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12.01.08 / Reichster Ruheständler der Welt / Bill Gates zieht sich zurück: In Zukunft widmet er sich nur noch der Rettung der Menschheit

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-08 vom 12. Januar 2008

Reichster Ruheständler der Welt
Bill Gates zieht sich zurück: In Zukunft widmet er sich nur noch der Rettung der Menschheit
von Ansgar Lange

Man soll immer dann gehen, wenn es am schönsten ist. Oder wenn man als Unternehmer am erfolgreichsten ist. Legt man diese Kriterien an, dann hat Microsoft-Gründer Bill Gates vielleicht schon die Zeit für den richtigen Absprung verpaßt. In letzter Zeit hat das Markenimage von Microsoft doch arg gelitten, weil andere Wettbewerber einfach den besseren Riecher für neue Trends hatten. Mit 52 Jahren räumt Gates, der mit seinen ewigen Pullovern, der nicht unbedingt modischen Brille und Frisur immer noch wie ein Informatik-Student im 20. Semester aussieht, jedenfalls den Schreibtisch und will in Zukunft nur noch Gutmensch sein. Die finanziell hervorragend gepolsterte „Bill & Melinda Gates Foundation“ liefert ihm dafür die nötige Basis.

Die in den Vereinigten Staaten idealisierte „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Karriere kann Gates nicht vorweisen. Das liegt eventuell auch daran, daß es immer mehr Spülmaschinen gibt und Gates als zweitreichster Mann der Welt selbstverständlich mehrfacher Milliardär ist. Er wuchs als Sohn eines wohlhabenden Rechtsanwalts und einer Lehrerin auf und machte bereits in der Grundschule mit seinen überragenden Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften auf sich aufmerksam. Daß ein abgeschlossenes Hochschulstudium keine Voraussetzung für eine Karriere als erfolgreicher Unternehmer ist, stellte Gates ebenfalls unter Beweis. Zwar ging er 1973 an die renommierte Harvard-Universität, doch schon zwei Jahre später brach er sein Studium ab.

Doch Mitte der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts war noch nicht abzusehen, wie clever und geschäftstüchtig der etwas linkisch wirkende „Tekkie“ einmal werden sollte. Im Sommer 2007 erinnerte sich der Informatik-Professor Harry R. Lewis an seinen ehemaligen Studenten, den er in den Jahren 1974 bis 1975 unterrichtete. „Ich habe Gates in der Zeit gut kennengelernt. Ich denke, er war ziemlich gelangweilt in meinen Kursen und hat ja selbst gesagt, daß er sich in den meisten Seminaren gelangweilt hat. Aber er ging zu vielen Veranstaltungen und war ziemlich interessiert“, so der vormalige Dekan des Harvard Colleges gegenüber „Spiegel“-Online. „Manchmal schlief er in den Seminaren ein. Nachher habe ich erfahren, daß er bis tief in die Nacht möglicherweise an der Gründung von Microsoft arbeitete. Das erklärte natürlich, warum er dann am Tag schläfrig war.“

Auch heute noch schlafen viele Studenten in Vorlesungen und Seminaren ein oder kommen erst gar nicht aus dem Bett und brechen ihr Studium ab. Sie werden aber in der Regel Taxifahrer und nicht Multimilliardär. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS-Infratest im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergab aber zumindest, daß Bill Gates für angehende Jungunternehmer in Deutschland das größte Vorbild ist.

Insbesondere die Informationstechnologie (IT), für die Gates wie kein zweiter steht, ist für die Wirtschaft in Deutschland wie in der übrigen westlichen Welt von enormer Bedeutung. Auf der Computermesse Comdex rief der Microsoft-Gründer daher im Jahr 2001 ein „digitales Jahrzehnt“ aus. „In dieser digitalen Dekade wird Computer-Technologie jeden Teil unseres Lebens verändern und das Versprechen des wirklich sicheren und wirklich persönlichen Computers einlösen“, so Gates. Doch in Deutschland fehlt es an weithin bekannten Vorbildern wie Gates, auch wenn Ende vergangenen Jahres wieder ein pompöser IT-Gipfel veranstaltet wurde. Kritiker bemängeln jedoch, daß bei solchen Treffen nur auf die großen Konzerne geschielt wird. Mittelständler oder gar der findige Jungunternehmer in der Garage haben hierzulande kaum eine echte Chance.

„Wenn ich heute zwischen 18 und 22 Jahre alt wäre, würde ich mich von Frau Merkel, dem SAP-Chef Kagermann oder dem Bitkom-Präsidenten Professor Scheer, der für die Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien steht, nur bedingt angesprochen fühlen. Die Informationstechnologie muß bei uns dringend aus dem Old-Economy-Muff erwachen“, sagt Michael Zondler, IT-Experte beim weltweit tätigen Beratungsunternehmen Harvey Nash. Doch auch Microsoft zeigt schon Anzeichen der Alterung. Steve Ballmer, der bereits seit 2000 als Microsoft-Chef agiert, macht eine wesentlich schlechtere Figur als sein langjähriger Weggefährte Gates. Auch andere Technologie-Experten im Unternehmen haben Schwierigkeiten, sich aus dem Schatten des Übervaters zu lösen. Dies muß den Verbraucher nicht unbedingt traurig stimmen, denn wegen seiner Firmenpolitik und der Qualität seiner Produkte steht Microsoft schon seit langem in der Kritik. Und auch die Kartellbehörden haben an dem Quasi-Monopolisten keine wahre Freude.


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