28.01.2022

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17.01.09 / »Greueltat von Tottenham«

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 03-09 vom 17. Januar 2009

»Greueltat von Tottenham«

Das Scheitern der Revolution von 1905 hatte manchen Oppositionellen des Zarenreiches ins vergleichsweise liberale Großbritannien emigrieren lassen. Zu den Dissidenten, die sich in London niederließen, gehörte auch eine Gruppe lettischer Anarchisten. Um ihren Lebensunterhalt und ihre politische Arbeit finanzieren zu können, wurden sie zu Straftätern, wobei sie auch vor Raubüberfällen nicht zurückschreckten. Vor 100 Jahren begingen sie die erste dieser von ihnen als „Expropriationen“ bezeichneten Straftaten. In die Geschichte ging sie als „Tottenham Outrage“ (Greueltat von Tottenham) ein. Paul Hefeld und Jacob Lapidus überfielen einen Geldtransport mit Lohngeldern für eine örtliche Kautschukfabrik. Die Geldboten leisteten Widerstand, und es fielen Schüsse. Da der Überfall bei einer Polizeistation geschah, war die Polizei schnell zur Stelle. Die Täter flüchteten mit dem Geld, und die Polizisten in der Wache nahmen die Verfolgung auf. Über sechs Meilen erstreckte sich die Verfolgungsjagd. Bei der Flucht erschossen die bewaffneten Täter einen Polizisten und einen unbeteiligten Jungen. Doch auch den Verbrechern wurde ihr Tat zum Verhängnis. Der eine erschoß sich in aussichtsloser Lage selber, der andere wurde angeschossen überwältigt und erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Heutzutage würde eine derartige Tat wohl weder als Greuel bezeichnet werden noch in die Geschichte eingehen, aber damals war die Gesellschaft noch nicht derart gegen Gewaltkriminalität abgestumpft. M. R.


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