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29.03.08 / Schlag gegen die Kirche / SD beschagnahmt Buchbestand der Katholischen Aktion

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 13-08 vom 29. März 2008

Schlag gegen die Kirche
SD beschagnahmt Buchbestand der Katholischen Aktion
von Manfred Müller

Das war alles andere als ein Aprilscherz, als am 1. und 2. April 1938 Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (SD) der SS im Düsseldorfer Canisiushaus die 18000 Bände der Bibliothek der Bischöflichen Hauptarbeitsstelle der Katholischen Aktion verpack­ten und per Lastzug in das SD-Hauptamt Berlin transportieren ließen, wo die Bücher auf Vorschlag des SS-Hauptsturmführers Albert Hartl, eines ehemaligen katholischen Priesters, mit den in Österreich beschlagnahmten kirchlichen Buchbeständen zu einer „Zentralbibliothek zur Erforschung der Kirchenfragen“ vereint wurden.

Die Bischöfliche Hauptarbeitsstelle der Katholischen Aktion war 1933 von den deutschen Bischöfen eingerichteten worden, um im Sinne von Papst Pius XI. das Laienapostolat in den Pfarrgemeinden zu organisieren und zu intensivieren.

Diese Hauptarbeitsstelle war in den Augen der Kirchenabteilung des SD, in der neben Hartl auch andere priesterliche Renegaten arbeiteten, besonders anstößig, weil über das Laienapostolat auch die Bereiche Erziehung, Kultur und Wissenschaft durchdrungen werden konnten.

Im Weltanschauungskampf des Dritten Reiches, in dem der Totalitätsanspruch der katholischen Kirche mit dem Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus zusammenprallte, verstanden sich diese ehemaligen Priester als Glaubenskrieger eines neuen Glaubens gegen das Christentum, das als deutschfeindlich eingestuft wurde und langfristig zum Absterben gebracht werden sollte.

Seit der ersten Jahreshälfte 1937 betrieb der SD die Schließung der Bischöflichen Hauptarbeitsstelle, wobei er jedoch die Wirksamkeit dieser kirchlichen Einrichtung überschätzte, da die Bischöfe sich in ihren jährlichen Beratungen nicht über die Weisungsbefugnisse dieser Düsseldorfer Zentralstelle der Katholischen Aktion hatten einigen können. Zudem lockte der reiche Bücherbestand. Als im Dezember 1937 die Hauptarbeitsstelle in das Kölner Generalvikariat verlegt werden sollte, sah man beim SD die Gefahr, daß wichtige Beweise für die „Illegalität“ der Hauptarbeitsstelle „in den Geheimarchiven der bischöflichen Behörde“ verschwinden könnten.

Am 3. Januar 1938 schlugen SD und Gestapo zu. Das Canisiushaus wurde besetzt, die Räume wurden versiegelt und mehrere Mitarbeiter inhaftiert. Was SD und Gestapo bei der Durchsicht der vorgefundenen Akten und bei der Vernehmung der Inhaftierten erfuhren, deutete nach Auffassung des SD auf Kontakte zu katholischen Emigranten sowie auf einen ausgedehnten Kurier- und Nachrichtendienst hin. Auch fand man in dieser katholischen Einrichtung vertrauliche Verwaltungsanordnungen und Runderlasse der Gestapo vor. Für den SD-Chef Reinhard Heydrich und den Reichsführer SS Heinrich Himmler war das ausreichend für ein Verbot und Vermögensbeschlagnahme gemäß der Reichstagsbrandverordnung aus dem Jahre 1933.

Proteste des Kölner Kardinals Karl Joseph Schulte (bei Adolf Hitler) und des Apostolischen Nuntius Cesare Orsenigo (beim Auswärtigen Amt) blieben ohne Erfolg. Hitler ließ in der Regel die besonders fanatischen Kirchenhasser Himmler und Heydrich Schläge gegen Christentum und Kirche führen, sofern sich dabei keine größeren innen- oder außenpolitischen Turbulenzen einstellten. Bei diesem Schlag gegen die Katholische Aktion sah Hitler keine Veranlassung, den Protesten nachzugeben.

So kamen die SD-Bibliotheksexperten in den Besitz des wertvollen Bücherbestands der Katholischen Aktion. Sie wollten ihn für die sogenannte Gegnerforschung ihres SD nutzbar machen. In einem entsprechenden Gutachten hieß es: „Man hätte mit einem Schlage die Literatur zur Hand, auf die sich die katholische Pädagogik stützt und deren Kenntnis und leichte Erreichbarkeit für den Abwehrkampf des katholischen Gedankengutes unerläßlich ist.“


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