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12.01.08 / Noch immer unermüdlich / Karpatendeutsche in der Slowakei

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-08 vom 12. Januar 2008

Noch immer unermüdlich
Karpatendeutsche in der Slowakei
von Wolf Oschlies

Aus der Satelliten-Perspektive liegen die Karpaten wie ein seitenverkehrtes S da – beginnend mit den West-Karpaten in der Slowakei, fortgehend über die Beskiden oder Wald-Karpaten in der Ukraine und auslaufend mit den Ost- und Süd-Karpaten in Rumänien. So bilden sie die große Wasserscheide zwischen Ostsee und Schwarzem Meer. Vor über 800 Jahren sind erstmals Deutsche hier langgezogen, um als hospes (Gäste) den altungarischen Herrschern zu helfen, ihre dünn besiedelten und stets bedrohten Bergregionen zu kultivieren.

Zu Ungarn gehörte bis 1918 die Slowakei, wo Deutsche besonders gern Wohnsitz nahmen. Ondrej Pöss, Direktor eines „Museums der Kultur der Karpatendeutschen“ in der Hauptstadt Bratislava, deutsch Pressburg, hat 2005 in einem Büchlein ihre Historie und Gegenwart bündig und eindrucksvoll geschildert: „Wenn im 16. Jahrhundert ein deutscher Handwerksbursche von Pressburg nach Kaschau zu Fuß auf Wanderschaft ging, konnte er auf seinem Weg durch die Slowakei jede Nacht in einer deutschen Siedlung verbringen.“

„Karpatendeutsche“ – der deutsche Historiker und Ethnograph Raimund Friedrich Kaindl (1866–1930) prägte eingangs des 20. Jahrhunderts diese Benennung für Deutsche in der Slowakei und der Karpato-Ukraine. 1890 zählten sie 228000 Angehörige, 1930 noch 148000 – recht gleichmäßig verteilt über die Hauptstadt (48000), die „Kremnitzer Sprachinsel“ (40000) und die ostslowakische Zips (36000), dazu noch 15000 Deutsche in der Karpato-Ukraine. Heute sind sie so wenige, daß sie bei Volkszählungen kaum erfaßt werden: Wer sich als Deutscher deklarieren will, muß seine Nationalität handschriftlich eintragen – was in den letzten Jahren nur etwa 5600 wagten. Just so viele Mitglieder zählt der „Karpatendeutsche Verein“, der von 12000, gar 15000 Deutschen in der Slowakei ausgeht.

Seit einem Jahr prangt an der Außenwand des karpatendeutschen Museums, Zizkova 14, eine Gedenktafel, auf der – nach Jahrzehnten des Verschweigens – die traditionellen Siedlungsgebiete der Deutschen verzeichnet sind. Im Grunde sind sie immer noch präsent, mit verkleinerter Zahl, vergrößertem Engagement und begleitet vom Wohlwollen ihrer slowakischen Nachbarn und Behörden.

Bei ihrer Ankunft brachten die  Deutschen neue Techniken mit, die der ganzen Region über Jahrhunderte Wohlstand sicherten – allen voran der Bergbau, dessen Produkte über deutsche Handelshäuser in alle Welt exportiert wurden. Die 1786 in Sklené Teplice (Glashütten) gegründete „Gesellschaft für Bergbaukunde“ zählte Prominente wie Goethe zu ihren Mitgliedern. Ähnlich war es in anderen Bereichen der Technik, was bei Slowaken unvergessen ist.

Außerdem haben die Deutschen in der Slowakei Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen von Weltrang gegründet, wobei an erster Stelle die 1762 in Banska Stiavnica (Schemnitz) gegründete Bergakademie zu nennen ist, die die erste Montanhochschule der Welt war. Heute gibt es kaum noch Bergbau und nur noch wenige Deutsche in der Slowakei, die aber Mut und Stolz nicht verloren haben, vielmehr mit kleinen Unternehmen – mehrsprachige Kindergärten und Schulen, deutsche Begegnungsstätten, Stadtmuseen etc. – an bessere Zeiten anzuknüpfen versuchen.


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