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05.04.08 / Der Torschütze wurde vom Gegner bekleckert / Das erste Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft fand vor 100 Jahren gegen die Schweiz in Basel statt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 14-08 vom 05. April 2008

Der Torschütze wurde vom Gegner bekleckert
Das erste Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft fand vor 100 Jahren gegen die Schweiz in Basel statt
von Hans Lody

Als erstes Fußballänderspiel mit deutscher Beteiligung gilt das Kräftemessen mit der Schweiz in Basel am 5. April 1908, das die Eidgenossen mit 3:5 für sich entscheiden konnten. Zuvor hatte es bereits fußballerische Vergleiche zwischen Deutschland, Frankreich und England gegeben. Da diese aber noch vor der Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) stattfanden, werden sie in der Statistik nicht „mitgezählt“. Dabei war auch das Länderspiel vom 5. April 1908 nicht gerade das, was man heute unter einem Länderspiel versteht. So gab es beispielsweise keinen Nationaltrainer, und die Spieler kamen nicht aus dem ganzen Land, sondern nur aus Süddeutschland und Berlin. Erst 1926 leistete man sich den „Luxus“ eines Nationaltrainers. Der Schütze des ersten deutschen Länderspieltores war ein Oberschüler namens Fritz Becker. Auf dem anschließenden Festbankett bekleckerte ein schweizerischer Spieler Beckers geliehenen Smoking. Der DFB wollte die anfallenden Reinigungskosten nicht übernehmen und schließlich mußten die Eltern Becker „einspringen“. Auch das erste Spiel des DFB auf eigenem Platz ging verloren. Das Spiel am 20. April 1908 in Berlin endete 1:5.

Schon auf dem zweiten Kongreß des Weltfußballverbandes wurden Vorschläge zur Abhaltung einer Weltmeisterschaft gemacht. Tatsächlich kam es aber erst 1930 dazu. Aufgrund der führenden Rolle des südamerikanischen Fußballs wurde das Turnier in Uruguay ausgetragen. Beleidigt über diese Vergabe blieb England – das Mutterland des Fußballs – ebenso wie Deutschland diesem Turnier fern.

Bei der WM 1934 in Italien beteiligte sich Deutschland erstmals und erreichte unter Reichstrainer Otto Nerz einen respektablen dritten Platz. 1938 war Deutschland bei der WM in Frankreich weniger erfolgreich. 1950 durfte Kriegsverlierer Deutschland kein Team entsenden; dafür wurde die WM 1954 in der Schweiz zu einem Triumph für die geschlagene und gedemütigte Nation. In einem dramatischen Endspiel siegte Deutschland über Ungarn 3:2.

1958 und 1962 erreichte die deutsche Auswahl wenig, aber 1966 kam es im Finale im Londoner Wembley Stadion zu einem Kräftemessen mit dem Gastgeber. Nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung konnten die Engländer den Pokal in Empfang nehmen – Deutschland war Vizeweltmeister. 1970 schied Deutschland im Halbfinale gegen Italien aus. 1974 fand das Turnier erstmals in Deutschland statt, und nach einem packenden Finale gegen die Niederlande hatte die deutsche Mannschaft um ihren Kapitän Franz Beckenbauer wieder den Meisterpokal in den Händen.

Bei der folgenden WM war Deutschland weniger erfolgreich, wurde dafür aber 1982 und 1986 jeweils Vizeweltmeister. 1990 gab es bei der WM in Italien dann den dritten deutschen Weltmeistertitel. Im Endspiel besiegte die Mannschaft unter Teamchef Franz Beckenbauer Argentinien und nahm damit Revanche für die Niederlage im Endspiel des Jahres 1986, bei dem Argentinien gegen Deutschland die Nase vorn gehabt hatte.

In den folgenden Jahren langte es „nur“ noch in der von Korea und Japan gemeinsam ausgetragenen WM 2002 zu einem Vizeweltmeistertitel. Auch 2006 erreichte die deutsche Nationalmannschaft „nur“ den dritten Platz. Dafür wurde die Nationalmannschaft unter Bundestrainer Jürgen Klinsmann aber der „Weltmeister der Herzen“. Das ganze Land befand sich im Fußballjubel und die Jugend begeisterte sich wieder verstärkt dafür, selbst Fußball zu spielen.


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