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12.01.08 / Alles dunkel / Ostpreußin erinnert sich

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 02-08 vom 12. Januar 2008

Alles dunkel
Ostpreußin erinnert sich

„Und die Sehnsucht bleibt“ ist eine Autobiographie, mit der Ilsa Langanke ihren Beitrag zum Thema „Flucht und Vertreibung“ leisten möchte. Aufgewachsen im ostpreußischen Dorf Schönbruch, verlebte Ilsa Langanke mit ihren vier Geschwistern eine beschauliche Kindheit auf dem Hof ihrer Eltern.

Sehnsüchtig erinnert sich die Autorin an die vielen ostpreußischen Sitten, Gebräuche und Feiertage, welche die Familie zu leben und feiern pflegte. So zum Beispiel das Erntefest, der Rummeltopf oder das Federreißen.

„Mein Vater erzählte uns von der Zeit des großen Federreißens, … das zwischen Weihnachten und Neujahr stattfand. Die ganze Nachbarschaft kam zusammen, und man saß gemütlich in der warmen Küche. Lustige und schaurige Geschichten erzählten sie sich. … Unter Singen und Lachen zogen viele fleißige, geschickte Hände alle brauchbaren Federn Stück um Stück mit ihren Häutchen vom Kiel. Die Frauen hatten bereits rotes Inlett zu … Bettbezügen genäht, in das die weichen Federn und Daunen gestopft wurden.“

Doch so schön dem Leser die Erzählungen aus der Kindheit Ilsa Langankes auch erscheinen mögen, der Bericht über den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die Flucht der Familie aus der Heimat zerstört jegliches Bild von ländlicher Idylle.

Die unter Lebensgefahr und unter Beschuß der russischen Tiefflieger durchgeführte Flucht, zu Fuß, über das brüchige Eis des Frischen Haffs, ist der Autorin bis heute genau im Gedächtnis geblieben.

„Ein endlos langer Marsch über das Haff begann, und Dunkelheit war mit uns. Eine Strecke von etwa zehn Kilometern lag vor uns. Alles wirkte gespenstisch, und das Ächzen und Krachen des Eises klang sehr unheimlich. Doch es galt nur weiterzuziehen, und die Todesangst vertrieb alle Schmerzen.“

Obwohl die Flucht für Ilsa Langanke ein gutes Ende genommen hat, schwingt in jeder Zeile, die sie über ihre Kindheit in Ostpreußen geschrieben hat, eine gewisse Wehmut mit. Eben diese Wehmut und Sehnsucht nach der Heimat waren Auslöser für vier Reisen nach Ostpreußen, auf welche die Autorin zu Beginn und Ende des Buches kurz eingeht.          A. Ney

Ilsa Langanke: „Und die Sehnsucht bleibt“, Schardt Verlag, Oldenburg 2007, 285 Seiten, 12,80 Euro, Best.-Nr. 6503


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