25.01.2022

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12.07.08 / Die ostpreußische Familie / Leser helfen Lesern

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-08 vom 12. Juli 2008

Die ostpreußische Familie
Leser helfen Lesern
von Ruth Geede

Lewe Landslied,       

liebe Familienfreunde,

nicht immer können wir die gewünschte Hilfestellung bieten, vor allem dann, wenn sie unser eigentliches Aufgabengebiet übersteigt. So können wir nicht direkt bei der Beschaffung von Dokumenten tätig werden, aber wir vermögen Wege aufzuweisen, welche Institutionen dafür zuständig sind. Beispiel: Geburtsurkunde. Da haben Vertriebene und ihre Nachkommen noch immer Schwierigkeiten, wenn die Geburtsorte in den verlassenen ostdeutschen Gebieten liegen und keine Dokumente gerettet werden konnten. Zwar ist das Problem heute nicht mehr so gravierend wie in den vergangenen Jahrzehnten, aber in der letzten Zeit sind doch einige Anfragen gekommen, und so möchte ich die Betreffenden und mögliche weitere Interessenten noch einmal auf den Kirchlichen Suchdienst in München hinweisen, der auf diesem Gebiet sehr gute Arbeit leistet. Diese Institution hilft bei der Wiederbeschaffung der Nachweise wie Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden sowie Auszüge aus dem Kirchenregister. Bis 1876 lag nämlich die Beurkundung wie auch die Führung des Personenstandes in der Verantwortung der Kirche. Die Mitarbeiter des Kirchlichen Suchdienstes recherchieren, ob die entsprechende Urkunde im Herkunftsland vorliegt, helfen bei der Beschaffung und übersetzen im Bedarfsfall amtliche Bescheide, die in polnischer Sprache ausgestellt werden.

Als Beispiel möchten wir hier den Fall einer jungen Frau aus Leichlingen bringen. Anni Kocks benötigte die Geburtsurkunde ihrer Mutter, deren Heimatort Dirschau ist. Sie hatte überhaupt keine Ahnung, wie, wo und auf welchem Wege sie an die Urkunde gelangen konnte. Erst der Hinweis auf den Kirchlichen Suchdienst brachte die Lösung. Dank der kompetenten Unterstützung besitzt Frau Kocks nicht nur die Geburtsurkunde ihrer Mutter, sondern auch von deren fünf Geschwistern. „Diese Dokumente sind für mich ungeheuer wertvoll“, sagt Frau Kocks, „und das nicht nur für Amtszwecke.“ Hier die Anschrift: HOK, Kirchlicher Suchdienst, Geschäftsstelle, Lessingstraße 3 in 80336 München, Telefon (0 89) 54 49 72 01, Fax (0 89) 54 49 72 07, E-Mail: ksd@kirchlicher-suchdienst.de, web: www.kirchlicher-

suchdienst.de. „…nicht nur für Amtszwecke …“, schreibt Frau Kocks und meint damit, daß damit auch ihrer Familie gedient ist, dem Erkennen der eigenen Geschichte, wie wir es in vielen Briefen spüren, die uns erreichen. Da blieben bisher viele Blätter in der Biographie leer, konnten nicht beschriftet werden, aus welchen Gründen auch immer. Vielleicht können wir welche auffüllen – das hoffe ich jedenfalls für Herrn Frank Scharein aus Münster, für den Herr Erich Sander aus Roetgen / Eifel Familienforschung betreibt. Und die führt nach Ostpreußen, nach Grünhagen, Kreis Pr. Eylau. Dort heirateten am 16. November 1924 der Landarbeiter Franz Scharein und Emma Jordan. Sie hatten mindestens zwei Kinder: Herbert Scharein, * 3. April 1923 in Grünhagen, der als Angehöriger der deutschen Wehrmacht 1943 in Zuchanewo, Rußland, fiel, und Ursula Scharein, die am 29. Juni 1958 in Münster / Westfalen ihren Sohn Frank gebar. Die Familie war nach der Vertreibung in Bagband, Gemeinde Große­fehn, Ostfriesland wohnhaft. Emma Scharein verstarb in Leer. Das sind alle Angaben, die Herr Sander zur Verfügung hat – also viele schwarze Löcher. Ob der 1898 in Wakelsdorf ( Wackelsdorf ) geborene, 1945 in Polen verstorbene Frank Scharein ein Verwandter war, konnte bisher nicht festgestellt werden. Es geht also um mögliche Verwandte oder ehemalige Bekannte der Großeltern von Frank Scharein, die über diese Familie etwas aussagen könnten. Über jeden Hinweis wäre der Suchende, der endlich etwas über seine mütterliche Familie erfahren möchte, sehr dankbar. (Zuschriften bitte an Frank Scharein, Dyckburgerstraße 34 in 48155 Münster, Telefon 02 51 / 2 30 34 05, oder Erich Sander, Rosentalstraße 71 in 52159 Roetgen / Eifel, Kreis Aachen, Telefon 0 24  71 / 92 16 11, E-Mail: pincefritte@googlemail.com.)

