21.01.2022

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16.02.08 / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 07-08 vom 16. Februar 2008

Ehrlicher Umgang / Warum Frau Pauli so müde ist, was Wirklichkeit wirklich ist, und warum Chávez alle   rausschmeißt, bis es nach Rinde schmeckt
Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

In Kinderarmut fängt das Leben von Millionen Deutschen an, um schließlich im Rentenloch zu enden. Selbst die Jahre, die dazwischen liegen, werden immer ungemütlicher – was nicht wenig damit zu tun hat, daß der Blick auf die Rente so lausig ausfällt. Spät wird sie kommen, und beklemmend mager wird sie ausfallen. Ein zunehmende Zahl von Deutschen graust vor dem Ruhestand, weil die zu erwartende Rente dahinschmilzt.

Ganz schön übel, und ganz gewiß nicht gut für die Wirtschaft. Wie soll man noch unbeschwert und voller Elan an sein Tagwerk gehen mit solchen Aussichten im Nacken?

Nun, vielleicht ist das alles auch nur eine Frage der Betrachtung. Es kommt doch nur darauf an, die richtigen Fragen zu stellen, dann gibt’s auch die erhofften Antworten. Wie wär’s mit der hier: Wenn die Wirklichkeit uns nichts als Mist bietet, warum schmeißen wir sie dann nicht raus und bauen uns eine neue, viel schönere, nur für uns?

Gabriele Pauli, Stoibers Quälgeist, Latex-Queen und zwischendurch auch Fürther Landrätin, hat  schon lange in ihrer eigenen Wirklichkeit gelebt, die Glückliche. Dort war die Welt so unbeschwert. Politik war ein heiteres Spiel, und wer im Fernsehen groß rauskam wie sie, der war sicher, auch wirklich ganz groß zu sein. Paulis Welt war so wundervoll, daß sie sich am Ende sogar auf den Ruhestand freute, vor dem wir uns so fürchten. Deshalb wollte sie auch so schnell es ging ran an die Rente und sich schon mit 50 Lenzen in die Kissen ihrer Landratspension kuscheln, traumhaft.

Doch dann klingelte der Wecker, vor Frau Pauli stand die SPD, stellte die Musik ab und machte alles kaputt. Sie habe das Amt der Landrätin ja freiwillig aufgegeben, deshalb stehe ihr die Pension erst mit 62 zu. Die CSU neben ihr schwieg zunächst betreten. Man wußte nicht recht: Die Sozis haben zwar recht, aber: Was, wenn sich die Pauli, plötzlich ohne Pension, entscheiden sollte, wiederzukommen? Himmisakra! Am Ende schlossen sich die Christsozialen etwas zittrig der SPD an: nix da mit Pension für die 50jährige.

Gabriele Pauli sieht sich zum erneuten Male gehetzt von einer intriganten Politikermeute, die ihr schon den Aufstieg in die CSU-Spitze verbaut hat. Was für gräßliche Leute! Sie vermisse, beklagte sie wörtlich, „einen ehrlichen Umgang mit dem Thema Amtsmüdigkeit“.

Klingt, als fordere die Fürtherin  die späte Anerkennung einer viel zu lange stigmatisierten Krankheit. Erkrankte äußern sich etwa so: Kinder, ich bin zwar topfit, fahre Motorrad und habe auch sonst jede Menge Spaß, aber zu meinem Job habe ich einfach keine Lust mehr, er macht mich so müde. Also mal ganz „ehrlich“: Pension her!

Wir sehen, Gabriele Pauli hatte sich tatsächlich ihre ganz eigene Wirklichkeit gebastelt, die sich von unserer trostlosen Welt ganz und gar unterscheidet. Nun, da wir Neider sie zurückgezerrt haben in unsere Niederung, gibt sie sich aber kämpferisch: „Ich komme immer durch!“ Oh, oh. „Durchkommen“ geht ja noch in Ordnung. Bayerns Parteien sorgen sich nun aber heftig, bei welcher von ihnen sie wohl raus­kommt?

Nun, es muß ja nicht notwendigerweise Bayern sein, Parteien gibt es auch anderswo. Aber welche würden wir Frau Pauli empfehlen? Käme am ehesten die Linkspartei in Frage, schon wegen ihres ebenfalls ablehnenden Verhältnisses zu der schnöden Realität von uns Alltagsmenschen. Unsere Wirklichkeit, das war für die Kommunisten ja früher schon bloß das Leben der anderen, das man lieber aus der Dachbodenperspektive observierte.

Heute tummelt sich im Hause  Links eine ganze Palette Menschen von hier und da, die nach der alten Marxistendevise ticken: Wenn die Theorie nicht zur Praxis paßt, um so schlimmer für die Praxis. Mit ihrer Sehnsucht nach Sofortpension für 50jährige hätte Frau Pauli schnell Freunde hier.

