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28.06.08 / Der 30-Milliarden-Aderlaß / Explosion der Energiekosten verdirbt die Konsumlaune der Verbraucher ganz

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 26-08 vom 28. Juni 2008

Der 30-Milliarden-Aderlaß
Explosion der Energiekosten verdirbt die Konsumlaune der Verbraucher ganz

Es herrscht keine klare Sicht: Wer glaubt, auf dem hektischen Ölmarkt den Dreh zur Abwehr der Preisexplosion finden zu können, geht in die Irre – auch die Wirtschaftsminister der wichtigsten Verbraucherländer, die in der saudischen Stadt Dschidda Hilfe suchten, bekamen keinen Fingerzeit. Nur eines ist klar, der jähe Anstieg der Energiekosten plündert die Deutschen aus und gefährdet das Wirtschaftsgefüge.

30 Milliarden Euro werden die Bundesbürger in diesem Jahr als Preisaufschlag für Energie zusätzlich ausgeben müssen, das meiste für Öl und Erdgas, aber auch für Strom und die stark subventionierten Öko-Energien. Zum Vergleich: Nicht einmal alle Bundesbediensteten zusammen, die Soldaten der Bundeswehr eingeschlossen, verdienen im Jahr soviel.

Eine schlüssige Erklärung für die extremen Preisanstiege gibt es nicht – und kann es auch nicht geben. Der Öl- und Energiemarkt ist alles andere als transparent. Seit 1987 geben die in der Opec zusammengeschlossenen wichtigsten Erdölproduzenten keine verläßlichen statistischen Daten mehr heraus. 1987 war für die Opec das Jahr der Krise: Ein Faß Erdöl brachte damals noch nicht einmal zehn US-Dollar. Heute rangieren die Preise an den Börsen zwischen 130 und 140 Dollar.

Seit 1987 lassen sich die Opec-Produzenten nicht mehr in die Karten schauen und veröffentlichen nur noch Pseudodaten über ihre Ölvorkommen und ihre Förderfähigkeit. Daneben verwirren Falsch- und Fehlmeldungen die Verbraucher. Viele Marktanalysen sind vom Wunschdenken geprägt, vor allem dann, wenn gleichzeitig alternative Energieträger propagiert werden – diese Prognosen über einen drohenden Versorgungsengpaß bei Erdöl sind grundsätzlich falsch.

Nur zum Beispiel könnte Saudi-Arabien allein aus seinen stillen Reserven halb China versorgen, und der Iran sitzt noch immer auf enormen Mengen von unverkauftem Öl minderer Qualität.

Die Panikmache über das „Ende des Öls“ spielt den Spekulanten in die Hände, schlechte Nachrichten sind Futter für die Börsenhaie. Alle handeln nach der Devise: Kasse machen, solange es noch geht.

Und das ist die zweite große Frage, über die keine Klarheit herrscht. Wie lange halten die Industriestaaten die Peitschenhiebe von den Öl-, Gas- und Strombörsen noch aus? Die Wirtschaftsminister bleiben ratlos, trotz ihres Krisengipfels in Saudi-Arabien.

Es ist klar, daß ein 30-Milliarden-Raubzug den Verbrauchern die Stimmung verhagelt. Die Gesellschaft für Konsumforschung meldet, die Kaufneigung sei so schlecht wie seit drei Jahren nicht mehr. Allein von Juni zu Juli 2008 dürfte der Konsumklimaindex von 4,7 auf 3,9 Punkte abstürzen.

Ähnlich, aber langsamer in der Reaktion, zeigen die verschiedenen Indikatoren pessimistische Erwartungen für Industrie, Handel und Exportwirtschaft. vs


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