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21.06.08 / Für Tapferkeit und Mut / Bekommt die Bundeswehr bald einen Orden für „außergewöhnlich tapfere Taten“?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-08 vom 21. Juni 2008

Für Tapferkeit und Mut
Bekommt die Bundeswehr bald einen Orden für „außergewöhnlich tapfere Taten“?
von Jan Heitmann

Es gibt vier Klassen: verdiente, erdiente, erdienerte und erdinierte.“ Dieser Ausspruch des Feldmarschalls von der Goltz-Pascha wird immer dann zitiert, wenn es um Orden und Ehrenzeichen geht. Darüber, zu welcher Kategorie die Auszeichnungen der Bundeswehr gehören, wird in der Truppe gern gelästert – natürlich vor allem von denjenigen, die sich bei Ehrungen übergangen fühlen. Was es bislang in den deutschen Streitkräften nicht gibt, ist eine Tapferkeitsauszeichnung.

Der Bundestagsabgeordnete Ernst-Reinhard Beck, Oberst der Reserve und Präsident des Reservistenverbandes, will das ändern. Er fordert die Stiftung eines Ordens „für besondere Tapferkeit, besonderen Mut und besondere Einzelleistungen im Einsatz“. Das Mitglied des Verteidigungsausschusses geht sogar noch weiter und bringt die Wiedereinführung des Eisernen Kreuzes ins Spiel, das als Hoheitszeichen der Bundeswehr eine bundesrepublikanische und darüber hinaus eine bis zu den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813 zurückreichende deutsche Tradition habe.

Bundesverteidigungsminister Franz Joseph Jung zeigte sich der Idee seines Parteifreundes Beck gegenüber sogleich aufgeschlossen und leitete den Vorschlag zuständigkeitshalber an Bundespräsident Horst Köhler weiter. Dieser stellte jetzt in Aussicht, einen Orden für „außergewöhnlich tapfere Taten“ zu genehmigen. Allerdings beeilte er sich zu versichern, an eine Wiederbelebung des Eisernen Kreuzes sei nicht gedacht. Damit reagierte das Staatsoberhaupt auf Kritiker wie den Zentralrat der Juden, die vor einer „Anknüpfung an unselige Traditionen“ warnen. Tatsächlich ist die Debatte um eine deutsche Tapferkeitsauszeichnung die logische Konsequenz aus der Wandlung der Bundeswehr von einer Abschreckungsarmee des Kalten Krieges zu einer Armee im Einsatz.

Die Erfahrungen mit dem Ordenswesen während der nationalsozialistischen Herrschaft haben den Entschluß, in der Bundesrepublik Deutschland wieder Orden und Ehrenzeichen zu verleihen, erheblich erschwert.  Ein Vierteljahrhundert lang mußten die Bundeswehrsoldaten auf die dekorative Brustzier verzichten, so sie keine Meriten aus der Kriegszeit vorzuweisen hatten. Kriegsauszeichnungen dürfen seit 1957 wieder getragen werden, allerdings nur in einer „entnazifizierten“ Version ohne Hakenkreuz. Alle anderen mußten sich mit dem allerdings nur bei höheren Dienstgraden zu findenden Bundesverdienstkreuz, den ebenfalls selten an Soldaten verliehenen Verdienstorden der Länder   begnügen. Außerdem dürfen die nach dem Ordensgesetz anerkannten zivilen deutschen Sportauszeichnungen an der Uniform getragen werden. Ebenfalls zugelassen sind die Ehrenzeichen der Feuerwehr, des Roten Kreuzes und ähnlicher Organisationen sowie die von den Bundesländern gestifteten Auszeichnungen für Katastrophenhilfe. Im Vergleich mit ihren oftmals bunt geschmückten Verbündeten fielen die meisten deutschen Vaterlandsverteidiger somit durch wahrhaft republikanische Schlichtheit auf. Das änderte sich erst in den 70er Jahren mit der Einführung der Tätigkeits- und Leistungsabzeichen der Bundeswehr, deren Verleihung an eine besondere Qualifikation, einen bestimmten Ausbildungs- und Leistungsstand oder den Nachweis militärsportlicher Leistungen geknüpft ist. Zu diesen Abzeichen, die im ordensrechtlichen Sinne keine Orden und Ehrenzeichen, sondern lediglich Bestandteil der Uniform sind, gehört auch die seit Kaisers Zeiten bekannte Schützenschnur.

