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07.06.08 / Droht ein Krieg? / Gefährlicher Streit um die Erdgasblase der Spratly-Inseln

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-08 vom 07. Juni 2008

Droht ein Krieg?
Gefährlicher Streit um die Erdgasblase der Spratly-Inseln
von Joachim Feyerabend

Jahrtausende hat sich kein Mensch für die 200 Mini-Inseln und Sandbänke der Spratlys in der Südchinasee interessiert, doch nun streiten sich gleich sieben Nationen um das flache Seegebiet, das als größter Kontinental-Shelf der Erde gilt. Beobachter halten sogar den Ausbruch eines Krieges für möglich. Der Hintergrund: Die Inselgruppe liegt vermutlich über einer gigantischen Erdgas- und Erdölblase.

Auf rund 180000 Quadratkilometer Seegebiet verteilen sich die nur zehn Quadratkilometer Fläche und die höchstens sechs Meter hohen Inselköpfe, Korallenriffe und Felsspitzen, durch die zudem eine der wichtigsten Schiffahrtslinien unserer Zeit mit gut der Hälfte der Welttonnage führt.

Die USA sind besorgt, denn eine kriegerische Auseinandersetzung würde wegen des Fracht- und Tankerverkehrs gravierende Auswirkungen für den Welthandel bedeuten.

40 der Inselchen sind bereits mit militärischen Bauten unter anderem von China, Thailand und Vietnam bepflastert. Taiwan, Malaysia, das Sultanat Brunei und die Philippinen erheben ebenfalls Ansprüche. Scharmützel hat es in den vergangenen Jahren bereits gegeben. Nach dem Muster der „Salamitaktik“ okkupierte die Volksrepublik seit Beginn der 90er Jahre Scheibchen um Scheibchen. Derzeit sollen rund 1000 Soldaten Pekings auf den Spratlys stationiert sein. Solange im Pazifik amerikanische und sowjetische Kriegsschiffe die Machtbalance hielten, ruhte der Streit, und die Philippinen nutzten die Inseln ungestört als Wirtschaftszone für ihre Fischerei, doch nach dem Kollaps der UdSSR und dem Abzug des größten Teils der US-Flotte nördlich von Manila machten sich vor allem die roten Machthaber breit. Ihre explodierende Volkswirtschaft ist dringend auf eigene Rohstoffe angewiesen und der Bedarf Südostasiens an Erdöl – so Wirtschaftsexperten – steigt jährlich um vier Prozent, die Hälfte entfällt auf die Volksrepublik. Eine Förderung von täglich 1,9 Millionen Barrel auf den Spratlys, die China Nansha-Inseln nennt, ist das erklärte Ziel Pekings.

„Erst die Spratlys, dann Palawan“, ängstigt sich der philippinische „Daily Inquirer“ um die Insel der Philippinen und die dortigen Offshore-Reserven. Die Furcht ist angesichts der militärischen Überlegenheit der roten Flotte nicht unbegründet, denn Pekings Machthaber beanspruchen bereits Indonesiens Nantuna-Gasfelder auf dem Shelf dieses fernöstlichen Inselstaates – ein weiterer Konfliktstoff. Das Gebiet ist mehr als 1500 Kilometer vom südlichsten Punkt der chinesischen Küste entfernt.

Die erst von Engländern, Franzosen  und 1938 von Japanern in Besitz genommene Inselgruppe wurde nach Japans Niederlage im Zweiten Weltkrieg völkerrechtlich schlicht vergessen und ist jetzt niemandem zugeordnet. Daher der Deal zwischen Chinas Premier, Präsidentin Gloria Arroyo von den Philippinen und der Regierung Vietnams, wonach in einem Joint-Venture die weitere Exploration zur wirtschaftlichen Ausbeutung der Gebiete vorangetrieben werden soll. Bonbon Pekings an Manila: Dollarmillionen für Infrastruktur und Militär. Doch dieses Agreement für eine friedliche Lösung des Konflikts kann wiederum von den anderen Anwärtern auf den Ölkuchen nicht akzeptiert werden – das gefährliche Spiel geht also weiter.


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