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21.06.08 / »Schatz, wo warst du?« / Persönliche Toleranzgrenzen sollten in der Partnerschaft rechtzeitig besprochen werden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-08 vom 21. Juni 2008

»Schatz, wo warst du?«
Persönliche Toleranzgrenzen sollten in der Partnerschaft rechtzeitig besprochen werden
von Anja Schäfers

Eifersucht kommt in den meisten Partnerschaften vor. So ist er vielleicht mißtrauisch, weil sie den Nachbarn besonders freundlich grüßt. Oder sie mag es nicht, daß er sich mit einer Arbeitskollegin so gut versteht. Gefühle wie diese sind nicht angenehm, ganz ohne geht es aber nicht. „Einer Beziehung ohne Eifersucht fehlt häufig die Liebe“, sagt Hildegard Baumgart, Autorin des Buches „Formen der Eifersucht“. Denn bis zu einem gewissen Grad möchte jeder von seinem Partner begehrt und besessen werden.

Viele Paare gehen davon aus, daß sie dieselbe Einstellung zu Themen wie Vertrauen oder Treue haben. Früher oder später zeigt sich jedoch oft, daß jeder Partner seine ganz eigenen Ansichten und Erwartungen habe. Der eine flirtet zum Beispiel gerne mit anderen Menschen und mißt dem keine Relevanz für seine Liebesbeziehung zu.

Der Partner kann sich dadurch aber durchaus verletzt oder sogar betrogen fühlen. „Seine persönlichen Toleranzgrenzen sollte man unbedingt miteinander besprechen“, empfiehlt Baumgart.

Beim Thema Eifersucht gibt es zudem Unterschiede zwischen den Geschlechtern. „Denn das Gefühl hat auch biologische Wurzeln“, sagt Marcus Damm, Autor des Buches „Psychologie der Eifersucht“.

Da Männer laut Evolution für die Weitergabe ihrer Gene sorgen müssen, würden sie vielfach besonders empfindlich auf die sexuelle Untreue ihrer Partnerin reagieren. Frauen hingegen verzeihen einen Seitensprung eher, reagieren aber meist heftig, wenn Emotionen im Spiel sind.

Natürlich bestimmen auch die eigenen Lebenserfahrungen das Verhalten in der Partnerschaft. „Oft neigen zum Beispiel Menschen, die als Kind emotional zu kurz kamen, später zu Eifersucht“, berichtet Damm.

Andere ahmen vielleicht unbewußt die Beziehung ihrer Eltern nach, in der ein Partner den anderen mit Hilfe ihrer Eifersucht kontrolliert habe. Auch spätere Erlebnisse können prägend sein, etwa eine erste Liebe, die einen betrogen habe.

Vor diesem Hintergrund sollte man untereinander seine Gefühle austauschen und konkrete Abmachungen für die Partnerschaft treffen. Viele Paare ziehen zum Beispiel eine klare Grenze beim Seitensprung, räumen jedem aber andere Freiheiten ein.

„Vielleicht darf sie mit anderen Männern flirten, weil das ihrem Ego gut tut“, sagt Damm. Er wiederum möchte sich vielleicht pornografische Bilder anschauen, ohne daß sie an seiner Liebe zweifelt.

Schwierig wird es in einer Beziehung immer dann, wenn einer der Partner zu heftiger Eifersucht neigt. Dieser verdächtigt dann zum Beispiel den anderen bei jeder Verspätung, ihn zu hintergehen.

Die Frage „Schatz, wo warst du?“ wird dann nicht interessiert oder fürsorglich gestellt, sondern ist als Vorwurf gedacht. „Es ist schwierig, auf unberechtigtes Mißtrauen angemessen zu reagieren“, sagt Baumgart.

In ihrer Zeit als Paarberaterin hat Baumgart mehrfach erlebt, daß sich extrem eifersüchtiges Verhalten durch Nachgeben des Partners nur verschlimmerte.

Eine Frau ließ sich zum Beispiel anfangs darauf ein, nicht mehr allein an den Strand zu gehen. Nach und nach verlangte ihr Mann immer mehr Einschränkungen von ihr, bis die Frau die Wohnung nicht mehr verlassen durfte.

Im Alltag bemerken viele Betroffene ihr zwanghaftes Verhalten oft nicht und streiten es ihrer Umwelt gegenüber ab. „Dann ist das Führen eines Eifersuchtstagebuchs hilfreich“, sagt Damm.

Erst unzählige Einträge wie „Warten auf Antwort-SMS“ oder „Phantasie darüber, wie Partner fremdgeht“ würden vielen Menschen vor Augen führen, daß die Kontrolle des Partners ihr Leben bestimme.

„Im nächsten Schritt werden einem eifersüchtige Gedanken bewußt, noch während man sie denkt“, sagt Damm. Wenn sich zum Beispiel der Partner verspätet, bemerke man etwa seine von der Eifersucht bestimmte Schlußfolgerung: „Sie trifft sich mit einem anderen“ und deutet sie um in „möglicherweise kauft sie noch ein“ oder „vielleicht steht sie im Stau“.

Letztlich müsse man immer sein Verhalten ändern. Der extrem eifersüchtige Partner sollte etwa lernen, sich Kontrollanrufe oder Fragen wie „Wo warst du solange?“ zu verkneifen. Dabei könne ihm zum Beispiel helfen, sich in kritischen Situationen mit positiven Tätigkeiten abzulenken oder sich Bonuspunkte für jede unterlassene Kontrollfrage zu geben.

Parallel dazu sollte sich das Paar einmal in der Woche eineinhalb Stunden zusammensetzen, um über ihre Gefühle in den Vortagen zu sprechen.

„Ganz wichtig ist dabei, daß man nur Ich-Botschaften ausspricht“, sagt Damm. Etwa: „Ich habe am Montagabend die schlimmsten Befürchtungen gehabt, weil du eine Stunde später als sonst von der Arbeit gekommen bist.“

Auch der andere Partner hat dann die Chance, seine Gefühle zu äußern. Er kann zum Beispiel berichten, daß er sich bevormundet fühlt oder daß ihm die unbegründeten Verdächtigungen weh tun.

„Solche Auseinandersetzungen gehen oft nicht ohne Emotionen und gegenseitiges Anschreien ab“, berichtet Damm. Um so wichtiger sei es, daß sich diesen Gesprächen eine schöne Unternehmung anschließen würde, etwa ein gemeinsames Abendessen oder ein Kinobesuch.

Foto: Ertappt: Wird der Seitensprung verziehen?


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