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07.06.08 / Schreibtherapie übers Internet / Kooperationsprojekt des bzfo und der Universität Greifswald für die Kinder des Zweiten Weltkrieges

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 23-08 vom 07. Juni 2008

Schreibtherapie übers Internet
Kooperationsprojekt des bzfo und der Universität Greifswald für die Kinder des Zweiten Weltkrieges

Der Zweite Weltkrieg endete vor 63 Jahren, aber für viele Menschen ist er noch nicht zu Ende. Noch heute leiden Kinder des Krieges unter dem Erlebten. Inzwischen 65 Jahre und älter, quälen sie sich weiterhin – oder mit zunehmendem Alter wieder – mit psychischen Langzeitfolgen. Diesen Menschen soll jetzt geholfen werden – mit einer speziellen Schreibtherapie.

Viele Menschen der Kriegsgeneration haben nie oder nur in Bruchstücken über ihr Schicksal geredet. Häufige Folge: Die unbewältigten traumatischen Erlebnisse machen sich durch Symptome wie Schlafstörungen, Angst, Schmerzustände, Interessenverlust sowie Gefühle von Schuld und Scham bemerkbar. Hinzu kommt oft unfreiwilliges Erinnern des Erlebten. Hier setzt das Behandlungsangebot an, das im Rahmen einer Pilotstudie vom „Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin“ (bzfo) und der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald entwickelt wurde. 

Die Therapie findet über das Internet statt. In den sechs Behandlungswochen schreibt jeder Teilnehmer in jeweils 45 Minuten insgesamt elf Texte. In der persönlichen Rückmeldung des Therapeuten werden jeweils auch Instruktionen für den darauffolgenden Text gegeben.

„Die Schreibtherapie in dieser Studie konzentriert sich nicht nur auf das Trauma, sondern sie stellt die gesamte Lebensgeschichte der Person in den Mittelpunkt. So werden in den ersten sieben Texten einzelne Lebensphasen betrachtet, in zwei weiteren steht das traumatische Ereignis im Fokus und in den beiden letzten wird dieser Teil der Vergangenheit abgeschlossen“, sagt Dr. Christine Knaevelsrud vom bzfo. Gemeinsam mit Dr. med. Phillipp Kuwert von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Greifswald im Hanse-Klinikum Stralsund leitet sie das Projekt.

In der Behandlung über das Internet sieht Dr. Knaevelsrud gleich mehrere Vorteile: „Menschen mit körperlichen Einschränkungen können die Hilfe bequem von zuhause in Anspruch nehmen. Für manchen ist es auch leichter, ohne direkten Gegenüber von dem Erlebten zu reden.“ Außerdem gebe es in Deutschland, besonders auch in ländlichen Regionen, keine flächendeckende Versorgung mit Insti-tutsambulanzen und entsprechenden Experten, die auf diese Patientengruppe und das hochwirksame Instrument der integrativen Schreibtherapie spezialisiert seien. 

Das Projekt, an dem nur ausgebildete klinische Diplom-Psychologen beteiligt sind, wird von einer wissenschaftlichen Studie begleitet: Sie soll die psychosomatische Wirksamkeit des Behandlungsansatzes untersuchen und zugleich ermitteln, wie die Therapie und besonders der Weg über das Internet aufgenommen wurden.

Dazu müssen die Teilnehmer vor sowie drei und sechs Monate nach der Behandlung Fragebögen ausfüllen.

Die Teilnahme an der Therapie ist einfach und ohne große Hürden möglich. Anmelden kann sich, wer unter traumatischen Erlebnissen der Kriegszeit leidet, älter als 65 ist, sich nicht in intensiver medizinischer oder psychologischer Betreuung befindet, nicht übermäßig Alkohol (und andere Drogen) oder Beruhigungsmittel konsumiert – und natürlich Zugang zu einem Computer mit Internetanschluß und E-Mail-Adresse hat.

Die Entscheidung, für wen die Schreibtherapie geeignet ist, wird über einen Fragebogen ermittelt - und auch im Ablehnungsfall begründet.

Für die kostenlose Teilnahme an der Behandlung steht nur eine begrenzte Zahl von Plätzen zur Verfügung. In Ausnahmefällen ist die Schreibtherapie auch per Brief oder Fax möglich.

Die E-Mail-Adresse für die Anmeldung lautet: maria.boettche@lebenstagebuch.de

Weitere Informationen zu diesem Behandlungsangebot, zu den Voraussetzungen für die Teilnahme und zur Studie unter www.lebenstagebuch.de sowie unter www.bzfo.de (Menüpunkt: Forschung > Kriegsüberlebende)


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