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19.07.08 / Alle an einem Tisch / Die Union für das Mittelmeer ist in Paris gegründet worden

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-08 vom 19. Juli 2008

Alle an einem Tisch
Die Union für das Mittelmeer ist in Paris gegründet worden
von Jean-Paul Picaper

Die Gründungskonferenz der Union für das Mittelmeer (UFM), ein Lieblingsprojekt des französischen Präsidenten, ist in Paris am 13. Juli mit 44 Teilnehmerstaaten ein voller Erfolg gewesen. Nicolas Sarkozy kann sich nun rühmen, ein hervorragender Vermittler zu sein. Mit seinem Mittelmeer-Projekt, das viele für einen Fehler gehalten haben, hat er möglicherweise seinen Namen als Friedenspräsident in die Marmortafel der Geschichte eingemeißelt.

In Paris drückten sich Libanesen und Syrer, Libanesen und Israelis, Syrer und Israelis, Israelis und Palästinenser die Hand und es standen viele Leute als Zeugen und Förderer um sie herum. Die ganze EU warf ihr Gewicht in die Waagschale, aber auch die Türkei, die Emirate, Ägypten und der Maghreb übten gemeinsam Druck aus. Daß der syrische Präsident Bachar el-Assad sich mit dem neugewählten libanesischen Präsidenten General Suleiman in Anwesenheit des Emirs von Katar unterhalten konnte, gilt als Sensation. Auch der Palästinenser Mahmud Abbas und der Israeli Ehud Olmert konnten ein Gespräch miteinander führen. „Wir sind noch nie dem Frieden so nahe gewesen“, äußerte sich der israelische Ministerpräsident. Zum ersten Mal saßen Vertreter von verfeindeten Staaten – seit 1948 im Krieg im Falle Syriens und Israels – am selben Tisch.

Wird diese Region, wo noch blutige Konflikte toben, ähnlich wie die EU zu einem Vorbild für Aussöhnung und Zusammenarbeit werden? Seit Jahrzehnten versuchten die USA, die EU und die Uno vergeblich, dort Frieden zu stiften. Sarkozy hat aber eine ganz andere Methode als alle bisherigen Mittler angewandt. Statt bilaterale Verhandlungen zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln, was natürlich nicht ausgeschlossen wurde, ist er mit dieser großen Konferenz an die Probleme in einem kollektiven Zusammenhang herangegangen. Ein weiterer Trick war, daß auch viele unbeteiligte, neutrale Staaten mitmachten.

Eigentlich lag diese Lösung auf der Hand, da der Nahe Osten eine Region von multilateralen Konflikten mit vielen Betroffenen ist. Aber keiner hatte bisher geahnt, daß gerade darin die Lösung steckte. Die Sarkozy-Methode setzt allerdings voraus, daß die Betroffenen einsehen, daß eine Lösung des Konfliktes in ihrem Interesse liegt und daß es für sie vorteilhafter sein wird, am großen Ganzen, und zwar an der Union für das Mittelmeer, teilzuhaben als in der bisherigen Spannungssituation als einzelne zu beharren. Die Mitgliedschaft in der UFM ist eigentlich die Belohnung für Friedensabschlüsse.

Die politische Methodik ging mit einer Charmeoffensive einher. Die Herzlichkeit des französischen Präsidenten, seine betonte Neutralität und Unvoreingenommenheit, die Vorarbeit der französischen Diplomaten, der gute Ruf des Außenministers Bernard Kouchner als humanitärer Aktivist und die Sanftmut der Präsidentengattin haben sicherlich zum guten Klima beigetragen. Hinzu kam die Genugtuung der Gäste, an der Gloria der französischen Hauptstadt teilzuhaben. Daß fast alle Teilnehmer am französischen Nationalfeiertag

14. Juli die Truppenparade unter der Fahne der Uno auf den Champs-Elysées, der „schönsten Prachtstraße der Welt“, mit erleben konnten, war natürlich ein glänzender Abschluß der politischen Arbeit.

Für das Wohlbefinden und die Sicherheit der hohen Gäste wurde meisterhaft gesorgt. Die Franzosen sind Experten in den Luxusindustrien und beherrschen die Kunst des edlen, stilvollen Empfanges. All diese Mittel hatte Sarkozy bewußt eingesetzt. Es mag oberflächlich klingen: Auf die nüchternen Deutschen hätte dieser Prunk bestimmt keine Wirkung gehabt.


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