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01.03.08 / Zwischen Österreich und der Schweiz / Das Herrschergeschlecht gab dem Fürstentum seinen Namen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-08 vom 01. März 2008

Zwischen Österreich und der Schweiz
Das Herrschergeschlecht gab dem Fürstentum seinen Namen
von Manuel Ruoff

Die Grafschaft Vaduz entstand 1342 durch Erbteilung der Grafschaft Werdenberg. 1379 verlieh König Wenzel dem Grafen Heinrich von Werdenberg die Gerichtsbarkeit, 17 Jahre später erhielt die Grafschaft Vaduz die Reichsunmittelbarkeit. Nach dem Aussterben der Grafen von Vaduz folgten die Freiherren von Brandis aus dem Emmental als Landesherren. Zusätzlich erwarben die Freiherren den nördlichen Teil der Herrschaft Schellenberg. Durch die Vereinigung von Vaduz mit Schellenberg erhielt das heutige Fürstentum Liechtenstein seine heutigen Grenzen.

Die Reichsunmittelbarkeit der Herrschaften Schellenberg und Vaduz erweckte die Begehrlichkeit des Fürsten Johann Adam Andreas von Liechtenstein, denn er wollte in den Reichsfürstenrat und dafür benötigte er reichsunmittelbaren Besitz. Er erwarb deshalb käuflich 1699 Schellenberg und 1712 Vaduz.

Fürst Anton Florian von Liechtenstein machte sich so sehr um Kaiser und Reich verdient, daß Karl VI. am 23. Januar 1719 dessen beide Herrschaften Vaduz und Schellenberg zu einem Reichsfürstentum erhob und diesem den Namen des Herrschergeschlechts verlieh. Jener Tag gilt deshalb bis heute als der Geburtstag Liechtensteins.

Der Reichsunmittelbarkeit Liechtensteins folgte die Souveränität, nachdem der letzte Kaiser die Krone niedergelegt hatte, woran gemeinhin das Ende des Heiligen Reiches festgemacht wird.

Als auf dem Wiener Kongreß 1815 der Deutsche Bund als Nachfolgeorganisation des Reiches geschaffen wurde, gehörte wie Luxemburg auch Liechtenstein dazu. 1852 schloß Liechtenstein einen Zollvertrag mit seinem großen Nachbarn Österreich, um einen größeren Markt zur Verfügung zu haben. 1861 erhielt Liechtenstein die erste Bank. Nach dem Deutschen Krieg von 1866 wurde Liechtenstein souverän, da mit der Niederlage der Vormacht des Deutschen Bundes gegen Preußen auch der Bund endete. Von allen Pflichten eines Bundesmitgliedes entbunden, wurde zwei Jahre später das Militär abgeschafft. Das brachte dem Fürstentum eine spürbare finanzielle Entlastung.

Obwohl mit dem Habsburgerreich per Zollvertrag verbunden, blieb Liechtenstein im Ersten Weltkrieg neutral. Niederlage, Gebietsverluste und Reparationen blieben dem Fürstentum also erspart. Nach dem Kriege lockerte es seine Bande zum benachbarten Kriegsverlierer. Der Zollvertrag wurde 1919 gekündigt. Statt dessen wandte es sich nun seinem anderen Nachbarn zu. Mit der Schweiz wurde 1921 ein Post- und 1923 ein Zollvertrag abgeschlossen. Weitere Verträge mit den Eidgenossen folgten in den darauffolgenden Jahrzehnten, so daß heute eine enge Partnerschaft zwischen den beiden Bankenstaaten besteht, einschließlich Währungsunion.

Im Jahre des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges probte die nationalsozialistische Volksdeutsche Bewegung in Liechtenstein den Aufstand, doch der Versuch scheiterte. So focht Liechtenstein im letzten Weltkrieg nicht auf der Seite des Deutschen Reiches und dessen Verbündeter, sondern blieb abermals neutral.

Nach dem Krieg trat Liechtenstein 1978 dem Europarat, 1990 als 161. Mitglied der Uno, 1991 der Efta und 1995 dem Europäischen Wirtschaftsraum bei.


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