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12.07.08 / Die Stunde der Marineflieger

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-08 vom 12. Juli 2008

Die Stunde der Marineflieger
von Klaus Gröbig

Am 19. Juli 1918 wurde erstmalig ein Luftangriff gegen Bodenziele von Radflugzeugen ausgeführt, die von der Startbahn eines Schiffes gestartet waren. Ort des Geschehens war Tondern – damals deutsche Grenzstadt – heute zu Dänemark gehörig.

Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges, am 16. September 1914 war dem Reichsmarineamt der Vorschlag unterbreitet worden, knapp nördlich der Stadt Tondern einen Zeppelinstützpunkt mit zwei großen Hallen zu errichten. Dieser Vorschlag wurde im Prinzip angenommen und realisiert. Während des gesamten Krieges wurden von Tondern aus 1550 Zeppelinflüge zur Seeaufklärung oder als Angriffsflüge gegen England unternommen. So war Tondern ein ganz besonders wichtiger Stützpunkt. Über kurz oder lang mußte diese Basis die Aufmerksamkeit der Briten erregen.

Die britische Marineleitung forderte für spätestens Juni 1918 einen Angriff gegen Tondern. Am 17. Juli 1918 verließ das britische Kriegsschiff HMS „Furious“, begleitet von einigen leichten Kreuzern und Zerstörern, Scapa Flow. In einigem Abstand folgte eine Deckungsgruppe mit einigen Schlachtschiffen. Am 19. Juli 1918 hatte die „Furious“ einen Punkt 80 Meilen nordwestlich von Tondern vor der dänischen Küste auf der Höhe von Lyngvig erreicht. Auf dem Startdeck standen Jagdflugzeuge vom Typ Sopwith Biplane F.1 „Camel“ bereit. Jede der Maschinen trug zwei Bomben.

Es war noch dunkel, als um 3.14 Uhr die erste Gruppe der Angreifer startete. Die Piloten Jackson, Dickson und Williams hoben problemlos vom Startdeck ab und verschwanden in der Nacht. Acht Minuten später starteten die „Camels“ der Piloten Smart, Thyne, Dawson und Yeulett von der „Furious“. Der erste Luftangriff von Radflugzeugen, die von der Startbahn eines Schiffes abgehoben hatten und die zumindest theoretisch wieder auf diesem Schiff landen sollten, hatte begonnen.

Nach knapp anderthalbstündiger Flugzeit, um 4.35 Uhr waren die ersten drei Flieger über Tondern. Sie griffen die größte der Zeppelinhallen, die sogenannte Toska-Halle, mit Bomben an und sahen diese in Flammen aufgehen. Von sechs geworfenen Bomben trafen fünf die Halle, die nicht nur selbst ein Opfer der Flammen wurde. Auch die dort abgestellten Luftschiffe L 54 und L 60 wurden vernichtet.

Die nächste Welle erschien um 4.50 Uhr über Tondern. Von den ursprünglich vier gestarteten Maschinen waren allerdings nur noch drei dabei. Pilot Thyne hatte über der Nordsee Maschinenschaden und mußte notlanden. Mit der Treffsicherheit der verbliebenen drei war es weniger gut bestellt. Ein Flugzeug griff die Stadt Tondern an und warf eine Bombe auf dem Viehmarkt der Stadt. Die übrigen Angreifer attakkierten die beiden älteren Hallen und brachten dort zwei Treffer an.

Von den drei Piloten der ersten Welle flogen zwei ins nahe Dänemark und ließen sich internieren, der dritte machte nahe dem Mutterschiff eine Notlandung. Von den drei Fliegern der zweiten Welle landete einer in Dänemark, einer stürzte ins Meer – seine Leiche wurde später angeschwemmt, und der dritte notlandete nahe der „Furious“.

Der Autor des Beitrags ist Verfasser des Heftes „Flugzeugträger ,Furious‘„ (Schiffe Menschen Schicksale, Nr. 121), SMS-Verlag, Kiel 2004, 46 Seiten, 4,90 Euro.


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