Erst 1980 wurde der Wunsch der Militärs nach einer eigenen Auszeichnung erfüllt. Das in vier Stufen verliehene Ehrenzeichen der Bundeswehr wird laut Stiftungserlaß „als sichtbare Anerkennung für treue Dienste und in Würdigung beispielhafter soldatischer Pflichterfüllung“ vergeben. Voraussetzung für die Verleihung ist neben der gezeigten Leistung eine von der Ordensstufe abhängige Mindestdienstzeit. 

Anders verhält es sich mit der Einsatzmedaille, die seit 1996 als „sichtbares Zeichen für die Teilnahme an Einsätzen oder besonderen Verwendungen außerhalb des deutschen Hoheitsgebietes im Rahmen von humanitären, friedenserhaltenden oder friedensschaffenden Maßnahmen“ vergeben wird. Sie wird an Soldaten verliehen, die mindestens 30 Tage Dienst im Einsatzland geleistet haben, unabhängig von der Leistung und unabhängig davon, ob der Dienst im sicheren Feldlager oder auf gefährlichen Patrouillenfahrten geleistet wurde.

In allen Streitkräften der Welt wird nur außergewöhnliche Tapferkeit honoriert. Die aber läßt sich in den gegenwärtigen Einsätzen der Bundeswehr kaum unter Beweis stellen, versteht man unter Tapferkeit doch gemeinhin die Bewährung im Gefecht. Kommt ein Soldat bei einem Bombenattentat zu Schaden, ist sein Opfer zwar aller Ehren wert, mit Tapferkeit im eigentlichen Sinne hat das aber nichts zu tun. Sinnvoll wäre in diesen Fällen die Verleihung eines Verwundetenabzeichens, wie sie in verbündeten Streitkräften praktiziert wird.

Nun soll es aber eine Tapferkeitsauszeichnung sein. Mit der grundsätzlichen Zustimmung des Bundespräsidenten ist der Sprung über den Stock geschafft. Jetzt geht es um die Form der Auszeichnung. Darüber aber dürfte noch leidenschaftlich in den Ausschüssen gestritten werden.

Foto: Ehrenformation der Bundeswehr bei der Beisetzung von Philipp Freiherr von Boeselager: Das Eiserne Kreuz ist für die Bundeswehr tabu

 

Zeitzeugen

Friedrich der Große – Gleich nach seiner Thronbesteigung 1740  stiftete König Friedrich II. von Preußen (1712–1787) den Orden „Pour le Mérite“ (für das Verdienst). Damit sollten herausragende militärische, bald darauf auch zivile Leistungen honoriert werden. So verlieh ihn Friedrich auch dem Philosophen Voltaire.

 

Ernst Jünger – Der 1895 geborene Philosoph, Schriftsteller, Insektenkundler und Offizier Jünger war bei seinem Tod 1998 der letzte lebende Träger der Kriegsklasse des „Pour le Mérite“ für außergewöhnliche Tapferkeit im Feld. Jünger, der an beiden Weltkriegen teilnahm, bestach durch die Unabhängigkeit seines Geistes. In einem Jahrhundert, das von Opportunismus und nachträglicher Besserwisserei geprägt war, hob er sich damit deutlich ab. Das brachte ihm Bewunderung, aber vor allem Irritation und Ablehnung ein.

 

Hanna Reitsch – Als eine von nur zwei Frauen wurde die brilliante Fliegerin Reitsch (1912–1979) mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. Bei Testflügen in einem bemannten V1-Marschflugkörper wurde sie mehrfach schwer verletzt. Am 26. April 1945 flog sie ins umkämpfte Berlin, um Hitler herauszuholen, der lieber blieb. Als Nationalsozialistin sehen sie Historiker dennoch nicht, eher als politisch sehr naiv. Insbesondere die Rassepolitik des NS lehnte Hanna Reitsch indes scharf ab und wies alle Vorstöße, in eine NS-Organisation aufgenommen zu werden, zurück.

 

Hasso von Manteuffel – Von dem Wehrmachtsgeneral a. D. und seinerzeitigen FDP-Politiker stammte in den 50er Jahren der Vorschlag, die westdeutsche Armee „Bundeswehr“ zu nennen. Manteuffel (1897–1978) war einer von nur 27 Trägern des Ritterkreuzes mit Eichenlaub, Schwertern und Brillianten.

 

Erich Mende – Der Ritterkreuzträger und spätere FDP-Chef Mende (1916–1998) setzte sich in den 50er Jahren massiv dafür ein, daß Wehrmachtsorden wieder öffentlich getragen werden dürften. Dies wurde mit den Ordensgesetz von 1957 schließlich erlaubt. Allerdings schreibt das Gesetz vor, daß das Hakenkreuz dabei nicht sichtbar sein darf.


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