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27.09.08 / Der Dichter als Maler / Galerie in Düsseldorf zeigt Aquarelle und Zeichnungen von Hermann Hesse – Motive aus dem Tessin

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 39-08 vom 27. September 2008

Der Dichter als Maler
Galerie in Düsseldorf zeigt Aquarelle und Zeichnungen von Hermann Hesse – Motive aus dem Tessin

In Düsseldorf ist eine Ausstellung zu sehen, die mit über 75 Aquarellen, mit Zeichnungen und Gedichten eines berühmten Schriftstellers überrascht. Zu sehen sind in der Galerie Ludorff Werke von Hermann Hesse (1877–1962), darunter eine Vielzahl von Arbeiten, die hier erstmals öffentlich präsentiert werden.

Der im württembergischen  Calw geborene Nobelpreisträger Hermann Hesse (1946) gilt als einer der brillantesten deutschen Schriftsteller. Seine Werke „Sidd-hartha“ (1922), „Der Steppenwolf“ (1927) und „Das Glasperlenspiel“ (1943) zählen zu den Meisterwerken der deutschen Literatur. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges zog Hesse 1919 in das Tessin, wo er seine Kriegserlebnisse nicht mehr nur in Worten, sondern vermehrt auch in seinen Bildern zu verarbeiten versucht.

Der Autodidakt beginnt zunächst damit, kleine Vignetten zur Illustration seiner handschriftlichen Gedichte zu malen. Sein großes Interesse und das offensichtliche Talent bringen ihn jedoch schnell dazu, sich größeren malerischen Herausforderungen zu stellen. Während seine phantasievollen und märchenhaften Bilder aus den 1920er Jahren stilistisch noch sehr der kubistischen Analyse der Farbe und der Formen nahestehen, entwickelt sich sein Stil schon bald immer stärker in eine expressionistische Richtung weiter.

Bestärkt wird er in seiner Malerei vor allem durch seinen Freund Louis Moilliet, der 1914 gemeinsam mit den Malern August Macke und Paul Klee nach Tunis gereist war.

In seinen Bildern zeigt Hesse die ganze Pracht seiner Schweizer  Wahlheimat. Doch auch mit Worten näherte er sich dieser wunderschönen Landschaft. 1954 schrieb er die Liebeserklärung „Dank an Tessin“: „Mir das Leben leicht und bequem zu machen, habe ich leider niemals verstanden“, so Hesse. „Eine Kunst aber ist mir immer zu Gebote gestanden: die Kunst schön zu wohnen, Seit der Zeit, da ich meinen Wohnort mir selbst wählen konnte, habe ich immer außerordentlich schön gewohnt, zuweilen primitiv und mit sehr wenig Komfort, aber immer habe ich eine charakteristische, große, weite Landschaft vor meinen Fenstern gehabt. Nie aber habe ich so schön gewohnt wie im Tessin, und noch keinem meiner Wohnorte bin ich so viele Jahre treu geblieben wie meinem jetzigen, es sind 35 Jahre, und ich werde ihn nicht mehr verlassen …“ Hesse starb 1962 in seinem Haus in Montagnola.

Auf seinen Streifzügen fängt Hesse immer wieder die umliegenden Bergmassive, Seen, Dörfer, Blumen, Gärten und vor allem die Schönheit des wechselnden Lichtes ein. Die Berge schimmern in den verschiedensten Blau- und Grautönen, schattenspendende Bäume laden ein zum Verweilen, Häuser, klein, gedrungen und in prächtigen Farben, strahlen Gastfreundschaft aus.

Doch Hesse war keineswegs überzeugt von seiner Kunst: „Es bleibt“, schrieb er 1922 an den Schweizer Maler, Graphiker und Bildhauer Cuno Amiet, „bei ganz einfachen landschaftlichen Motiven, weiter scheine ich nicht zu kommen. Wie schön das andere alles ist, Lüfte und Tiere, bewegtes Leben und gar das Schönste, die Menschen, das sehe ich wohl, oft ergriffen und fast bestürzt, aber malen kann ich es nicht.“

„Ich bin kein guter Maler“, klagte er, „ich bin ein Dilettant; aber es gibt keinen einzigen Menschen, der in diesem weiten Tal die Gesichter der Jahreszeiten, der Tage und Stunden, die Falten des Geländes, die Formen der Ufer, die launigen Fußwege im Grün, so kennt und liebt und hegt wie ich, der sie so im Herzen hat und mit ihnen lebt.“ – Neben den Zeugnissen seiner malerischen Fähigkeiten ist auch eine Vielzahl handschriftlicher Gedichte zu sehen, die diese Ausstellung abrunden.

Rainer Ludorff/Silke Osman

Die Ausstellung mit Aquarellen von Hermann Hesse ist in der Düsseldorfer Galerie Ludorff, Königsallee 22, dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends von 11 bis 14 Uhr bis 31. Oktober zu sehen; Katalog mit einem Essay von Volker Michels und Abbildungen aller Exponate (124 Seiten, Klappbroschur, zahlreiche Abbildungen., 20 Euro).

Foto: Hermann Hesse: Sonnenblumen in Montagnola (Aquarell über Bleistift, um 1927). Erste Aquarelle wurden 1920 in Basel ausgestellt.


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