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07.06.08 / Pakistan statt Iran / Die USA überlegen neue Strategie

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-08 vom 07. Juni 2008

Pakistan statt Iran
Die USA überlegen neue Strategie
von R. G. Kerschhofer

Die Spekulationen darüber, was der US-Präsident noch zur Verschärfung der Nahost-Lage beitragen könnte, hatten sich zuletzt auf den Iran konzentriert – vor allem nach einem US-Dementi jener auf den Iran bezogenen Äußerungen, die laut „Jerusalem Post“ während Bushs Israel-Reise gefallen sein sollen. Es kommt Bush sehr ungelegen, daß Israel „hinter seinem Rücken“ mit den Iran-Verbündeten Syrien, Hisbollah und Hamas verhandelt.

Nun mehren sich aber die Indizien dafür, daß eine Militär-Operation in Pakistan bevorsteht: Dort droht ein Vakuum, denn die mühsam gebastelte Koalitions-Regierung ist zerfallen, Staatspräsident Musharraf ist weitgehend entmachtet, und die Haltung der Armeeführung ist undurchsichtig. Es gibt anscheinend ein „Friedensabkommen“ der Regierung mit den „pakistanischen Taliban“, und das Militär zieht sich aus den Grenzgebieten zurück. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer formulierte diplomatisch, daß die Afghanistan-Mission auf einem erfolgversprechenden Weg sei, daß aber vermehrt „Gewalttäter“ über die Grenze aus Pakistan kämen. Die halbamtliche afghanische Zeitung „Hewad“ forderte US-Angriffe auf die Taliban in Pakistan. Und im US-Hauptquartier im Emirat Katar soll es bereits eine Einsatzbesprechung gegeben haben – mit dem für das regionale Oberkommando designierten Irak-Kommandanten David Petraeus und der US-Botschafterin in Pakistan Anne Peterson. Petraeus hatte erst im April behauptet, Osama bin Laden bereite einen neuen Anschlag vor. Der Sender El-Dschasira vermeldete nun bin Ladens angeblichen Aufenthaltsort in Pakistan. Das ist brisant, denn das Gebiet grenzt an China, genauer an die mehrheitlich von turkstämmigen Muslimen bewohnte Unruheprovinz Xinjiang.

Um das Bild abzurunden: Die pakistanische Regierung forderte soeben eine Uno-Untersuchung über den Mord an Benazir Bhutto – fünf Monate nach der Tat. Diese an sich recht seltsame Forderung kann als Versuch gewertet werden, die Augen der Weltöffentlichkeit auf Pakistan zu ziehen, damit das Land nicht zu einem zweiten Afghanistan wird.      RGK


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