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07.06.08 / Wie Ying Zheng China einte / Im Jahre 221 vor Christi Geburt gründete der Quin-Herrscher das Kaiserreich der Mitte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-08 vom 07. Juni 2008

Wie Ying Zheng China einte
Im Jahre 221 vor Christi Geburt gründete der Quin-Herrscher das Kaiserreich der Mitte
von Manuel Ruoff

Der Begriff „China“ geht auf Quin zurück. Quin war sowohl der Name einer Dynastie als auch eines Staates. Quin wurde 897 v. Chr. durch einen Mann niederen Adels gegründet. Der Aufstieg begann, nachdem das nominelle Oberhaupt Chinas 771 vor Christus vor einer Armee nichtchinesischer Nomaden aus seiner Hauptstadt hatte fliehen müssen und der damalige Quin-Herrscher dem König Schutz gewährt, eine militärische Eskorte zur Verfügung gestellt hatte. Der König dankte diese Unterstützung in der Bedrängnis dem Quin-Oberhaupt mit der Ernennung zum Herzog.

Von dieser Basis bauten die Quin ihre Macht in den folgenden Jahrhunderten aus. Dabei wurde der Staat von einer Idee geprägt, dem Legalismus. Eine prägende Rolle kam in diesem Zusammenhang dem Reformer Shang Yang zu, der als Kanzler einen hocheffizienten Staatsapparat schuf. Die Verwaltung wurde zentralisiert, Grund und Boden neu verteilt, Maße und Gewichte vereinheitlicht und untätige Aristokraten entmachtet. Legalisten wie Shang Yang vertraten den Standpunkt, daß alle Menschen von Grund auf gleich seien und deshalb grundsätzlich niemandem von Geburt an Privilegien zukämen. Die Folge war eine Leistungsgesellschaft, welche – abgesehen vom Herrscherhaus – keine Geburtsrechte kannte. Durch seine von vielen als rücksichtslos empfundenen Reformen machte sich Shang Yang zwar viele Feinde, die ihn letztlich zu Fall brachten, doch ob ihrer unleugbaren Erfolge blieb die von ihm eingeführte Reformidee auch nach seinem Sturz und der diesem folgenden Tötung prägende Staatsidee im Reiche der Quin.

Besonders erfolgreich waren die Reformen in der Armee. Ursprünglich waren die Streitkräfte von Adeligen befehligt worden. Nach den Reformen hatten jedoch Angehörige aller Gesellschaftsschichten den Marschallstab im Tornister, wenn sie denn talentiert genug waren. Die Armee wußte jedoch nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ zu überzeugen. Dank der effektiven Wirtschaftspolitik war der Unterhalt von angeblich etwa 600000 Soldaten möglich.

Jetzt bedurfte es nur noch eines zupackenden Herrschers. 247 v. Chr. gelangte der 13jährige Ying Zheng an die Spitze des Quin-Reiches. Nach der Erlangung der vollen Regierungsmacht mit 22 begann er seine Einigungskriege. 230 v. Chr. wurde Han, das schwächste der sogenannten sieben streitenden Reiche Chinas, das erste Opfer von Zhengs Armee. 228 v. Chr. wurde die Hauptstadt von Zhao eingenommen und mit dessen König der bisherige nominelle Herrscher Chinas Quin-Gefangener. Ein Zhao-Prinz konnte zwar flüchten und weiter Widerstand leisten, doch geriet auch dieser 222 v. Chr. in Quin-Gefangenschaft. Ein vom Yan-Kronprinzen initiiertes Attentat auf ihn nahm der Quin-Herrscher zum willkommenen Anlaß, nun Yan anzugreifen. Yans Hauptstadt fiel 227 v. Chr. Zwei Jahre später griff Zheng Wei an. Nach einer dreimonatigen Belagerung der Hauptstadt gab der König von Wei auf. 224 v. Chr. kam das im Süden liegende Chu an die Reihe. Als schließlich 221 v. Chr. Quins Armee in Qi einfiel, stieß sie kaum noch auf Widerstand.

Nach der Niederwerfung der sechs Rivalen machte sich der Quin-Herrscher noch im Jahre der Eroberung des letzten Reiches zum Kaiser von China und seine Familie zu dessen Herrscherhaus.


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