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12.01.08 / Ohne Heimat / Deutsche Juden in New York

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-08 vom 12. Januar 2008

Ohne Heimat
Deutsche Juden in New York

Das Titelbild zeigt fünf Kinder, gekleidet wie in den 30er Jahren, die von einem Schiff aus der amerikanischen Freiheitsstatue fröhlich zuwinken. „Amerika wir kommen“, sagt das Bild. Doch das Thema von „Der ferne Glanz der Welt“ ist nicht, wie nun erwartet, eine Auswanderergeschichte im klassischen Sinne, es ist vielmehr eine Ansammlung zwischenmenschlicher Tragödien, die zum Teil das aus Deutschland ausgewanderte jüdische Ehepaar Mitwisser mit dessen fünf Kindern betrifft. In Berlin waren er als Religionswissenschaftler und sie als Naturwissenschaftlerin gefeierte Koryphäen. Doch 1933 entschieden sie sich für die Auswanderung. Dank einer Gastprofessur in Albany, im Norden der USA, hatte die Familie Mitwisser ein Ziel. Da sich allerdings vor Ort herausstellte, daß es sich um eine Verwechselung handelte, muß die Familie nun aus dem Nichts heraus in der Fremde neue Wege gehen.

Eine weitere Figur ist Rose. Die Tochter eines Hochstaplers lebt bei ihrem Cousin, doch da sie nicht länger von dessen Gnade beziehungsweise der seiner kommunistischen Freundin Ninel (Lenin rückwärts gelesen) abhängig sein will, nimmt sie eine Sekretärinnenstelle beim deutsch-jüdischen Professor Mitwisser an und reist mit dessen Familie nach New York. Doch dort erfährt Rose, daß die Familie finanziell so abgebrannt ist, daß sie ihr keinen Lohn zahlen kann und selbst nur überlebt, weil ein reicher, geheimnisvoller Gönner, mit dem Rose indirekt durch die Spielleidenschaft ihres bei einem Unfall ums Leben gekommenen Vaters verbunden ist, alles bezahlt.

Autorin Cynthia Ozick ist in New York geboren und Tochter jüdischer Einwanderer aus Rußland. Daher dürfte sie aus eigenen Erfahrungen heraus wissen, wie es ist, in den USA ein neues Leben beginnen zu müssen, weil man in seiner Heimat unerwünscht ist. Dieses Gefühl der Heimat- und Nutzlosigkeit treibt auch die Eltern der Familie Mitwisser um.

Mutter Elsa liegt traumatisiert in ihrem Bett und findet es grauenhaft, auf die Gnade anderer Leute angewiesen zu sein. Sie lebt, genau wie ihr Mann, in ihrer eigenen Welt und versucht Altes zu bewahren. Während sie viel von früher erzählt, tut er so, als wollte er das neue Leben mit beiden Händen greifen. Er zwingt seine Kinder, nur noch Englisch zu sprechen, gibt sich arbeitsam und geht jeden Tag in die Universität, doch schnell erfährt Rose, daß er dort nur die Zeitz totschlägt, denn in den USA hat keiner Interesse an seinem Fachgebiet.

Zwischen den aneinander vorbei lebenden Eltern stehen die Kinder, für die keiner Liebe und Wärme hat. Auch Rose nicht, denn die Anfang 20jährige hat genügend mit den gebrochenen Eltern zu tun. Als dann der geheime Gönner auftaucht, bricht das emotionale Chaos aus.            R. Bellano

Cynthia Ozick: „Der ferne Glanz der Welt“, dtv, München 2007, broschiert, 398 Seiten, 10 Euro, Best.-Nr. 6499


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