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27.09.08 / Flucht in die Privatschule / Berlin: Immer mehr Eltern nehmen ihre Kinder

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-08 vom 27. September 2008

Flucht in die Privatschule
Berlin: Immer mehr Eltern nehmen ihre Kinder von den staatlichen Lehranstalten

Drohungen, Gewalt, Drogen: An vielen staatlichen Schulen Berlins leiden Kinder und zum Teil skandalösen Verhältnissen. Das kam jetzt bei einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) heraus, die in der vergangenen Woche vorgestellt wurde.

Junge Eltern, gerade in Problembezirken wie Wedding oder Tiergarten, wollen ihre Sprößlinge diesen Zuständen nicht mehr aussetzen. Die Folge ist ein Boom von Privatschulen. So hat sich die Zahl der Schüler an Privatschulen seit 1994 von 14000 auf 23000 erhöht, während statt 410000 im Jahre 1994 heute nur noch 330000 Kinder und Jugendliche an Berlins staatlichen Schulen lernen. Nach etwa 50 privaten Schulen 1994 gibt es in Berlin heute rund doppelt so viele.

Die Probleme der staatlichen Lehranstalten haben vielfältige Ursachen. Über eine wird indes nicht gerne offen gesprochen: den hohen Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunft. In vielen Klassen liegt er bei 50 Prozent und mehr. Das senkt laut Experten das Unterrichtsniveau, schon wegen beträchtlicher Sprachprobleme.

Hinzu kommen grassierende Gewalt unter den Schülern und Unterrichtsausfall wegen Lehrermangels. „Da gibt es Schüler“, berichtet ein Privatschullehrer, „die kommen zu uns, weil sie ein Jahr lang kein Englisch hatten – Lehrer krank“. Zusatzangebote verschaffen den Privatschulen weiteren Zulauf: Zweisprachige Erziehung von Anfang an oder Chinesisch.

Da können die Staatlichen nicht mithalten. Also bringen immer mehr Eltern ihre Kindern zur Konkurrenz. Etwa nach St. Alfons. Die katholische Grundschule in Berlin-Tempelhof hat jedes Jahr zwei Klassen. Leiterin Gabriela Stepczynski erklärt: „Die Eltern schätzen unsere Werteerziehung. Deswegen bringen sie ihre Kinder einen weiten Weg jeden Tag zur Schule. Die fahren bis ins Brandenburger Umland.“ Die Kosten sind minimal: 35 Euro pro Monat sind wenig gemessen an dem, was bei anderen Trägern fällig wird.

Die Gebühren bei den Kant-Schulen liegen bei 360 bis 380 Euro monatlich. Es gibt eine Grundschule, eine Oberschule und Spezialschulen (internationale Schulen, eine Akademie). Die Oberschule bietet sowohl das Abitur als auch die Mittlere Reife an.

Schulabgänger mit Mittlerer Reife gab es hier dieses Jahr doppelt so viele wie Abiturienten. Das widerspricht dem Vorurteil, Privatschulen seien nur etwas für die künftige Bildungselite. Auch die evangelische Kirche betreibt private Realschulen in Berlin.

Am vergangenen Wochenende hatten alle privaten Schulträger Berlins Gelegenheit, sich am Tag des Kindes am Potsdamer Platz der Öffentlichkeit zu präsentieren. An den Ständen herrschte reges Treiben. Aufmerksame Eltern wollten es ganz genau wissen. Was kostet Ihre Schule? Muß ich mein Kind jetzt schon fürs nächste Jahr anmelden?

Auch im Umland steigt die Nachfrage. Gerade hat Kardinal Sterzinsky in Potsdam die erste katholische Schule seit 1939 eröffnet, die Vorgängerin war von den Nationalsozialisten geschlossen worden. Patrick O’Brian

Foto: Potsdams erste katholische Privatschule seit 1939 eröffnet: Kardinal Sterzinsky


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