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17.01.09 / Blick nach innen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 03-09 vom 17. Januar 2009

Blick nach innen
von Konrad Badenheuer

Am Dienstag endet nach acht Jahren die Ära Bush. Mehr als kritisch fällt in den meisten deutschen und auch US-amerikanischen Medien die Bilanz seiner Amtszeit aus. Eine bekannte Historikerin prophezeite gar, Bush werde als „schlechtester Präsident“ seit Bestehen der USA in die Geschichtsbücher eingehen.

Bush selbst hat in seiner letzten Pressekonferenz einen rhetorischen Kunstgriff angewandt, um die desaströse Bilanz heller erscheinen zu lassen: Er übte punktuelle Selbstkritik, um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Zwei Fehler sprach er an: Zum einen die zu frühe Verkündigung des „erfolgreichen“ Abschlusses der Kämpfe im Irak  sehr bald nach Beginn des Feldzuges im Frühjahr 2003 und zum anderen die mißlungene Hilfe für die Stadt New Orleans nach dem Wirbelsturm vom August 2005.

Der erste Hinweis ist bedrückend, denn jedes Kind weiß, daß nicht die zu frühe Verkündigung des Sieges das eigentliche Problem in Sachen Irak war, sondern der Feldzug selbst. Seine Auswirkungen sind katastrophal: Hunderttausende Tote, Stärkung des Irans, Stärkung des islamischen Fundamentalismus durch Exzesse wie die Folter im Gefängnis Abu Ghraib, Anstieg des Ölpreises, weitere Ruinierung der US-Finanzen, massive Schwächung der uralten christlichen Gemeinschaft im Zweistromland – die Aufzählung ist unvollständig. Keine Frage: Die USA haben im Irak und nicht nur dort Völkerrecht verletzt. Und sie tun einfach zuviel außerhalb ihrer eigenen Grenzen. Hier besteht ein direkter Zusammenhang mit der Not im wochenlang überfluteten New Orleans im Herbst 2005.

Auch hier ging Bushs Selbstkritik am Kern des Problems vorbei. Weit skandalöser als alle Fehler bei den Hilfsaktionen waren doch die haarsträubenden Versäumnisse beim Hochwasserschutz. Ein Ballungsraum mit 1,3 Millionen Menschen, der in Teilen unter dem Meeresspiegel liegt, und das in einer der am meisten von tropischen Wirbelstürmen heimgesuchten Regionen der Welt – da sollte man meinen, daß es exzellente Deiche gibt. Genau das war nicht der Fall. Der traditionelle Skeptizismus der US-Gesellschaft gegenüber dem starken, handlungsfähigen Staat, der sich auch in aus europäischer Sicht katastrophalen Mängeln im Gesundheits- und Bildungswesen niederschlägt, ist bei Fragen des Küstenschutzes besonders fatal.

Die beiden Fehler, die Bush eher umschrieben als eingeräumt hat, hängen also zusammen: Was die USA im Ausland zu viel tun, das tun sie im eigenen Land zu wenig. Sein Nachfolger Barack Obama muß angesichts der fatalen Lage um die Rolle der USA als Weltmacht kämpfen. Die wirtschaftlichen Fakten erzwingen eine Konzentration der USA auf die Probleme im Inneren. Sinnvoll wäre diese Änderung des Blick-winkels auch ohne diese Not.

Foto: Selbstzufrieden trotz desaströser Bilanz, die er jedoch selbst als „gut und stark“ bezeichnet: „Wenn ich nach Texas zurückgehe und dort in den Spiegel schaue, bin ich stolz auf das, was ich sehe“, sagte George W. Bush auf seiner letzten Pressekonferenz als US-Präsident.


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