Ahnenforschung will so tief wie möglich die Familiengeschichte ausloten, und so sucht auch Herr Erwin Feige aus Chemnitz nach seinen Urahnen. Immerhin hat er es schon sehr weit gebracht, denn urkundlich belegt ist 1763 ein Johann Christian Feige, der mit seiner Ehefrau Charlotte geborene Mühlpfordt und drei Kindern von Radschen, Kirchspiel Kussen nach Millenen zog, das zum Kirchspiel Budwethen gehörte. Dort wurden noch vier Kinder geboren, eines von ihnen, Johann Christoph, * 1772, ist der Ur-Ur-Ur-Großvater von Erwin Feige. Nun geht es ihm um die Erforschung zur Einwanderung jenes Urahnen, der die ostpreußische Linie gründete. Das dürfte Christoph Feige (auch Feyge) gewesen sein, der 1725 aus Arfeld mit seiner Ehefrau Catharina Elisabeth und zwei Söhnen in das nördliche Preußen zog, wahrscheinlich in das Kirchspiel Kussen, Kreis Pillkallen. Aber zuvor wird berichtet: „So nach dem 31. Oktober 1724 an einem Hochpreißlichen und Reichskammer Gericht zu Wetzlar ausgesprochenen Unheil ohn gesucht un erlangte Erlaßsung der Leibeigenschaft, dennoch Frevelhafterweiß heimlich ausgewichen.“ Mein vor einem Jahr im Ostpreußenblatt erschienener Artikel über die Einwanderung der hessischen Siedler in Ostpreußen hat Herr Feige sehr an die – „frevelhafte“ – Einwanderung seines Vorfahren aus dem Wittgensteiner Land erinnert und ihn veranlaßt, weitere Nachforschungen anzustellen. Ich habe in meinen Unterlagen leider keine weiteren Angaben über die Auswanderer aus der „Wittgensteiner Grafschaft“, aber das starke Echo, das mein Artikel fand, dürfte auch diesmal zu weiteren Informationen aus unserm Leserkreis führen. Vor allem interessiert Herrn Feige, ob etwas über die Ankömmlinge im Kirchspiel Kussen und ihre Integration in dem damals durch Pest und Krieg „wüst“ gewordenen Land bekannt ist. (Erwin Feige, Am Karbel 52 in 09116 Chemnitz, Telefon: 03 71 / 3 36 37 48, E-Mail: Feige09116@web.de.)

