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17.11.07 / Verliebt im Alter / Rentner sucht Lebenssinn

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-07 vom 17. November 2007

Verliebt im Alter
Rentner sucht Lebenssinn

Monsieur Armand ist ein älterer Herr, der vor einigen Jahren seine Frau an eine schwere und langwierige Krankheit verloren hat. Zu seinen Kindern und Enkelkindern hat der passionierte Philosophieprofessor im Ruhestand kaum Kontakt, man besucht sich lediglich zu den Feiertagen.

In „Die letzte Liebe des Monsieur Armand“ behandelt die gebürtige Pariserin und ehemalige Theaterschauspielerin und Drehbuchautorin Françoise Dorner das sensible Thema der Einsamkeit im Alter. Und so lebt Monsieur Armand abgekapselt von seiner Umwelt still vor sich hin, sich regelmäßig nach dem Sinn seines verbleibenden Lebens fragend.

Bis ihn die Begegnung mit der 20jährigen Innendekorateurin Pauline plötzlich aus seinem immergleichen Alltag aufschreckt und sie sein Leben unbeabsichtigt auf den Kopf stellt. „Im 82er habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Sie saß mir gegenüber und schaute gedankenverloren zum Fenster hinaus. Sie war nicht wie andere Mädchen ihres Alters ... Da hielt der Bus mit einem Ruck, und ich wurde gegen einen Mann geschleudert, der mich anblaffte: ,Passen Sie doch auf!‘ Ich schlug mit dem Kopf gegen die Haltestange, mir entglitt mein Stock, und er fiel dem jungen Mädchen in den dunkelblauen Faltenrock. Als sei nichts dabei, nahm sie ihn einfach, gab ihn mir, und wir stiegen zusammen aus. Auf dem Trottoir fragte sie mich: ,Geht es wieder? Oder soll ich Sie nach Hause bringen?‘“

Die fröhlich-frische Art Paulines zieht den älteren Herrn sofort in ihren Bann. Von diesem Tag an kreisen Monsieur Armands Gedanken ständig um das freundliche, junge Mädchen aus dem Bus.

Als er sie wiedertrifft, wird er unversehens in die Rolle des Großvaters gedrängt, ist sich jedoch nicht sicher, welche Rolle er sich im Leben Paulines zugedacht hätte, wenn er die Wahl gehabt hätte.

Françoise Dorner behandelt in ihrem Roman die Problematik der immer häufiger auftretenden Einsamkeit der Menschen im Alter. Von der Gesellschaft als unnütz aufs Abstellgleis verbannt, wissen die auch einst durch Familie und Arbeit vereinnahmten Menschen, plötzlich alleinstehend, nichts mehr mit sich und ihrem Leben anzufangen. Die Gewißheit, in niemandes Leben mehr eine besondere Rolle als Versorger, Elternteil oder Partner zu spielen, treibt viele ältere Menschen nicht selten in die Verzweiflung.

Gespannt verfolgt der Leser die Entwicklung der Beziehung zwischen Monsieur Armand und Pauline. Er spürt, wie Monsieur Armand durch das Interesse an seiner Person plötzlich wieder aufzublühen beginnt.

Durch die fröhliche unbedarfte Art und die ehrliche Zuneigung des jungen Mädchens zu dem alten Herrn verhilft es ihm, zu einer – wie sich im Nachhinein herausstellen wird – folgenschweren Änderung der Sichtweise seines Lebens.

Die plötzlich wieder erwachte Lebensfreude des ehemaligen Philosophieprofessors aufgrund der Befreiung aus der unfreiwilligen und unerwünschten Isolation stimmt nachdenklich.

Ein schöner Roman, dem ein ernstes Thema zugrunde liegt, und der trotz einer gewissen Tragik einer zeit- und vor allem alterslosen Romantik nicht entbehrt.     A. Ney

Françoise Dorner: „Die letzte Liebe des Monsieur Armand“, Diogenes, Zürich 2007, geb., 17,90 Euro, Best.-Nr. 6442


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