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29.03.08 / Wenn Kinder berühmt werden wollen / Rat für die Eltern: Wunschberufe in der Realität austesten lassen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-08 vom 29. März 2008

Wenn Kinder berühmt werden wollen
Rat für die Eltern: Wunschberufe in der Realität austesten lassen
von Maria Hilt

Im Fernsehen auftreten, teure Kleider tragen und die ganze Welt bereisen – der Traum, ein Star zu sein, spukt in vielen Kinderköpfen umher. Castingshows und Kinderfilme mit jungen Schauspielern lassen den Wunsch nach Berühmtheit in jungen Jahren in vermeintliche Nähe rücken. Viele Teenager verfolgen dieses Ziel daher schon mit großen Ambitionen. Eltern sollten ihre Kinder jedoch bei dieser Karriereplanung nicht um jeden Preis antreiben.

„Daß Teenager den Idolen nacheifern, die sie aus Fernsehshows und Zeitschriften kennen, ist in der heutigen Mediengesellschaft ein relativ normaler Bestandteil der Entwicklung“, sagt der Hannoveraner Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann. In Castingsendungen werde den Kindern vorgemacht, daß es ganz einfach sei, glücklich zu sein – man müsse es nur vor eine Fernsehkamera schaffen. „Im Gegenzug wird den jungen Leuten dadurch aber auch vermittelt, daß man nichts wert ist, wenn man nicht im Glitzerfummel im Rampenlicht steht. Eltern sollten ihren Kindern vor Augen führen, wie wenig diese Scheinwelt mit der Realität zu tun hat“, rät der Erziehungsexperte.

Die Vor- und Nachteile ihrer schillernden Traumberufe können Kinder am besten begreifen, wenn sie sie austesten. „Musicaltanzkurse oder schulische Theatergruppen geben ihnen Gelegenheit, ihre Talente zu entdecken und sich in einem geschützten Rahmen auszuprobieren“, sagt Wolfgang Bergmann. Dabei sollten die Eltern nicht mit Lob für das neu Erlernte geizen. „Man sollte dem Kind aber gleichzeitig vermitteln, daß die Bewunderung nichts mit der Bühne oder mit einer Fernsehkamera zu tun hat, sondern daß man sich ganz einfach über seine schöne Stimme oder die tollen Bewegungen freut“, sagt der Kinderpsychologe.

Auch beim Auftritt in der Schul-aula lernen die kleinen Staranwärter schnell die eher unangenehmen Seiten der Bühnenberufe kennen: „Man muß an sich arbeiten, man muß seinen Text auswendig können und langwierige Probennachmittage überstehen“, sagt Wolfgang Bergmann. Für die jungen Künstler seien das oft harte Geduldsproben.

Wenn sich bei all diesen Widrigkeiten die Leidenschaft für das Tanzen, Singen oder Spielen jedoch weiter verfestige, sollten Eltern diese Begabung auch unterstützen und ihr Kind anspornen, sein Talent weiterzuentwickeln.

Maria Schwarz, Inhaberin einer Casting-Agentur für Nachwuchsschauspieler, achtet bei der Auswahl ihrer Schützlinge darauf, daß die Kinder das Wesen der Schauspielerei begriffen haben und nicht nur nach glitzernden Sternen greifen. „Wer gerne in andere Rollen schlüpft oder eine Begeisterung für die Textarbeit mitbringt, hat reelle Chancen. Der Wunsch nach Ruhm und Geld ist keine ausreichende Qualifikation“, sagt Schwarz. Außerdem müßten die Bewerber auch mit ihren schulischen Leistungen überzeugen. „Wer in der Schule nicht mitkommt, bekommt von den Behörden niemals eine Freistellung, um bei einer Fernsehproduktion mitzuwirken. Da ist das Risiko einfach zu groß, daß das Kind völlig den Anschluß verpaßt“, sagt Maria Schwarz.

Bei der Auswahl einer geeigneten Casting-Agentur rät die erfahrene Agentin Eltern zu besonderer Vorsicht: „Es gibt viele schwarze Schafe in der Branche.“ Unseriös sei es beispielsweise, wenn die Agentur die Bewerber für eine oft überflüssige Set-Card oder die Aufnahme in die Kartei zur Kasse bitte. Auch vor Castings für Filmrollen, bei denen die Kinder keine Gelegenheit bekämen, ihr Können vor einer Kamera zu zeigen, warnt Maria Schwarz. Zu lange Arbeitstage für die Kinder, niederschmetternde und unpädagogische Kritiken oder auch ein Dasein als Karteileiche sind dann zu befürchten.

Die Nachwuchs-Casterin fordert Eltern außerdem auf, sich auch mit ihrer eigenen Rolle bei der Karriere ihrer Kinder eingehend zu befassen. „Die Eltern machen sich meistens nicht klar, daß ein Engagement beim Fernsehen nicht nur für das Kind großen Streß bedeutet. Auch Mama und Papa müssen Einsatz zeigen, bei Proben dabei sein, das Kind zum Set fahren, Unterschriften von Behörden einholen – das kostet Zeit und Geld.“

Wenn die Bühnenarbeit das Kind jedoch ohnehin schon nach kurzer Zeit langweilt, empfiehlt der Kinderpsychologe Bergmann, dieses Trauerspiel schnell zu beenden.

Gleichzeitig sollte man für den geplatzten Traum aber auch eine Alternative anbieten. Bergmann: „Jedes Kind hat ein Talent. Die Eltern sollten es dabei unterstützen, seine ganz eigene Begabung zu erkennen und auszuleben.“


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