„Als langjähriger Leser weiß ich, daß so manche Fragezeichen-beladene Suchanzeige, aufgegeben Jahrzehnte nach dem Schicksalsjahr 1945, von Ihnen mit Erfolg gekrönt werden konnte“, schreibt Herr Klaus Diet­rich aus Bad Honnef und bittet uns, seinen – hoffentlich nur scheinbar – hoffnungslosen Fall in Behandlung zu nehmen. Da man in unserm Wartezimmer dank des jetzt uns großzügig zur Verfügung gestellten Platzes nicht Wurzeln schlagen muß, ehe man dran ist – es sei denn, die Angaben sind ungenügend oder Anschriften fehlen, das gibt’s leider noch immer! –, wird also Ihr Anliegen schnell behandelt, eigentlich vorschnell, denn Ihr Schreiben, lieber Herr Dietrich, weist das Datum vom „27. Juli 1908“ auf! Fast möchte ich Sie beneiden, denn Sie sind dank zweier Heimatforscher zu einer – fast – lückenlosen Familiengeschichte gekommen. Da ist eben noch ein kleines schwarzes Loch: Es geht um Franz Thierfeld aus Goldap, dessen Verbleib nach 1945 unbekannt ist. Seine Mutter Marie Auguste Thierfeld, * 14. August 1869 in Gawaiten (Herzogsrode), arbeitete als Magd in Bindszuhnen (Bindemark) beim Bauern Gottlieb Dietrich, dem Großvater des Schreibers. Am 2. November 1900 gebar sie einen Sohn, der am 18. November in Wilhelmsberg auf den Namen Franz getauft wurde. Die Mutter lebte von da an bis zur Flucht in Gawaiten, soll 1959 in Westdeutschland verstorben sein. Ihr Sohn Franz wurde Schneider in Goldap. Es ist unbekannt, ob er verheiratet war und Familie hatte, ob er eingezogen wurde und eventuell in Gefangenschaft kam oder ob er von Goldap aus auf die Flucht ging, ob und wo er einen Neuanfang begann. Gesucht werden nun seine – möglichen – Nachfahren oder andere Informanten, die über ihn und seine Mutter etwas aussagen können. Ich glaube schon, daß dieses kleine schwarze Loch sich füllen wird. (Klaus Dietrich, Karlstraße 77 in 53604 Bad Honnef, Telefon 0 22 24 / 1 06 95.)

Schon lange hat Herr Lothar Stockhaus aus Düsseldorf den Wunsch, Näheres über seine Vergangenheit zu erfahren. Er gehört zu jener Generation, deren Kindheit schon früh Risse bekam, bedingt durch die letzten Kriegsjahre, Evakuierung und Vertreibung. Aber je länger die Zeitspanne zwischen dem Gestern und Heute wird, desto stärker wird der Wunsch, ein Stück der verlorenen Kindheit wiederzufinden, das Wenige, was die Erinnerung bewahrt hat, verlangt nach Erklärung und Ergänzung. So wollen wir auch Herrn Stockhaus helfen, seine frühe Kindheit aufzuhellen. Lothar Stockhaus wurde am 10. Juni 1938 als Sohn von Albrecht Stockhaus und seiner Ehefrau Luise geborene Kühne in Neidenburg geboren. Er hatte noch drei Geschwister: Dieter, Waltraud und Waldemar. Die Familie wohnte in der Kardinal­stra­s­se 5 (?), ab Ok­tober 1944 in der Tschiersestraße, Nummer unbekannt. Da kommen schon die ersten Fragezeichen, die sich schnell vervielfachen. Eingeschult Ostern 1944, Unterricht dauernd wechselnd in verschiedenen Gebäuden wie Schulen und Rathaus. Lothar Stock­haus schreibt: „Wenn ich nach Hause kam, fragte mich meine Mutter stets: Wo habt ihr morgen Schule? Das wußte ich selten zu sagen. Wir hatten wenig Unterricht.“ Sicherlich werden sich noch andere Neidenburger an jene Zeit erinnern, vielleicht sogar ehemalige Schulkameraden. An sie richtet Herr Stockhaus den Wunsch, ihm mitzuteilen, was sie noch über Unterricht, Lehrer und Mitschüler wissen. Vielleicht besitzt ja jemand noch Klassenfotos oder Abbildungen von den Schulgebäuden? Noch vor dem großen Orlog, im Winter 1944, wurde die Familie Stockhaus zusammen mit anderen Neidenburgern nach Puttbus auf Rügen evakuiert und bekam Unterkunft bei Frau Hoge in der Bergener Landstraße. Hier gab es keinen Schulunterricht. Oft erlebte das Kind, wie Flugzeuge über Puttbus flogen. In Erinnerung geblieben ist Lothar Stockhaus noch der Besuch bei den Matrosen im Hafen von Lauterbach, wo die Männer für die Kinder Theater spielten. Anfang 1945 wurden die Neidenburger weiter nach Damme i. O. gebracht. Unter ihnen war auch Bruno Sawitzki aus Neidenburg mit seiner Familie, zu der die Kinder Brigitte, Siegfried, Norbert und Brunhilde gehörten. An diese Familie wie auch an die anderen Neidenburger, die nach Rügen evakuiert wurden, richtet sich die Bitte von Lothar Stockhaus, sich bei ihm zu melden, damit er mit ihnen über jene Erlebnisse sprechen kann. Er würde sich sehr, sehr freuen! Und wir auch, wenn ihm ein Stück Kindheit zurückgegeben würde. (Lothar Stockhaus, Platanenstraße 13 in 40233 Düsseldorf.)