Zudem wird dort schon bald vielleicht ein Posten frei, auf dem es nicht nur Geld gibt, sondern überdies voll entflammte Verehrer umsonst dazu. In Bremen gehen Gerüchte um, die 27jährige Linke-Abgeordnete Sirvan-Latifah Caciki wolle nach der Hamburger Wahl zu den Grünen wechseln. Der gefeuerte Geschäftsführer der Linke-Fraktion, Manfred Steglich, hatte der bildschönen Frau heiße Liebespost geschickt, bis ihr die Nerven durchgingen.

Herr Steglich ist übrigens genauso alt wie Frau Pauli. Wir sollten ihm ein Foto von ihr schicken, Gabi auf dem Motorrad oder eins von den scharfen Latex-Aufnahmen. Die beiden wären das Traumpaar von der Weser, unsere bunten Blättchen könnten uns endlich mit richtig schmissigen Storys versorgen statt mit diesen öden Schmonzetten über irgendwelche Hollywood-Schlaffis.

Indes muß sich die Linkspartei noch immer mit dümmlichen Klischees herumschlagen. Nach dem Durcheinander in Bremen sehen sich ihre Gegner darin bestätig, daß die aus alten Kommunisten und neuen Chaoten bestehende Truppe zu keiner kalkulierbaren Politik fähig wäre.

Das ist ungerecht, kaum etwas ist so exakt vorhersehbar und damit kalkulierbar wie Sozialismus. Er verläuft immer gleich, in straff organisierten Phasen: In Phase eins werden die Großbetriebe verstaatlicht, um die Kontrolle zu bekommen und genügend ordentlich bezahlte Posten für die Genossen an Land zu ziehen. Die haben den Sieg ja erkämpft und erwarten das schöne Leben nach der Revolution, sonst werden sie ungemütlich.

 In Phase zwei werden die „Reichen“ enteignet. Natürlich nicht die wirklich Reichen, die haben ihr Geld rechtzeitig ins Ausland gebracht oder sich in die sozialistische Nomenklatur persönlich hineingeschmiert. Nein, die „Reichen“, das ist der Mittelstand, bei dem es in der Masse sowieso mehr zu holen gibt als irgendwo sonst.

Nach einiger Zeit gehen die verstaatlichten Großbetriebe  dann am Stock, und der Mittelstand ist verarmt oder geflohen. Nun wird es erstmals prekär. Die Läden leeren sich, das Geld verfällt, dem vormals begeisterten „kleinen Mann“ beginnt zu dämmern, daß er sich ins Knie geschossen hat, als er an den „Reichen“ sein Mütchen kühlte.

Jetzt beginnt Phase drei: der Kampf gegen die „Saboteure“. In diesem Abschnitt befindet sich im Augenblick der einstige demokratische Vorzeigestaat Südamerikas, Venezuela. In dem mit reichlich Öl gesegneten Land des Revolutionärs Hugo Chávez sind Milch, Zucker, Eier, Weizenmehl, Rind- und Hühnerfleisch nur noch schwer zu kriegen.

Daran seien ausländische, das heißt selbstredend: imperialistische Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé schuld, die die Milch geklaut hätten, hat Chávez verkündet. Die Imperialisten lügen dagegen, die Knappheit habe vielleicht damit zu tun, daß der Präsident die Preise für alles sehr niedrig festgesetzt habe. Damit wollte Chávez den Armen gefallen, doch nun lohnen sich Produktion und Verkauf nicht mehr.

Demnächst will Genosse Hugo die Konzerne rauswerfen und die USA sogar mit einem Ölboykott belegen. Dann flösse endgültig kein Geld mehr in seine Kasse und Venezuela träte in Phase vier des Sozialismus ein. Wie die aussieht, hängt von der Region ab, in der sich das Land befindet. In Europa heißt Phase vier DDR: Saboteure, Provokateure und ausländische Spione werden ausgeschaltet, Parteien und Presse gleichgeschaltet und das Land abgeriegelt, damit nicht alle weglaufen. In der Dritten Welt trägt Phase vier das Gesicht von Simbabwe.

Was nach Phase vier folgt, wissen wir nicht, da Informationen aus Nordkorea so schwer zu bekommen sind. Immerhin haben wir gehört, daß die Menschen dort die Rinde von den Bäumen nagen. Venezuela gilt als „Schwellenland“, so etwas zwischen Europa und Dritte Welt. Also müssen wir uns Phase vier dort wohl als eine DDR unter besserem Wetter, aber dafür mit unsicherer Nahrungsmittelversorgung vorstellen, in der das Essen irgendwann anfängt, nach Rinde zu schmecken.


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