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01.03.08 / Den Spiegel der Zeit dokumentiert / Der Maler und Graphiker Otto Schliwinski wird 80 Jahre alt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 09-08 vom 01. März 2008

Den Spiegel der Zeit dokumentiert
Der Maler und Graphiker Otto Schliwinski wird 80 Jahre alt
von Silke Osman

In engen Straßenschluchten bewegen sich die Massen, den Ameisen gleich. Die Gesichter, wenn überhaupt dargestellt, gleichen Masken. Manche haben die Münder wie zum Schrei geöffnet. Die Augen sind weit aufgerissen. Anonyme Massen drängen sich durch enge Straßen. Austauschbar und seelenlos. Ebenso die Straßenzüge, die in die Unendlichkeit zu führen scheinen und umsäumt sind von in den Himmel ragenden Häusern. In diesen Häusern, in den Slums oder Hochhäusern ahnt man die Menschen nur. Das sind die typischen Motive des Malers und Graphikers Otto Schliwinski. Am 5. März kann er seinen 80. Geburtstag begehen und auf ein reiches, bewegtes Leben zurückblicken.

Seine Reisen durch fünf Kontinente brachten ihn in über 70 Länder der Erde. Er war in China und in Arabien, in den USA und Kanada, in Thailand und Australien, in Nigeria und Japan. Überall stellte er seine Bilder aus, hielt Vorträge, sprach mit Künstlerkollegen und schuf Kontakte über alle Grenzen hinweg. Ein Weltreisender in Sachen Kunst wird er gern genannt, aber auch ein Botschafter Ostpreußens in aller Welt.

 „Ich bin nicht reich“, hat Otto Schliwinski einmal in einem Interview gesagt, „aber manchmal meine ich, man kann es nicht besser haben als ich. Ich habe das große Geschenk erhalten, das, was ich fühle, auszudrücken. Nie im Leben habe ich davon geträumt, daß ich einmal so viele Menschen in so vielen Ländern mit meiner Kunst erfreuen könnte. Man denke auch an den großen Gegensatz – der Junge aus dem kleinen Ort Mulden in Ostpreußen kann später als Mann die größten Städte der Welt, Tokio und Djakarta etwa, besuchen und dort seine Arbeiten ausstellen!“

Das Licht der Welt erblickte Otto Schliwinski in Mulden, Kreis Lyck. Dort besaß der Vater einen Hof und betrieb eine Pferdezucht. Schon früh fühlte er sich zur Segelfliegerei hingezogen und war gewiß begeistert, als er – nur 16jährig – zur Luftwaffe eingezogen wurde. Als Junge in Uniform aber erlebte er maßloses Elend. Die Mutter starb auf der Flucht in den Westen. In Westfalen fand sich der Rest der Familie nach dem Krieg wieder. Vieles erlebte Elend hat sich in den frühen Bildern Otto Schliwinskis niedergeschlagen. Künstlerisches Arbeiten half ihm, sich von seinen Depressionen zu befreien.

Nach ersten künstlerischen Studien 1946 in Gelsenkirchen besuchte er die Folkwangschule in Essen. Zunächst war er als Planungsingenieur tätig, bis er sich 1979 endgültig als freischaffender Maler und Graphiker in Essen und Garmisch-Partenkirchen niederließ. Eine erste Einzelausstellung erfolgte 1961 im Ruhrlandmuseum Essen. Seit dieser Zeit hat Otto Schliwinski unermüdlich gemalt und gezeichnet. Er selbst nennt sich einen Besessenen. „Ich sehe meine Arbeit als Werkzeug, den Spiegel der Zeit zu dokumentieren“, so der Künstler. „Indem ich die Wirklichkeit übertreibe, deute ich auf die Zukunft hin.“

Immer wieder ist es der Mensch, der im Mittelpunkt seines Schaffens steht. Der Mensch nicht als unverwechselbares Individuum, als Porträt dargestellt, wenn es die auch vereinzelt im Werk des Künstlers gibt. Meist jedoch zeigt er die Masse der Menschen in ihrem Miteinander, sei es nun freiwillig, sei es erzwungen. Stets bleibt der Künstler neutraler Beobachter, schildert mit Pinsel und Feder seine Wirklichkeit und öffnet so den Blick für das Wesentliche.

Mit seinen Ostpreußen-Bildern hat er schließlich zu seinen Wurzeln zurückgefunden, denn der weltoffene Künstler, der wie kaum ein anderer seine Kunst den Völkern der Erde hat präsentieren können, ist immer ein begeisterter Preuße geblieben. 1997 wurde er mit der Verleihung des Kulturpreises der Landsmannschaft Ostpreußen geehrt.

Foto: Otto Schliwinski: Menschen in Colombo / Ceylon (Mischtechnik)


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