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05.04.08 / Von Preußischblau bis Zinnober / Zwei Wochen malen (und anderes kennen)lernen in Nidden auf der Kurischen Nehrung

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-08 vom 05. April 2008

Von Preußischblau bis Zinnober
Zwei Wochen malen (und anderes kennen)lernen in Nidden auf der Kurischen Nehrung

Wieder – im nun schon achten Sommer – können sich im Juli und August etliche Maler aus ganz Deutschland auf der Kurischen Nehrung in Nidden zusammenfinden, um zu malen. Bereits 2007 suchten sie ihre Motive vor den interessantesten Landschaftsformen und den farbigsten Objekten von Nidden und Umgebung.

Die Hohe Düne war bereits aufgerollt; ihr feiner Sand angehäuft. Die Sonne, der Wind waren bestellt. Die Maler konnten losgehen, bepackt mit dem Aquarellkasten, dem breiten Pinsel und dem runden, dem Büttenblock, einem Liter Wasser im Rucksack und dem Stühlchen in der Hand. Die Dozentin Karina Stängle hatte routiniert das beste Motiv im Auge. Die Schüler saßen vor der Wahl, aus welchem Blickwinkel sie das Thema darstellen wollten. Nachdem alle ihren richtigen Platz gefunden hatten, empfahl die Aquarellehrerin das weitere Vorgehen: Wo verläuft die Horizontlinie? Mit welchen Farben kann man die Untermalung beginnen? Mit vorangegangener Skizze gelang dann jedes Aquarell. Nach rund fünf Stunden fand gleich vor Ort die Bildbesprechung statt. Trotz derselben Landschaft waren alle Umsetzungen erstaunlich unterschiedlich.

Am dritten Tag schon vermochte man, die entstandenen Aquarelle den einzelnen Malern zuzuordnen. Einmal spendete sogar der Gott Perkunas großen Applaus mit Blitzlicht und Getrommel. Schnell bekräftigten die Maler diese Aufmerksamkeit unter dem gelben Dach der Fischräucherei mit Aal, Zander oder Brasse, umspült von Bier oder litauischem Wodka. Das Bonmot dieses Abends war dann auch: Fünf Minuten Lachen ersetzt ein Ei.

In den zwei Wochen blieb den Malern genügend Zeit, weiteren eigenen Interessen nachzugehen. Der Ostseestrand lockte am Nachmittag bis zum abendlichen Sonnenuntergang. Am freien Tag wurde bis Preil-Perwelk oder gar Schwarzort geradelt. Dabei wurde auch einmal eine Pause eingelegt, zum Beispiel in einem Fischlokal mit „Haffbrücke“, einem überdachten Pavillon über dem Haffwasser. Andere unternahmen eine geführte Autofahrt zum Rombinus, dem mythenumwobenen Berg der Heiden oberhalb der Memel, auf dem noch heute große Sonnenwendfeiern stattfinden. Pilzesucher freuten sich über ihre Ausbeute. Abends war des öfteren Programm im Thomas-Mann-Haus: Man hörte Vorträgen zu oder genoß die Kammermusik der litauischen Künstlern aus Memel und Vilnius. Die Kirche bot Orgelkonzerte. Dagegen hielten sich andere am Segelhafen auf, wo von großer Bühne Open-Air-Konzerte ihre heißen Rhythmen über das Haff schickten. Besichtigungen von Memel und Schwarzort waren bereits unternommen worden.

Am letzten Tag der Malferien sah es die Hotelleitung sehr gern, daß auf der Hotelterrasse am Haff und dem Foyer die Bilder der Malgruppe gezeigt wurden. Mit Hilfe von Hängeleinen und genügend Klammern entstand eine sehenswerte Präsentation der Arbeiten von zwölf Mal-Tagen. Die Hoteldirektion unterstützte die Malgruppe bei deren Abschlußfeier mit Getränken und Torte. Groß war bei den so Beschenkten die Freude.

Mit allerhand neuen Dingen im Gepäck wie rahmenswerten Aquarellbildern, einer Handvoll Bernstein, edlen Leinenstücken, farbigen Steinen vom Ostseestrand, sogar einem Kurenwimpel, etwas Sand im Badeanzug oder gar einem sperrigen Baumkuchen, wurde Abschied genommen. Ein farbenfreudiger Sonnenuntergang bekräftigte den wunderbaren Aufenthalt mit den vielfältigen Begebenheiten auf dieser Landzunge.

K. S.

Diese Art von Malferien findet auch diesem Sommer wieder statt, dann zum mittlerweile achten Mal. Oft sind „Wiederholer“ dabei, aber auch neue sind herzlich willkommen. In diesem Jahr bietet die Volkshochschuldozentin Karina Stängle ihre Reise vom 26. Juli bis 9. August an. Informationen sind erhältlich bei Karina Stängle, Rosmarinweg 11, 73733 Esslingen, Telefon / Fax (07 11) 3 70 10 45, oder Litauen-Reisen, Telefon (09 31) 8 42 34.

Foto: Alle malen ein Motiv: Doch jeder setzt das Thema anders um.


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