Wir hatten kürzlich das Foto von einem Teilnehmer an einer Taufe in der Königsberger Auferstehungskirche gebracht, in dem die Schwiegermutter von Herrn Prof. Hofmann aus Norderstedt glaubte, ihren seit 1943 vermißten Sohn Horst Jastrau zu sehen. Was leider nicht der Fall war, wie sich schnell ergab, als der abgebildete Herr sich bei Herrn Prof. Hofmann meldete und auf nette Weise zu verstehen gab, daß er nicht der Gesuchte sei. Damit war eine monatelange Suche über verschiedene Medien beendet – aber etwas ganz anderes ergab sich aus der Veröffentlichung. Und wieder wird unsere Ostpreußische Familie gefordert, denn Angelika und Wolf Hofmann schreiben:

„Auf Ihren Artikel hin erreichte uns ein weiterer Anruf von einer interessierten Dame. Sie stammt aus Tilsit wie mein Vater beziehungsweise Schwiegervater Helmut Knoch und hatte eine Mitschülerin mit demselben Nachnamen. Da seine jüngere Schwester im selben Jahr geboren ist wie sie und es dem Vernehmen nach in Tilsit nicht so viele Familien mit dem Namen gegeben haben soll, könnte es sich bei ihrer ehemaligen Mitschülerin um seine Schwester Erika handeln. Leider hat die nette Dame nicht ihre Telefonnummer hinterlassen, so daß wir uns nicht noch einmal an sie wenden könnten, um hier weiter gemeinsam überlegen zu können. Dieser Kontakt könnte Anregungen ergeben, über die wir uns ebenfalls freuen würden.“ Soweit das Ehepaar Hofmann. Also bitte, liebe Tilsiterin: Melden Sie sich noch einmal bei Herrn Prof. Dr. Wolf Hofmann, Quickborner Straße 6 in 22844 Norderstedt, Telefon (0 40) 5 22 69 62.

Da wir schon in Tilsit sind, bleiben wir gleich an der Memel. Auf dem Meßtischblatt hat Herr Dipl.-Ing. Manfred Mickoteit den elterlichen Hof mit Windmühle gefunden. Er liegt nördlich von Scheiden an der Straße nach Ragnit. Dort wurde Manfred Mickoteit auch geboren. Sein Vater hat die Windmühle gebaut und ihm ist deshalb sehr daran gelegen, ein Foto zu bekommen. Da eine Windmühle ja ein im wahrsten Sinne des Wortes überragendes Gebäude ist, dürfte sie als Merkmal der Gegend öfter fotografiert worden sein. Wer ein solches Foto besitzt oder weiß, wo sich eine Abbildung befindet, melde sich bitte bei Herrn Dipl.-Ing. Manfred Mickoteit, Alte Heerstraße 61 in 56076 Koblenz, Telefon (02 61) 4 85 97.

Eure Ruth Geede

Foto: Anni Kocks: Ihr konnte der Kirchliche Suchdienst weiterhelfen.


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