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21.06.08 / Verschleppte Atemnot / Das gut behandelbare Asthma bronchiale wird oft zu spät diagnostiziert

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 25-08 vom 21. Juni 2008

Verschleppte Atemnot
Das gut behandelbare Asthma bronchiale wird oft zu spät diagnostiziert
von Haiko Prengel

Daß Asthma ein derart großes Problem in Deutschland darstellt, ist nach Ansicht von Experten eigentlich unnötig. Die Lungenkrankheit ist heute gut behandelbar, sofern die Betroffenen rasch und möglichst noch im frühen Kindesalter von einen kompetenten Facharzt betreut werden. Doch das ist häufig nicht der Fall: Gerade Erwachsene bagatellisieren die Symptome und zögern den Arztbesuch zu lange heraus. Oder aber der Betroffene gerät an einen Mediziner, der die Symptome nicht ernst nimmt und die Krankheit nicht angemessen behandelt, wie Falko Panzer, Facharzt für Kinderpneumologie und -allergologie in Mannheim, bemängelt.

Ungenügend behandelte Asthmapatienten sind ihm zufolge einfach zu erkennen: Sie tragen ein Spray mit sich herum und inhalieren mehrmals am Tag bronchienerweiternde Wirkstoffe. Als Notfallmedikament sind diese Sprays laut Panzer auch durchaus sinnvoll: Bei einem Anfall werden die verengten Bronchien wieder erweitert und die Luftnot wird beendet. Für die langfristige Therapie eines Asthma bronchiale eigneten sie sich aber nicht. „Damit werden nur die Symptome, nicht aber die Ursache bekämpft“, betont der Mediziner.

Die Ursache für verengte Bronchien und Luftnot ist eine asthmatische Entzündung des Bronchialgewebes. Die Symptome können auf ganz unterschiedliche Weise hervorgerufen werden, zum Beispiel durch eine Infektion der Atemwege, besonders häufig aber durch Allergien. Mittel der Wahl sind deshalb entzündungshemmende Medikamente: „Wird eine frühkindliche Asthma-Neigung bei zwei bis drei Jahre alten Kindern diagnostiziert, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 80 Prozent, daß die Kinder die Symptome zwei bis drei Jahre später wieder verlieren“, erläutert Panzer.

Wird die Krankheit dagegen verschleppt oder unzureichend behandelt, kommt es zu einer chronischen Entzündung, es drohen irreversible Schäden der Lunge: „Ein sogenanntes Emphysem kann entstehen, das heißt, die Lungenbläschen werden überbläht und die Lunge wird schlaff wie ein Lappen“, sagt Panzer.

Dann ist irgendwann der Zeitpunkt gekommen, wo Patienten tatsächlich nicht mehr ohne Notfallspray auskommen, weil sie schon bei kleinsten Anstrengungen Luftnot kriegen. Nicht selten kommt dann sogar jede Hilfe zu spät.

„Immer noch sterben jedes Jahr rund 4000 Menschen an einem Asthmaanfall“, beklagt Harald Mitfessel, Facharzt für Pneumologie und Allergologie in Remscheid. Hinzu kommen die Millionen schwerkranker Patienten mit zu spät diagnostiziertem Asthma, für deren Behandlung jedes Jahr Unsummen aufgebracht werden müssen.

Gerade Eltern sollten deshalb aufmerksam sein, wenn ihr Nachwuchs über längere Zeit Husten oder Atembeschwerden hat. Oft geht Asthma eine fiebrige Infektion der Atemwege voraus, Mediziner sprechen von einem „infektgetriggerten“ Asthma bronchiale. „Kennzeichen ist, daß der Schnupfen nach ein bis zwei Wochen verschwindet, der Husten aber bleibt“, erläutert Panzer. Dann sollten Eltern nicht zögern, einen Kinderarzt aufzusuchen.

Darüber hinaus hat die Erkrankungswahrscheinlichkeit mit der genetischen Veranlagung zu tun. Erhöhtes Risiko besteht deshalb für Kinder aus Familien, in denen Asthma bereits seit Generationen ein Problem ist. Zudem erkranken Allergiker überdurchschnittlich häufig an Asthma. „Es liegt eine bronchiale Übererregbarkeit vor – eine Art Vorstufe von Asthma. Das heißt, die Betroffenen reagieren auf Kälte, körperliche Belastung oder Allergien besonders schnell mit einer Verkrampfung der Lungen“, erläutert Facharzt Mitfessel.

Darüber hinaus zeigt sich Asthma häufig bei oder nach körperlicher Belastung. Eltern sollten also mißtrauisch werden, wenn ihr Sprößling beim Fußball oder Tennis ständig husten muß oder ungewöhnlich schnell Luftnot bekommt – auch dann ist ein Besuch beim Kinderarzt beziehungsweise Kinderlungenarzt angezeigt. Ein völlig „falsches Signal“ sei dagegen, die Kinder wegen Asthma ganz aus Verein und Sportunterricht herauszunehmen. „Sport stärkt die Lungen und die Atemmuskulatur und kann eine Asthma-Therapie unterstützen“, sagt Panzer. Dies hätten schon mehrere Spitzensportler mit Höchstleistungen bei Olympia gezeigt – trotz schweren Asthmas.     

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund hält auf seiner Internetseite www.daab.de umfangreiche Informationen über die Lungenkrankheit bereit. Eine alternative Anlaufstelle ist die Deutsche Atemwegsliga (www.atemwegsliga.de). Die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (www.nakos.de) gibt bei der Suche nach Asthma-Selbsthilfegruppen Unterstützung.

Foto: Patientin mit Asthma-Spray: Zur langfristigen Therapie nicht geeignet


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