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21.06.08 / Abgründe der Seele / Mord weckt alte Erinnerungen an Erniedrigung mit Todesfolge

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-08 vom 21. Juni 2008

Abgründe der Seele
Mord weckt alte Erinnerungen an Erniedrigung mit Todesfolge

Für niemanden ist es schön, ein Außenseiter zu sein. Nicht für Erwachsene, aber schon gar nicht für Kinder. Doch genau dieses Schicksal ereilt in John Burnsides Roman „Die Spur des Teufels“ den schüchternen, zurückhaltenden Jungen Michael, der mit seinen Eltern in den kleinen, konservativen Küstenort Coldhaven zieht.

Sein Vater, ein bekannter Naturfotograf, kann dort hervorragend seinen Studien fröhnen, und so bemerken die Eltern kaum, wie unglücklich ihr Sohn ist, der zu allem Übel auch noch von dem Raudi Malcolm gehänselt und gepeinigt wird.

Der Roman des schottischen Erfolgsautors John Burnside spielt in der Zeit, als Michael bereits erwachsen und verheiratet ist. Erst als in den Nachrichten die Schreckensmeldung umgeht, daß seine ehemalige Freundin Moira ihre zwei Söhne bei lebendigem Leibe in ihrem Auto verbrannt hat, holt ihn die Vergangenheit ein, und er erinnert sich an ihren Bruder Malcolm, der ihn als Kind bis aufs Blut quälte und dessen Tod Michael damals zu verschulden hatte. Bis heute weiß nur Michael, wie Malcolm wirklich zu Tode kam.

„Ich schaute Malcolm an. Was er auch vorhatte, ich wollte nur noch, daß es bald vorbei war. ,Weißt du, wo wir sind?‘, fragte er. Ich nickte. ,Hier war die Molkerei.‘ ,Stimmt.‘ Sein Gesicht verdüsterte sich. ,Zieh deinen Pullover aus‘, sagte er ... Ich glaubte, er wolle mir etwas Unaussprechliches antun, etwas, das ich mir nicht einmal vorstellen konnte. Verzweifelt schüttelte ich den Kopf und spürte, wie meine Unterlippe zitterte. Zum ersten Mal weinte ich in seiner Gegenwart ... Er konnte mich schlagen, sooft er wollte, aber ich würde mich nicht an die Ratten verfüttern lassen. Rotz lief mir aus der Nase, Tränen strömten mir übers Gesicht.“

Wieder und wieder wurde Michael von Malcolm zutiefst gedemütigt. Zuflucht und Verständnis fand er nur bei der alten, etwas wunderlichen Mrs. Collings, die ihm jedoch eines Tages einen Rat mit verheerenden Folgen gab.

Während in der Gegenwart Michaels Ehe mit Amanda zu zerbrechen droht, beschäftigt er sich ausschließlich mit der Vergangenheit und kommt auf die fixe Idee, Moiras Tochter Hazel könne von ihm sein. Von diesem Tag an beginnt er, das 14jährige Mädchen auf Schritt und Tritt zu beobachten, eine Tragödie nimmt ihren Lauf.

„Die Spur des Teufels“ ist ein spannender, psychologisch geschickt aufgebauter Roman über Verzweiflung, Sünde und Buße. Burnsides Roman präsentiert eine komplexe, abgründige und zugleich auf gewisse Weise tröstliche Story in einer düsteren, beklemmenden Atmosphäre.        A. Ney

John Burnside: „Die Spur des Teufels“, Knaus Verlag, München 2008, geb., 254 Seiten, 18 Euro


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