotheken. Die Händler, meist Araber und Afrikaner, können nach allen Seiten verschwinden, wenn ihnen die Luft zu heiß wird. Der Weinbergpark ist also wie gemacht, vor allem, nachdem die Drogenszene von der Polizei aus dem weiter nördlich gelegenen Mauerpark verdrängt worden ist.

Die Ordnungshüter haben 2006 ihr Personal hier verdoppelt. Sie erteilten nach Medienberichten 900 Platzverweise nach 1500 Personenüberprüfungen. 200 Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz wurden demnach eingeleitet.

Also harte Linie gegen Drogen in Berlin? Die Grünen haben da so ihre ganz eigenen Vorstellungen. Die Abgeordnetenhausfraktion der Partei hat einen „drogenpolitischen Sprecher“: Benedikt Lux wirbt gerade für die Freigabe von Hanfzucht für den „Eigenbedarf“.

Lux meint, fünf Pflanzen pro Kopf seien eine angemessene Menge. Durch die Hauszüchtung ließen sich schließlich gesundheitliche Schädigungen vermeiden, die entstünden, wenn Kiffer verunreinigte Drogen nähmen.

Am vergangenen Wochenende ist nämlich herausgekommen, daß in Leipzig Cannabis gehandelt wurde, das mit Eisenspänen gestreckt war. Das Metall macht die „Ware“, die nach Gramm bezahlt wird, schwerer. Die Geprellten inhalieren giftige Gase. Vor allem, wenn es sich bei dem Metall um Blei handelt wie in der Sachsenmetropole.

Zwar ist Berlin nicht Leipzig, und Drogenhandel ist eigentlich sowieso verboten – aber der Grünen-Abgeordnete findet es wichtig, sich dennoch darüber Gedanken zu machen. Es könne doch nicht sein, daß die vielen Kiffer in der Stadt auf sich allein gestellt seien, wenn es darum gehe, sauberen Stoff zu bekommen, so seine Logik. Die Gesundheitsverwaltung und die Polizei seien gefordert, beschlagnahmte Drogen auf Schadstoffe hin zu untersuchen, schrieb der 26jährige in einer Pressemitteilung.

Der Staat als Garant „sauberer“ illegaler Drogen? Da muß es wohl selbst bei den Grünen Krach gegeben haben: Die Erklärung wird inzwischen von Lux’ Büro selbst auf Nachfrage nicht mehr verschickt. Die Internetseite des Grünen ist geschlossen.

Auch der deutsche Hanfverband (auch so etwas gibt es, auch im Prenzlauer Berg, und zwar in einer Gegend, in der viel gedealt wird) fordert dennoch unverdrossen eine staatliche Gütekontrolle der verbotenen Drogen: „Den Handel einem Schwarzmarkt zu überlassen, bringt mehr Risiken als Nutzen.“ Eine absurde Vorstellung. Schließlich sorgt die Polizei bei bewaffneten Jugendbanden auch nicht dafür, daß ihre Messer auch immer schön sauber sind.

Tatsache ist allerdings, daß aus genau den von Lux aufgeführten Gründen immer mehr Kiffer ihren eigenen „Stoff“ herstellen. Der Trend geht weg vom Erwerb beim Marokkaner im Volkspark – hin zur Eigenplantage. Eine Entwicklung, der Lux mit seiner spektakulären Pressemitteilung wohl Rechnung tragen wollte.

Immer öfter ziehen Rauschgiftkonsumenten ihre Pflanzen in der eigenen Wohnung, aber der intensive Geruch im Treppenhaus läßt sie oft auffliegen. Auch der Umzug aufs Land hilft nicht unbedingt. Im September wurden zwei Henningsdorfer festgenommen, die in ihrem Haus vor den Toren Berlins Cannabis angebaut und geerntet hatten.


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